Steuerparadies CH, wie lange noch?

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16.07.2014 08:44
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Steuerparadies CH, wie lange noch?

Widmer-Schlumpfs Mammutprojekt

 

Drei Steuerprivilegien werden abgeschafft, die Gewinnsteuern gesenkt und private Börsengewinne besteuert. Das sind die Kernelemente der geplanten Unternehmenssteuerreform III.

Die Unternehmenssteuerreform III (USR III) ist eine der komplexesten Steuerreformen in der Geschichte der modernen Schweiz. Ziel ist, das Steuersystem wieder international akzeptabel zu machen. Der Druck der EU und der OECD soll abgewendet und die Gefahr von ausländischen Strafmassnahmen gebannt werden. Gleichzeitig – und das ist die Herausforderung – soll die Schweiz steuerlich attraktiv bleiben. Das kommt beinahe der Quadratur des Kreises gleich, die das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) mit einem ganzen Paket von Massnahmen schaffen möchte. Der Vorschlag von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf enthält die folgenden Hauptelemente:

Abschaffung dreier Steuerregime. Die Privilegierung von Holding-, Verwaltungs- und gemischten Gesellschaften wird aufgehoben, da diese Steuerregime international als Steuerdumping gelten. Falls alle davon betroffenen Firmen wegziehen, gäbe es grosse Steuerausfälle – rund 3,6 Milliarden Franken beim Bund und 2 Milliarden bei den Kantonen.

Um die Attraktivität der Schweiz zu erhalten, schlägt das EFD deshalb mehrere Kompensationsmassnahmen vor:

Lizenzbox. Mit dieser neuen Sonderregelung werden neu Erträge aus Patenten reduziert besteuert. Dadurch können gewisse Unternehmen den Wegfall der kantonalen Steuerstatus teilweise kompensieren. Namentlich Basel hofft, so seine Pharmafirmen halten zu können. Der Bund orientiert sich dabei an Regelungen anderer Staaten, nach dem Motto: «Den Gegner mit seinen eigenen Waffen schlagen.»

Senkung der Gewinnsteuern. Um attraktiv zu bleiben, werden viele Kantone ihre ordentlichen Gewinnsteuern senken; entscheiden werden sie das aber autonom. Das EFD geht davon aus, dass die effektive durchschnittliche Gewinnsteuerbelastung gesamtschweizerisch von 22 auf 16 Prozent sinken wird. Die sich ergebenden Steuerausfälle schätzt das EFD auf 1,7 Milliarden Franken für die Kantone und 500 Millionen für den Bund. Die Wachstumsimpulse, die daraus resultieren dürften, quantifiziert das EFD nicht.

Bund unterstützt Kantone

Weil die USR III vor allem die Kantone trifft, soll der Bund rund die Hälfte ihrer Zusatzlasten übernehmen:

Bundessteuer. 17 Prozent der direkten Bundessteuer bleiben bereits heute bei den Kantonen. Diesen Anteil will das EFD auf 20,5 Prozent erhöhen. Die Kantone erhalten damit jährlich rund eine Milliarde Franken mehr als heute.

Überbrückungshilfe. Zeitlich befristet will das EFD die ärmsten Kantone mit einem «Ergänzungsbeitrag» von jährlich rund 180 Millionen subventionieren. Die Zahlungen sollen während rund 15 Jahren ausgerichtet werden.

Schrauben am Finanzausgleich. Der Wegfall der Steuerregime macht gewisse technische Anpassungen am Finanzausgleich (NFA) zwingend. Alle weiteren Wünsche zum NFA will das EFD nicht im Rahmen der USR III behandeln, um das Fuder nicht zu überladen.

Neue Steuer

Um die Zusatzbelastungen des Bundes zu finanzieren, schlägt Widmer-Schlumpf folgende Massnahmen vor:

Einführung der Kapitalgewinnsteuer. Private Börsengewinne sollen neu besteuert werden. Anlageverluste können mit Gewinnen verrechnet und vorgetragen werden. Geschätzte Mehreinnahmen: Kantone 800 Millionen, Bund 300 Millionen.

Sparmassnahmen. Bis 2019, wenn die Reform greifen soll, will das EFD einen strukturellen Überschuss von jährlich 1,1 Milliarden Franken erarbeiten und auf die hohe Kante legen.

Quelle: nzz.ch

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16.07.2014 10:08
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Umstrittene neue Steuer

Erste Reaktionen zeigen, dass es für Widmer-Schlumpf alles andere als einfach werden wird, Mehrheiten zu finden. Vor allem mit der Kapitalgewinnsteuer stösst sie auf Widerstand.

Die Linke fordert die Besteuerung privater Börsengewinne seit langem; SVP und FDP lehnen dies dezidiert ab. Als einziges Land kenne die Schweiz eine Vermögenssteuer, sagt Nationalrat Ruedi Noser (fdp., Zürich). Zusätzlich eine Kapitalgewinnsteuer einzuführen, würde die bereits heute wirksame Doppelbesteuerung noch verstärken. Davon betroffen wären auch Eigentümer von KMU, sagt Noser. «Die USR III kann nicht auf Kosten der Klein- und Mittelunternehmer umgesetzt werden.»

http://www.nzz.ch/schweiz/die-grosse-steuerreform-steht-bereits-im-gegen...

 

 

Das Vermögen wird jedes Jahr erneut versteuert. Zwar im Promillebereich, aber Kleinvieh mach auch Mist.

 

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin