Türkei

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Notenbank sieht Türkei nach Putschversuch weiter auf Wachstumskurs
26.07.2016 11:38

Ankara/Berlin (awp/sda/reu) - Trotz sinkender Tourismus-Einnahmen wird die türkische Wirtschaft nach Einschätzung der Notenbank auf Wachstumskurs bleiben. Zentralbankchef Murat Cetinkaya sagt eine "stabile und moderate" Entwicklung der Konjunktur im laufenden Jahr voraus.

Das Wachstum werde sich insbesondere auf die Binnennachfrage stützen, sagte Cetinkaya am Dienstag in Ankara. Allerdings seien ausbleibende Feriengäste auf kurze Sicht eine Belastung.

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hatten einige Fluggesellschaften zwar Flüge in die Türkei vorübergehend ausgesetzt. Die Lage entspannte sich nach Angaben der Unternehmen aber rasch wieder.

Die türkische Tourismusbranche ist nach wiederholten Anschlägen und angesichts der Spannungen mit Russland nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs schon länger unter Druck. 2015 gaben die Erlöse in der Branche um 8,3 Prozent nach.

Doch die Wirtschaft des Landes am Bosporus trotzte im vergangenen Jahr der flauen Weltkonjunktur. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 4 Prozent zu. Für das laufende Jahr veranschlagt die Weltbank allerdings eine konjunkturelle Abkühlung auf 3,5 Prozent.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Kleriker Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich und geht massiv gegen dessen mutmassliche Anhänger vor. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, zunächst für drei Monate.

(AWP)

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Gescheiterter Putsch kostet Türkei rund 90 Milliarden Euro
02.08.2016 12:28

ISTANBUL (awp international) - Die Türkei rechnet nach dem gescheiterten Putsch mit einem wirtschaftlichen Schaden von umgerechnet mindestens 90 Milliarden Euro. Unter anderem seien Gebäude und militärische Ausrüstung beschädigt worden, sagte Zoll- und Handelsminister Bülent Tüfenkci nach Angaben der Zeitung "Hürriyet" vom Dienstag.

Der wirtschaftliche Schaden werde voraussichtlich noch steigen. Nicht mitgerechnet bei der genannten Summe von mindestens 300 Milliarden Türkischen Lira sei die Stornierung von Aufträgen aus dem Ausland und der Rückgang der Besucherzahlen. "Die Leute konnten nicht kommen. Denn die Putschisten haben die Türkei wie ein Dritte-Welt-Land aussehen lassen", sagte Tüfenkci.

Zur Zukunft äusserte sich Tüfenkci dennoch positiv. Die türkischen Märkte hätten den Putschversuch gut überstanden. Das wäre in anderen Ländern kaum denkbar gewesen. Auch der Tourismus werde sich wieder erholen.

Schon vor dem gescheiterten Putsch am 15. Juli kam es nach wiederholten Terrorwarnungen und Anschlägen zu einem Einbruch im türkischen Tourismussektor./jam/DP/fbr

(AWP)

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Erdogan erklärt Erzfeind Gülen Wirtschaftskrieg

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat weitere drastische Massnahmen gegen seinen Erzfeind Fethullah Gülen angekündigt. Er will ihm die Wirtschaftsverbindungen kappen.

Er werde türkischen Unternehmen alle Geschäftsbeziehungen zu Firmen untersagen lassen, die mit Gülen verbunden seien sowie deren Erlöse einkassieren, sagte Erdogan am Donnerstag vor Wirtschaftsvertretern in Ankara. Die Forderung des österreichischen Bundeskanzlers Christian Kern nach Beendigung der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei wurde in Ankara scharf kritisiert.

Erdogan gibt der Bewegung des einst mit ihm verbündeten islamischen Predigers Gülen und der von ihm inspirierten Bewegung die Schuld an dem versuchten Militärputsch Mitte Juli. Nach einer breiten Verhaftungswelle gegen mutmassliche Gülen-Anhänger in Armee, Verwaltung und dem Bildungssektor mit rund 60'000 Festnahmen will sich Erdogan nun offenbar die Wirtschaft vornehmen. Die von Gülen betriebenen Unternehmen, Schulen und Wohltätigkeitsorganisationen seien "Nester des Terrorismus", ein Krebsgeschwür, das sich überall ausgebreitet habe, sagte er. Die Gülen-Bewegung sei am stärksten in der Wirtschaft. Diese Verbindungen würden gekappt. Bei ihrer Zerschlagung werde es "keine Gnade geben".

Zentralbank soll Devisenreserven aufstocken

Erdogan wirft Gülen vor, über seine Unternehmen und Einrichtungen in der Türkei eine Parallelstruktur geschaffen zu haben, mit der er den Staat habe übernehmen wollen. Gülen, der in den USA im selbstgewählten Exil lebt, bestreitet die Vorwürfe Erdogans. Die Behörden hatten bereits vor dem Putschversuch eine Bank beschlagnahmt und mehrere Medienunternehmen geschlossen oder übernommen, die Verbindungen zu Gülen haben sollen. Mehrere Geschäftsleute wurden inhaftiert.

In seiner Rede forderte Erdogan die Zentralbank auf, ihre Reserven an ausländischen Devisen auf mindestens 165 Milliarden Dollar aufzustocken. Die Geschäftsbanken sollten zudem ihre Zinsen für Immobilienkredite auf rund 9 Prozent reduzieren. Der Staatschef hatte zuvor mehrfach bekräftigt, dass die Wirtschaft des Landes trotz des versuchten Militärputsches stark sei und bleibe. Die Rating-Agentur S&P hatte nach dem Putschversuch die Bonitätsstufe der Türkei um eine Stufe gesenkt und den Ausblick auf "negativ" gesetzt. Zudem stufte die Agentur das Land als Hochrisikoland ein. Damit ist es für die Türkei teurer geworden, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

EU gegen Österreichs Forderung

Österreichs Bundeskanzler Kern forderte angesichts der Entwicklung in der Türkei, die EU-Beitrittsverhandlungen zu beenden, die ohnehin nur eine "diplomatische Fiktion" seien. "Wir werden ein alternatives Konzept verlangen", sagte Kern im ORF-Fernsehen mit Blick auf den informellen EU-Gipfel am 16. September. Ein hoher EU-Offizieller bezeichnete Kerns Äusserungen als "zu früh" und Teil einer innenpolitischen Debatte in Österreich. Kern stehe unter massivem Druck der rechtspopulistischen FPÖ. "Die EU sollte die Verhandlungen mit der Türkei nicht beenden, aber wir müssen es tun, wenn die Türkei in eine Art semiautoritären Staat abgleitet", sagte er. Die deutsche Regierung verwies auf frühere Aussagen, wonach die Beitrittsverhandlungen ergebnisoffen geführt würden.

Die Regierung in Ankara reagierte dagegen scharf: "Es ist verstörend, dass seine Kommentare ähnlich wie die der Rechtsaussen klingen", sagte Europaminister Omer Celik am Donnerstag in Ankara in Anspielung auf die Positionen der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich.

(Reuters)

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Türkische Zentralbank senkt Zins zum sechsten Mal in Folge

Die türkische Zentralbank hat ihren Zins angesichts der schwächeren Konjunktur den sechsten Monat in Folge gesenkt. Der Satz für Übernachtkredite werde auf 8,50 von 8,75 Prozent zurückgenommen.

Das teilte die Notenbank am Dienstag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Schritt gerechnet, zumal Präsident Recep Tayyip Erdogan wiederholt billigeres Geld gefordert hat. Er will eine stärker konsumgetriebene Wirtschaft und appellierte nach dem fehlgeschlagenen Militärputsch an die Geschäftsbanken keine hohen Zinsen zu nehmen. Erdogan drohte mit Aktionen gegen diejenigen, "die den falschen Weg gehen".

Die Notenbank lockerte ihre Geldpolitik trotz der hohen Inflation. Die Teuerungsrate lag im Juli bei rund 8,8 Prozent, während die Währungshüter 7,5 Prozent anstreben. "Künftige geldpolitische Entscheidungen werden vom Inflationsausblick abhängen", erklärte sie. Normalerweise heben Notenbanken ihre Zinsen bei hoher Inflation an, um die Nachfrage und so den Preisauftrieb zu dämpfen. "Weitere Zinssenkungen sind denkbar", schrieben die Ökonomen vom Analysehaus Capital Economics. Der Zins dürfte bis Jahresende auf 8,00 Prozent nach unten genommen werden.

Investoren sind seit dem Putschversuch vom 15. Juli verunsichert - zumal der Staat schon fast 80.000 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst entfernt hat. Die Regierung rückte inzwischen von ihrem Wachstumsziel ab: "Wir können ein Wachstum von 4,5 Prozent in diesem Jahr nicht erreichen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Simsek kürzlich. Weniger Touristen nach mehreren Anschlägen, zunehmende Firmenpleiten und viele faule Kredite bei den Banken setzten dem lange boomenden Schwellenland ohnehin schon zu.

(Reuters)

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RATING: Moody's stuft Kreditwürdigkeit der Türkei herab
25.09.2016 14:20

ISTANBUL (awp international) - Die US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Als Begründung nannte sie am Freitagabend unter anderem das langsame Wirtschaftswachstum des Landes. Das Klima für Investitionen sei weiterhin schlecht.

Zudem bestehe ein erhöhtes Risiko, dass sich ausländisches Kapital zurückziehen könne und die Rücklagen des Landes schnell reduziert würden. Auch die Gefahr einer Zahlungsbilanzkrise habe sich erhöht. Besorgt sei Moody's zudem um die Stärke der türkischen Institutionen.

Mit ihrer Einschätzung folgt die Ratingagentur den Kollegen von Standard & Poor's (S&P), die die Türkei bereits nach dem Putschversuch im Juli heruntergestuft hatten. Die Agentur Fitch ist derzeit der einzige grössere Bonitätswächter, der die Türkei noch über dem Ramschniveau hält.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim kritisierte die Herabstufung. Die Regierung glaube nicht, dass solche Bewertungen der Ratingagenturen auf einer neutralen Grundlage beruhten, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Stattdessen gehe es darum, die türkische Wirtschaft in ein schlechtes Licht zu rücken.

Der für Wirtschaft zuständige Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek betonte bei Twitter: "Die Grundlagen der Türkei sind solide." Die beste Antwort an die Ratingagenturen sei es, Strukturreformen zu beschleunigen und Finanzdisziplin zu wahren.

Fitch bestätigte derweil die Top-Bewertung für Deutschlands Kreditwürdigkeit. Demnach behält die grösste Volkswirtschaft der Eurozone mit "AAA" die beste Bonitätsnote./cy/shg/gma/DP/jha

(AWP)

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Touristen bleiben der Türkei fern - Einbruch um 38 Prozent

Die unruhige Lage in der Türkei schreckt weiter Touristen ab. Im August seien mit 3,2 Millionen Besuchern etwa 38 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum gekommen.

Das erklärte das zuständige Ministerium am Donnerstag. Dies sei der vierte Monat in Folge mit einem Rückgang von mehr als 30 Prozent. Zentralbankchef Murat Cetinkaya hatte am Mittwoch den Einbruch bei den Touristenzahlen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums verantwortlich gemacht. Er geht jedoch davon aus, dass sie nur vorübergehend sein werde. Die Türkei wurde in den vergangenen Monaten von einem gescheiterten Putsch, mehreren Anschlägen und den Auswirkungen des Syrien-Krieges erschüttert.

(Reuters)

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Türkei rechnet nach gescheitertem Putsch mit geringerem Wachstum
04.10.2016 13:09

ISTANBUL (awp international) - Nach dem gescheiterten Putsch hat die türkische Regierung ihre Wirtschaftsprognose nach unten korrigiert. Sie rechnet für 2016 nur noch mit einem Wachstum von 3,2 Prozent, wie Ministerpräsident Binali Yildirim bei der Vorstellung des mittelfristigen Regierungsprogramms am Dienstag in Ankara erklärte. Im Januar hatte die Regierung für dieses Jahr noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent erwartet. Die Wachstumsprognose für 2017 korrigierte sie von 5 auf 4,4 Prozent herab.

Die Konjunkturzahlen lägen unter den Erwartungen der Regierung, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu den Regierungschef. Demnach plant die Regierungspartei AKP, das Wirtschaftswachstum zwischen 2017 und 2019 auf 5 Prozent anzuheben.

Bei den neuen Zahlen handelt es sich um die erste Wirtschaftsprognose der Regierung nach dem gescheiterten Putsch gegen Staatspräsident Recep Erdogan vom 15. Juli. Zuvor hatte der Sicherheitsrat eine Verlängerung empfohlen. Das Land erlebte in diesem Jahr mehrere schwere Terroranschläge, die unter anderem zu einem Einbruch des Tourismus führten.

Im vergangenen Monat hatte die US-Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Sie begründete diese Entscheidung mit dem langsamen Wirtschaftswachstum und dem schlechten Investitionsklima. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte ihre Einschätzung für die Türkei bereits im Juli gesenkt./cle/DP/stw

(AWP)

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Türkei schnallt den Gürtel enger

Angesichts der lahmenden Wirtschaft will die türkische Regierung den Gürtel enger schnallen.

Ministerpräsident Binali Yildirim kündigte am Donnerstag an, dass die öffentlichen Ausgaben im kommenden Jahr beschränkt würden. Gleichzeitig stellte er der Privatwirtschaft aber auch zusätzliche Kredite in Aussicht, um der Konjunktur so auf die Sprünge zu helfen.

"2017 wird es keine unnötigen Ausgaben geben", sagte Yildirim anlässlich der Vorstellung seiner Konjunkturpläne. "Keine neuen Gebäude, keine Auto-Käufe, keine unwichtigen Reisen der Regierung." Auch zusätzliche Staatsbedienstete würden nicht angeworben. Rund 60.000 neue Einstellungen, zumeist Polizisten und Lehrer, sind allerdings bereits beschlossen worden.

Es werde umgerechnet rund 66 Milliarden Euro an Krediten für Unternehmen geben, sagte Yildirim weiter. Außerdem seien Anreize für Investitionen in die Produktion sowie Steuererstattungen geplant.

Die türkische Wirtschaft steckt in der Krise. Im dritten Quartal wurde einer Reuters-Erhebung zufolge vermutlich ein Rückgang von 0,5 Prozent verzeichnet. Die Landeswährung Lira hat seit Jahresbeginn bis zu einem Fünftel an Wert verloren und sich im November so schlecht geschlagen wie seit der weltweiten Finanzkrise 2008 nicht mehr. Da die Türkei viele Waren und Rohstoffe importieren muss, werden die Einfuhren dadurch teurer und die Inflation angeheizt.

Präsident Recep Tayyip Erdogan macht für die Kursschwäche ausländische Devisenspekulanten verantwortlich. Er rief die Bürger deshalb mehrfach dazu auf, ausländische Devisen in Gold oder die Landeswährung Lira zu tauschen, um so die Lira zu stabilisieren. Er selbst habe dies bereits getan, sagte ein Sprecher. Das Verteidigungsministerium wechselte mehr als 262 Millionen Dollar und gut 31 Millionen Euro, die Post 172 Millionen Dollar. Die Türkei will zudem erlauben, den Handel mit China, Russland und Iran in lokalen Währungen abwickeln.

Experten sehen als Ursache für den Kursverfall der Lira unter anderem die Verunsicherung nach dem gescheiterten Militärputsch und das scharfe Vorgehen Erdogans gegen erklärte Gegner als Reaktion darauf. Zudem drückt die Aussicht auf steigende US-Zinsen und die Tourismusflaute nach den Bombenanschlägen auf die Währung.

(Reuters)

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Türkische Wirtschaft schrumpft erstmals seit 2009

Die türkische Wirtschaft ist im dritten Quartal erstmals seit dem Krisenjahr 2009 geschrumpft.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank binnen Jahresfrist um 1,8 Prozent, wie das Statistikamt am Montag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet. Nach dem Putschversuch im Juli halten sich Konsumenten und Investoren zurück. Ausserdem mieden viele Touristen das Land.

Dieser Trend dürfte sich nach den jüngsten Anschlägen vom Wochenende mit 44 Toten fortsetzen. Die Behörden haben als Reaktionen auf den gescheiterten Putsch Tausende Menschen verhaftet und aus dem Staatsdienst entfernt. Die Landeswährung Lira rutschte auf ein Rekordtief zum Dollar.

Die Wirtschaft werde künftig wieder wachsen, erklärte der Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Bülent Gedikli. Der BIP-Rückgang spiegele nicht das Potenzial wider. Der stellvertretende Regierungschef Mehmet Simsek begründete die Konjunkturschwäche im Sommer mit geopolitischen Spannungen und geringeren Kapitalflüssen in Schwellenländer, zu denen auch die Türkei gehört. Nach den Worten von Finanzminister Naci Agbal lag es auch am Putsch, weniger Tourismuseinnahmen und einer geringeren Auslandnachfrage.

Jüngste Zahlen für das laufende Schlussquartal signalisierten allerdings eine positive Entwicklung. Agbal sagte, Massnahmen der Regierung zum Ankurbeln der Wirtschaft, Strukturreformen und eine bessere globale Entwicklung dürften 2017 wieder für höheres Wachstum sorgen.

(Reuters)

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Verunsicherung treibt Türkei in Wirtschaftskrise

Anschläge, Kriegswirren im Nachbarland, Massenverhaftungen, diktatorisches Gehabe des Staatspräsidenten - in und um die Türkei regiert Verunsicherheit. Das Land wird zum Risikoland für Investoren.

Das zieht die Wirtschaft des Landes, das noch vor wenigen Jahren als einer der vielversprechendsten Boom-Märkte weltweit galt, immer tiefer nach unten. Den Beleg dafür lieferte das Statistikamt des Landes Mitte Dezember: Erstmals seit dem Krisenjahr 2009 ging die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2016 zurück. Dabei fiel die Schrumpfung mit 1,8 Prozent noch deutlich höher aus als von Experten vorausgesagt. Inzwischen, versichert das Wirtschaftsministerium, gehe es aber wieder aufwärts.

Dennoch: Die Türkei gilt mittlerweile bei Wirtschaftsexperten und Investoren als Risiko-Partner. Auch die Touristen, für das Land eine unverzichtbare Einnahmequelle, reagieren: In den ersten elf Monaten 2016 kamen nach amtlichen Zahlen mit gut 24 Millionen Reisenden knapp ein Drittel weniger Ausländer ins Land als im Vorjahr.

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer. Nachdem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Kollege Wladimir Putin ihren Streit nach dem Abschuss einer russischen Militärmaschine im Grenzgebiet zu Syrien beigelegt hatten, schnellte das Interesse von Russen am Reisziel Türkei wieder hoch. Das ist wichtig, waren die Russen doch vor nicht allzu langer Zeit mit rund viereinhalb Millionen Besuchern im Jahr die zweitgrösste Touristengruppe - hinter den Deutschen. Und bei denen zeichnet sich ebenso ein Minus ab: Reisten 2015 noch 5,6 Millionen Bundesbürger in die Türkei, waren es in den ersten elf Monaten 2016 nur 3,76 Millionen.

Investitionen: Die Risiken sind politische

"Die grössten Risiken für die türkische Wirtschaft sind derzeit politischer Natur", urteilt aktuell die deutsche Investitionsagentur GTAI. Dazu zählt auch der Streit mit dem wichtigsten Handelspartner, den EU-Ländern, über den Umgang mit der Opposition und Rechtstaatsfragen. Zu den Schwächen zählt zudem eine wenig effiziente, schwerfällige Bürokratie sowie die hohe Importabhängigkeit der Industrie und Probleme auf den regionalen Exportmärkten. Die künftige Entwicklung der türkischen Wirtschaft bleibt damit unsicher. Auf gut drei Prozent, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, veranschlagen internationale Experten das Wachstum für 2017. Die türkische Regierung hofft, schon im kommenden Jahr wieder bei fünf Prozent Zuwachs zu landen.

Für Deutschland hängt einiges am Geschäft mit der Türkei. Immerhin rangiert das Land mit einem Handelsvolumen von zuletzt rund 37 Milliarden Euro unter den Top-20 bei den deutschen Ex- wie den Importen. Inzwischen herrscht Pessimismus in der deutschen Wirtschaft, die mit rund 6500 Firmen in dem Land vertreten ist. "Die Erwartungen sind noch etwas schlechter als das aktuelle Geschäft ohnehin schon ist", sagt Volker Treier, Aussenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Es wird wirtschaftlich gesehen rumpeln in diesem Jahr." Der deutsche Export in das Land sei seit Mitte 2016 auf Abwärtskurs. Für 2017 erwartet er: "Es wird einen Rückgang geben bei den deutschen Exporten um mindestens fünf Prozent."

Viele Projekte auf Eis gelegt

Zahlreiche deutsche Unternehmen vor Ort haben die Signale auf Halt gestellt. "Vieles ist auf Eis gelegt", sagt Treier. Erweiterungsinvestitionen gebe es kaum noch. "Dabei ist die Türkei einer der zentralen Auslandsmärkte für den deutschen Mittelstand." Für die Türkei zählt Deutschland zu den Top-Adressen als Liefer- und Zielland für Waren.

Für die deutschen Investitionswerber der GTAI gilt aber im Grundsatz weiter: "Trotz der gegenwärtigen politischen Turbulenzen und vielfältigen Unsicherheiten bleibt die Türkei ein bedeutender Markt und Wirtschaftspartner für deutsche Unternehmen." Doch es brodelt. Die Stimmung bei Investoren und Konsumenten verschlechtert sich. Ein Investmentbanker klagte: "Es gibt dort viel staatliche Einflussnahme auf die Wirtschaft."

Dass die Türkei ihr ehrgeiziges Ziel erreicht, bis 2023 zu den weltweit zehn grössten Volkswirtschaften aufzusteigen, ist eher fraglich. Aktuell die grössten Sorgen bereitet der Regierung der drastische Kursverfall der heimischen Währung Lira. Präsident Erdogan hat schon an seine Landsleute appelliert, Fremdwährungen zu verkaufen, um den Wertverfall stoppen.

(Reuters)

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Staatliche Konjunkturhilfen

Staatliche Konjunkturhilfen schieben türkische Wirtschaft an

Die türkische Wirtschaft erholt sich nach Angaben der Regierung zusehends von dem Putschversuch vor einem Jahr. Dank der staatlichen Konjunkturstützen werde das angepeilte Plus beim Bruttoinlandprodukt von 4,4 Prozent in diesem Jahr wohl übertroffen, sagte Finanzminister Naci Agbai am Montag.

17.07.2017 13:48

Die jüngsten Daten seien ermutigend. Die Wirtschaft laufe wieder normal und der gescheiterte Umsturz vom 15. Juli 2016 habe keinen nachhaltigen Schaden hinterlassen. Die Wachstumshilfen der Regierung hätten zwar das Haushaltsdefizit in die Höhe getrieben. Aber die Arbeitslosigkeit sei auf dem Rückzug.

Die Erwerbslosenquote fiel zuletzt auf 10,5 Prozent von einem Sieben-Jahres-Hoch von 13 Prozent zu Jahresanfang. Sie liegt aber dennoch deutlich über den 9,5 Prozent vor einem Jahr. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt zudem weiter bei fast 20 Prozent.

Die Inflation soll nach dem Willen der Regierung am Jahresende wieder in den einstelligen Bereich fallen, nachdem die Teuerung im April mit 11,9 Prozent auf den höchsten Stand seit neun Jahren geklettert war.

Die türkische Wirtschaft war nach dem Putschversuch im dritten Quartal 2016 erstmals seit sieben Jahren geschrumpft. Die Regierung sorgte daraufhin für Impulse, die wieder zu Wachstum verhalfen.

(AWP)

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Zwei weitere Deutsche in der Türkei verhaftet

 

BERLIN (Dow Jones)--In der Türkei sind nach Angaben der Bundesregierung am Donnerstag zwei weitere Deutsche verhaftet worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes gab bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt, "dass am 31. August zwei weitere deutsche Staatsangehörige in der Türkei aufgrund politischer Vorwürfe verhaftet worden sind". Das Generalkonsulat in Izmir sei von nicht-staatlichen Stellen über die Festnahmen informiert worden, und die Flughafenpolizei in Antalya habe diese dann auf Anfrage des Konsulats bestätigt.

"Bestätigt wurde von dort auch die alleinige deutsche Staatsangehörigkeit der beiden Festgenommenen", sagte Aussenamtssprecherin Maria Adebahr. Nähere Angaben zu den Personen und den Umständen ihrer Verhaftung machte sie nicht. Die Vertretungen versuchten nun, einen Kontakt herzustellen und so schnell wie möglich eine konsularische Betreuung herzustellen. Derzeit sind den Angaben zufolge damit 55 deutsche Staatsangehörige in der Türkei inhaftiert, zwölf von ihnen aus politischen Gründen.

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Türkische Lira fällt Richtung neues Rekordtief

Höchste Inflation seit 2008

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs der türkischen Währung ist am Freitag nach neuen Inflationsdaten unter Druck geraten. Am Morgen musste für einen Euro zeitweise 4,4691 Lira gezahlt werden und damit fast so viel wie Mitte September, als die Lira auf ein Rekordtief gefallen war und bis zu 4,5211 Lira für einen Euro gezahlt werden mussten. Im Vormittagshandel erholte sich die türkische Währung wieder etwas. Sie wurde zuletzt bei 4,4591 Lira für einen Euro und 3,8276 Lira für einen Dollar gehandelt.

Als Ursache für die Kursverluste zum Wochenschluss gelten neue Daten zur Preisentwicklung in der Türkei. Im Oktober lag die Inflation bei 11,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2008. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten nur mit einer Teuerung von 11,5 Prozent gerechnet./jkr/bgf/jha/

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Erdogan setzt auf EU-Beitritt

Erdogan setzt auf EU-Beitritt - keine Lösungen bei EU-Türkei-Gipfel

Nach dem EU-Spitzentreffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bleibt die EU-Perspektive des umstrittenen Beitrittskandidaten Türkei ungewiss. In zentralen Konfliktpunkten erzielten beide Seiten beim Gipfel am Montagabend im bulgarischen Schwarzmeerort Warna keine Annäherung. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sicherte Erdogan aber zu, dass er sich weiterhin gegen einen Abbruch der EU-Beitrittsgespräche einsetzen werde. Um Fortschritte bei dem Thema zu erreichen, müsse die Türkei allerdings ihre Beziehungen zu Griechenland und zu Zypern verbessern.

27.03.2018 06:33

Erdogan unterstrich, Ziel der Türkei bleibe die EU-Mitgliedschaft. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach dem gut zweieinhalbstündigen Spitzentreffen: "Wenn Sie mich fragen, ob wir Lösungen oder Kompromisse erzielt haben, lautet meine Antwort: Nein." Die EU sei weiter besorgt über die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei. "Was ich sagen kann, dass ich alle unsere Bedenken geäussert habe. Die Liste war lang."

Erdogan betonte dagegen: "Die Türkei ist ein demokratischer Rechtsstaat, der Menschenrechte und Grundrechte und Freiheiten respektiert." Er zeigte sich trotz aller Probleme optimistisch, dass sich das seit mehr als eineinhalb Jahren extrem angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und der EU wieder verbessern könnte. "Wir hoffen, dass wir in den Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union die schwierige Zeit hinter uns gelassen haben."

Erdogan sagte, seit dem Assoziierungsabkommen von 1963 bemühe sich die Türkei um eine Aufnahme in die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und heutige EU. Sein Land strebe weiterhin eine EU-Vollmitgliedschaft an. "Es wäre ein schwerer Fehler, wenn Europa, das behauptet, eine globale Kraft zu sein, die Türkei von ihrer Erweiterungspolitik ausschliesst." Er fügte hinzu: "Die Türkei und die Europäische Union sind seit langem strategische Partner." Unmittelbar vor dem Gipfel hatte Erdogan von der EU gefordert, den eingefrorenen Beitrittsprozess wiederzubeleben.

Der langjährige EU-Kommissar Günter Verheugen warf der EU schwere Fehler im Umgang mit der Türkei vor. Verheugen sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag), man könne die innenpolitische Entwicklung der Türkei nicht gutheissen. "Aber das ist auch eine Folge des Versagens der EU, die viele Möglichkeiten ungenutzt gelassen hat, um die weiteren rechtsstaatlichen Reformen des Landes zu unterstützen."

Tusk kritisierte die Inhaftierung von EU-Bürgern in der Türkei und die türkische Blockade von Erdgasbohrungen vor Zypern. Auch die Sorge über die türkische Offensive in Syrien habe man zum Ausdruck gebracht. Juncker sagte der ARD nach dem Gipfel, man habe Erdogan deutlich gemacht, dass die Türkei sich bei solchen Operationen ausserhalb ihrer Grenzen an internationales Recht und an Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates zu halten habe. "Er hat das zur Kenntnis genommen."

Erdogan betonte, die Türkei werden ihren Kampf gegen den Terrorismus im Land ebenso wie ausserhalb ihrer Grenzen fortsetzen. Ausdrücklich nannte er dabei die umstrittene türkische Offensive im nordsyrischen Afrin gegen die Kurdenmiliz YPG.

Erdogan sprach sich dafür aus, die von Ankara angestrebte Modernisierung der Zollunion mit der EU schnell anzugehen und dabei politische Aspekte aussen vor zu lassen. Er verwies darauf, dass seine Regierung der EU im Februar Vorschläge unterbreitet habe, wie die Türkei die noch offenen Bedingungen zur Visaliberalisierung erfüllen könnte. Die Visaliberalisierung müsse nun schnell umgesetzt werden. Juncker sagte, die türkischen Vorschläge würden genauestens geprüft.

Der türkische Präsident forderte ausserdem die Unterstützung der EU beim Kampf gegen den Terrorismus. Zum Streit um die türkische Blockade von Erdgasbohrungen in Zypern sagte er, die Interessen der türkischen Zyprioten müssten berücksichtigt werden.

Die EU sicherte Erdogan zu, wie versprochen weitere drei Milliarden Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Türkei bereitzustellen. "Es sollte keinen Zweifel geben, dass die EU ihren Zusagen nachkommen wird", sagte Juncker./cy/aha/lsy/el/DP/stk

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Erdogan ruft Landsleute zum Umtausch auf

Der türkische Präsident Erdoğan hat seine Landsleute dazu aufgerufen, ihre Dollar- und Euroersparnisse in Lira umzutauschen. Die Währung hat seit Jahresbeginn um 20 Prozent gegenüber Euro und Dollar verloren.

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Türkische Wirtschaft im

Türkische Wirtschaft im ersten Quartal um 7,4 Prozent gewachsen

Die türkische Wirtschaft hat im ersten Quartal stark zugelegt und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in dessen Wahlkampf damit Auftrieb gegeben. Das türkische Statistikamt teilte am Montag mit, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Monaten des Jahres um 7,4 Prozent gewachsen. Damit setzte die Wirtschaft des Schwellenlandes das Wachstum des vergangenen Jahres fort.

11.06.2018 11:08

Erdogan teilte auf Twitter mit, mit dem Wert aus dem ersten Quartal liege die Türkei unter den OECD-Staaten auf dem ersten und unter den G20-Staaten auf dem zweiten Rang. Weiterhin gehöre die Türkei zu den Volkswirtschaften, die am stärksten zulegten - "trotz aller wirtschaftlichen Angriffe und der Spiele, die gespielt werden".

Der starke Wertverlust der Lira und die hohe Inflation von zuletzt über 12 Prozent haben Erdogans Regierung vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 24. Juni unter Druck gesetzt. Erdogan sieht hinter der Entwicklung eine westliche Verschwörung. Die Opposition macht dagegen eine verfehlte Wirtschaftspolitik verantwortlich./cy/DP/zb

(AWP)

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Erdogan hat Präsidentenwahl

Erdogan hat Präsidentenwahl gewonnen

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die von Manipulationsvorwürfen der Opposition überschattete Präsidentenwahl in der Türkei nach Angaben der Wahlkommission in der ersten Runde gewonnen.

25.06.2018 06:31

Er wird damit künftig Staats- und Regierungschef und mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. Das Amt des Ministerpräsidenten wird abgeschafft. Das von Erdogans AKP angeführte Parteienbündnis errang der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge bei der Parlamentswahl am Sonntag ausserdem die absolute Mehrheit der Sitze in der Nationalversammlung.

Mit den Wahlen wurde die Einführung des von Erdogan angestrebten Präsidialsystems abgeschlossen. Die Opposition hatte für den Fall eines Erdogan-Sieges vor einer "Ein-Mann-Herrschaft" gewarnt.

"Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Herr Recep Tayyip Erdogan die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten hat", sagte Kommissionschef Sadi Güven nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Montag in Ankara. Rund 97,7 Prozent der Stimmen seien in das System der Kommission eingegeben worden. "Die Zahl der Stimmen, die noch nicht vom System erfasst wurden, werden das Ergebnis nicht beeinflussen."

Ein glücklicher Erdogan

Erdogan sagte bei seiner Siegesrede am frühen Montagmorgen in Ankara, es habe sich um Wahlen gehandelt, "die das künftige halbe Jahrhundert, die das Jahrhundert unseres Landes prägen werden". Der bisherige und künftige Präsident sagte auf dem Balkon des AKP-Hauptquartiers vor jubelnden Anhängern: "Meine Brüder, die Sieger dieser Wahl sind die Demokratie, der Wille des Volkes und das Volk höchstpersönlich. Der Sieger dieser Wahl ist jeder einzelne unserer 81 Millionen Bürger."

Erdogan selber hatte sich schon zum Sieger der Wahl erklärt, als die Auszählung der Stimmen noch lief. "Die inoffiziellen Ergebnisse stehen fest", sagte er am Sonntagabend in Istanbul. "Demnach hat unser Volk meiner Person den Auftrag der Präsidentschaft und der Regierung gegeben." Bei der Parlamentswahl hätten die Wähler ausserdem dem von seiner AKP geführten Parteienbündnis die absolute Mehrheit im Parlament verschafft.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen bei der Präsidentenwahl komme Erdogan auf 52,55 Prozent. Der Kandidat der grössten Oppositionspartei CHP, Muharrem Ince, landete demnach mit 30,67 Prozent auf Platz zwei. Auch die "Plattform für faire Wahlen" aus Wahlbeobachtern der Opposition sah Erdogan nach Auszählung von mehr als 96 Prozent der Stimmen bei 52,56 Prozent. Ince kam dort auf 31,34 Prozent. Ince wollte sich erst am Montagmittag zum Ausgang der Wahl äussern.

Manipulationsvorwürfe wurden erhoben

Die CHP rief ihre Anhänger dazu auf, Ruhe zu bewahren. Wie auch immer das Endergebnis ausfalle, das Volk solle sich "nicht provozieren lassen", sagte CHP-Sprecher Bülent Tezcan. Die CHP werde die Situation beobachten, bis die Wahlkommission sich geäussert habe. Die Opposition hatte bei der Stimmenauszählung Manipulationsvorwürfe erhoben. Vereinzelt kam es zu Protesten von Anhängern der Opposition.

Bei der Parlamentswahl kommt das von Erdogans AKP geführte Parteienbündnis nach Anadolu-Angaben auf deutlich mehr als 340 der 600 Sitze. Anadolu zufolge lag die Wahlbeteiligung in der Türkei bei gut 88 Prozent. Wahlbeobachter meldeten Unregelmässigkeiten bei der Abstimmung am Sonntag. Erdogan sprach dagegen von einem "Fest der Demokratie". Knapp 60 Millionen Türken waren zur Wahl aufgerufen, mehr als drei Millionen davon leben im Ausland.

Bei der Wahl in Deutschland erzielte Erdogan ein deutlich besseres Ergebnis als zu Hause. Nach Auszählung von 78,6 Prozent der Stimmen in Deutschland lag er mit 65,7 Prozent weit vor Ince mit 21,5 Prozent. Erdogan hatte auch schon bei früheren Abstimmungen deutlich mehr Rückhalt bei den Türken in Deutschland als bei denen zu Hause. Bei der Parlamentswahl im November 2015 kam seine AKP in Deutschland auf 59,7 Prozent. Beim Referendum über Erdogans Verfassungsreform stimmten 63,1 Prozent mit Ja. Das oppositionelle Lager der Reformgegner kam in Deutschland damals nur auf 36,9 Prozent.

Die Einführung des Präsidialsystems ist Erdogans wichtigstes politisches Projekt. Die Opposition hatte die Rückkehr zum parlamentarischen System versprochen und wollte ausserdem den Ausnahmezustand aufheben. Das hatte Erdogan dann im Wahlkampf für den Fall seiner Wiederwahl auch zugesagt.

Unregelmässigkeiten und Festnahmen

Bei der Präsidentenwahl lagen der inhaftierte Kandidat der pro-kurdischen HDP, Selahattin Demirtas, und Meral Aksener von der national-konservativen Iyi-Partei mit gut acht beziehungsweise gut sieben Prozent in etwa gleichauf. Zwei weitere Kandidaten spielten keine Rolle.

Ince hatte vor Schliessung der Wahllokale auf Twitter geschrieben: "Was sie auch tun, sie werden verlieren. Die Zeiten, in denen mit Betrug und Schwindeleien Wahlen gewonnen wurden, sind nun vorbei. (...) Ich werde Eure Stimmen mit meinem Leben verteidigen, wir werden es schaffen." Erdogan unterstrich nach der Abgabe seiner Stimme in Istanbul die Bedeutung der Wahlen. "Im Moment durchlebt die Türkei mit dieser Wahl regelrecht eine demokratische Revolution", sagte er.

Drei Deutsche, die auf Einladung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP die Wahl beobachten wollten, wurden bei der Wahl festgenommen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden die beiden Männer aus Köln und die Frau aus Halle in Sachsen-Anhalt in Uludere in der südosttürkischen Provinz Sirnak von der Polizei festgenommen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Festnahme.

Wahlbeobachter meldeten besonders aus dem Südosten der Türkei Unregelmässigkeiten. Bei Auseinandersetzungen während der Wahlen wurde ein Oppositionspolitiker getötet. Dabei handele es sich um den Bezirksvorsteher der national-konservativen Iyi-Partei in der osttürkischen Provinz Erzurum, wie die Oppositionspartei mitteilte. Die Nachrichtenagentur DHA sprach von einer weiteren getöteten Person. Es habe sich um eine Fehde zwischen zwei Familien gehandelt.

(AWP)

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EU beschliesst harten Kurs

EU beschliesst harten Kurs gegen Türkei - Kein Ausbau der Zollunion

Zwei Tage nach der Wiederwahl des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben die EU-Staaten offiziell beschlossen, mit dem Land vorerst keine Verhandlungen über den Ausbau der Zollunion aufzunehmen. Die Türkei habe sich zuletzt weiter von der Europäischen Union wegbewegt, heisst es in einer am Dienstagabend bei einem Ministertreffen in Luxemburg verabschiedeten Erklärung.

27.06.2018 06:33

Vor allem die anhaltenden Rückschritte bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit seien zutiefst besorgniserregend. Das Vorgehen gegen Journalisten, Akademiker, Menschenrechtler, Oppositionspolitiker und Nutzer sozialer Medien könne nicht geduldet werden.

Erdogan hatte am Sonntag die Präsidentenwahlen nach inoffiziellen Ergebnissen mit 52,59 Prozent der Stimmen gewonnen. In den Parlamentswahlen, die gleichzeitig stattfanden, wurde die Allianz von Erdogans AKP und der ultranationalistischen MHP stärkste Kraft. Internationale Wahlbeobachter kritisierten, die Kandidaten hätten bei den Wahlen nicht dieselben Chancen gehabt.

Forderungen Österreichs nach einer offiziellen Beendigung der EU-Beitrittsverhandlungen fanden trotz der aktuellen Situation keine Mehrheit. In der Erklärung vom Dienstagabend wird deswegen nur noch einmal deutlich gemacht, dass nur nach grundlegenden Änderungen Fortschritte erzielt werden können. Die Verhandlungen seien praktisch zum Stillstand gekommen, heisst es.

Als ein Grund für das Festhalten am EU-Kandidatenstatus der Türkei gilt die Migrationskrise. Der Entzug des Status könnte aus Sicht vieler Staaten den Flüchtlingspakt mit dem Land gefährden. Er gilt als ein Grund dafür, dass derzeit deutlich weniger Migranten nach Europa kommen als noch 2015.

Der Pakt sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Im Gegenzug nehmen EU-Staaten der Türkei schutzbedürftige Flüchtlinge aus Syrien ab und finanzieren Hilfen für in der Türkei lebende Flüchtlinge. Das Land hat bislang insgesamt knapp 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jedoch bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass sie in der derzeitigen Lage kein Mandat für Verhandlungen über den Ausbau der Zollunion erteilen wolle. Eine offizielle gemeinsame Positionierung der EU-Staaten gab es dazu aber bisher nicht.

Wie die Türkei auf die EU-Erklärung und das offizielle Nein zu Gesprächen über die lange geplante Vertiefung der seit 1995 existierenden Zollunion reagieren wird, war zunächst unklar. Der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen der EU war bislang immer eines der Kernanliegen der Regierung in Ankara gewesen./aha/DP/he

(AWP)

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Türkische Notenbank

Türkische Notenbank verzichtet auf Zinsanhebung

Die türkische Notenbank sieht trotz einer Rekordschwäche der Landeswährung Lira und einer galoppierenden Inflation überraschend von einer weiteren Leitzinsanhebung ab.

24.07.2018 13:35

Der Zins für einwöchiges Notenbankgeld bleibe unverändert bei 17,75 Prozent, teilte die Zentralbank am Dienstag in Ankara mit. Die meisten Experten hatten indessen mit einer Anhebung gerechnet. Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist jedoch ein Gegner hoher Zinsen - und hat die Notenbank unter seine Fittiche genommen.

Der türkische Finanzmarkt geriet in Reaktion auf die Entscheidung stark unter Druck. Die Lira verlor sowohl zum Dollar als auch zum Euro jeweils über 3 Prozent an Wert. Am Anleihemarkt legen die Renditen zu und an der Aktienbörse sind die Kurse deutlich unter Druck.

Zuletzt hatte die Notenbank im Juni den Leitzins angehoben, nachdem sie im Mai ihre Geldpolitik grundlegend umgestellt hatte. Seither gilt in der Türkei nicht mehr der sogenannte Spätausleihungssatz, sondern der Hauptzinssatz für einwöchiges Zentralbankgeld als Schlüsselzins.

Galoppierende Inflation

Ökonomen zufolge sind Zinsanhebungen in der Türkei eigentlich unbedingt nötig, um gegen die Rekordschwäche der Lira sowie gegen die galoppierende Inflation anzukämpfen, die mit über 15 Prozent derzeit so hoch ist wie seit fast 15 Jahren nicht. Dennoch ist Erdogan strikt gegen hohe Zinsen, weil er einen Dämpfer für die Wirtschaft fürchtet.

Insofern kann die ausgebliebene Zinsanhebung als ein Einknicken vor dem Staatschef interpretiert werden. Erst vor zwei Wochen hatte Erdogan seinen Einfluss auf die Geldpolitik durch ein Dekret verstärkt, das ihn künftig zur Ernennung des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Zentralbank ermächtigt. Ausserdem wird die Amtszeit der beiden Spitzennotenbanker des Landes von bisher fünf auf nur noch vier Jahre verkürzt.

(AWP)

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Elias
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Türkei fühlt die Schwerkraft

Die türkische Lira ist diese Woche in ein gewohntes Verhaltensmuster verfallen: Sie hat sich auf ein neues Allzeittief abgewertet. Für einen Dollar kann man nun mehr als fünf Lira kaufen. Seit Anfang Jahr hat die türkische Währung mehr als ein Viertel an Aussenwert verloren. Die USA hatte am Mittwoch Sanktionen gegen zwei türkische Minister ausgesprochen. Grund ist, dass Ankara einer Forderung Washingtons nicht nachkommt, einen amerikanischen Pfarrer aus der Haft zu entlassen.

Für die Wirtschaft der Türkei ist die schwache Währung Gift: Die Inflation steigt durch wachsende Einfuhrpreise. Im Juli ist die Jahresteuerung auf 16% gestiegen. Die Unternehmen haben grosse Verbindlichkeiten in Fremdwährungen: Die Abwertung sorgt daher für eine höhere Schuldenlast und wachsenden Zinsaufwand.

Krisengefahr wächst

Das Risiko einer Krise im Finanzsystem wächst. Eigentlich müsste die Zentralbank die Zinsen deutlich erhöhen, um die Währung zu stabilisieren. Doch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, nach der Verfassungsänderung und seiner Neuwahl im Juni so mächtig wie nie, setzt auf eine lockere Geldpolitik. Die Absturzhöhe der Wirtschaft wächst damit immer weiter.

Gegen die Abwertung fallen Erdogan nur beschwörende Reden an die Türken ein, die Landeswährung aus Patriotismus nicht umzutauschen, dazu wilde Theorien, dass die «internationale Zinsmafia» sich gegen das Land verschworen habe. Die Hoffnung von Anlegern, dass sich der Präsident nach seinem Wahlsieg auf einen gemässigteren Kurs besinnen wird, hat sich schnell verflüchtigt. Die letzten vernünftigen Stimmen in der Regierung wurden hinausgedrängt.

Das alte Rezept versagt

Das bisherige Rezept funktioniert immer weniger: das Wachstumspotenzial zu überreizen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Löhne zum Steigen zu bringen – und dafür Inflation und eine abwertende Währung in Kauf zu nehmen. Die Probleme sind hausgemacht, doch sie treten wegen der Lage auf den internationalen Finanzmärkten nun erst richtig zu Tage. Durch höhere US-Zinsen wird Kapital wählerischer und für die Schwellenländer insgesamt etwas knapper. Am Ende wird die Türkei jedoch die Schwerkraft wirtschaftlicher Gesetzmässigkeit fühlen. Im Kampf Erdogans gegen ökonomische Prinzipien wird er unweigerlich den Kürzeren ziehen.

Je mehr die Bevölkerung erkennt, wohin die Wirtschaft steuert, in umso grössere Gefahr gerät Erdogans Machtbasis. Da  kommt die Eskalation des Streits mit den USA vielleicht gar nicht ungelegen. Natürlich sind Sanktionen schmerzhaft, die Abwertung kann von Ankara nicht erwünscht sein. Erdogan hat jedoch nun einen Sündenbock, auf den er verweisen kann. Es ist ein regelmässig angewendetes Konzept populistischer Politiker, über aussenpolitische Krisen von inneren Problemen abzulenken. Erdogan bietet also nun eine Performance für sein Wahlvolk. Ein ähnlich gestimmter Populist wie US-Präsident Donald Trump ist dafür der ideale Bühnenpartner.

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

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Erdogan beschwört Gott

Erdogan beschwört Gott angesichts des Lira-Verfalls

Angesichts des anhaltenden Verfalls der heimischen Währung Lira versucht der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, seine Landsleute zu beruhigen. Gott sei bei ihnen, sagte er während einer Rede in seinem Heimatbezirk Rize in der späten Nacht auf Freitag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

10.08.2018 11:30

Gegenüber dem Euro hat die Lira seit Januar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Zuletzt reagierten Investoren verunsichert wegen des eskalierenden Streits zwischen den USA und der Türkei um die Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei.

"Sorgt euch nicht", sagte Erdogan. Derzeit seien "Kampagnen" gegen die Türkei im Gange. "Beachtet sie nicht." Es gehe dem Land "heute besser als gestern" - und am nächsten Tag werde es sogar noch besser. "Vergesst nicht: Wenn sie (die USA) Dollar haben, dann haben wir unseren Gott."

Stunden nach der Rede stürzte die Lira weiter ab - auf einen neuen Tiefstand. Am Morgen kam es im Handel mit dem US-Dollar zeitweise zu einem Einbruch um 13,5 Prozent. Auch im Handel mit dem Euro ging es rasant abwärts. Erstmals wurden mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt. Zu Beginn des Jahres waren es nur 4,50 Lira.

Am Freitagnachmittag will Erdogans Schwiegersohn, der türkische Finanzminister Berat Albayrak, ein "neues Wirtschaftsmodell" für die Türkei vorstellen./erg/DP/jha

(AWP)

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Trump verdoppelt Strafzölle

Trump verdoppelt Strafzölle gegen Türkei

Mitten im dramatischen Kurssturz der türkischen Lira heizt der US-Präsident die Krise weiter an. Er kündigt eine Verdoppelung von US-Strafzöllen an.

http://www.20min.ch/ausland/news/story/Trump-verdoppelt-Strafzoelle-gegen-Tuerkei-31456465

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Türkische Zentralbank stemmt

Türkische Zentralbank stemmt sich gegen Lira-Verfall

Die türkische Zentralbank hat am Montagmorgen Massnahmen gegen den rapiden Verfall der Landeswährung Lira ergriffen. Wie die Notenbank in Ankara mitteilte, wurden die Reserve-Anforderungen an bestimmte Währungsgeschäfte verringert. Zudem wurden den heimischen Banken zusätzliche Refinanzierungsgeschäfte angeboten. Die Geldhäuser können sich zudem zusätzliche Mittel in Fremdwährung leihen.

13.08.2018 07:44

Die Schritte dürften darauf abzielen, die Marktliquidität zu erhöhen. Die Notenbank teilte mit, die Märkte genau zu beobachten. Es würden alle Schritte ergriffen, um die Finanzstabilität zu sichern./bgf/fba

(AWP)

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So will die türkische

So will die türkische Regierung die Märkte beruhigen

Die türkische Regierung will die Finanzmärkte mit einem Aktionsplan für seine Wirtschaft beruhigen. Damit will sie vor allem den extremen Kursverfall der türkischen Lira stoppen.

13.08.2018 07:01

"Von Montagmorgen an werden unsere Institutionen die notwendigen Schritte unternehmen und dies den Märkten mitteilen", sagte Finanzminister Berat Albayrak in einem Interview mit der Zeitung "Hürriyet".

Die Bankenaufsicht teilte zudem in der Nacht zu Montag mit, die Swapgeschäfte der Banken mit ausländischen Investoren würden auf 50 Prozent ihres Eigenkapitals begrenzt. Das gelte auch für das Spot- und Termingeschäft. Im fernöstlichen Devisenhandel wurde sie am Montagmorgen mit 6,9850 zum Dollar gehandelt, nachdem sie am Freitag das Rekordtief von 7,24 zum Dollar erreicht hatte.

Finanzminister Albayrak, der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan, sagte der "Hürriyet", der Aktionsplan für Banken und Realwirtschaft sowie die einzelnen Massnahmen seien vorbereitet und fertig. Sie richteten sich auch an kleine und mittlere Unternehmen, die von Währungsschwankungen am stärksten betroffen seien. Zu Details des Plans sagte Albayrak nichts. Die Schwäche der Lira nannte er aber einen Angriff.

Eine Währungsverschwörung?

Ähnlich hatte sich bereits Erdogan zuvor geäussert. Am Wochenende bezeichnete er den Kursverfall der Lira als "Raketen" in einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land. Der Weg aus der "Währungsverschwörung" bestehe darin, die Produktion zu steigern und die Zinsen zu senken. Erdogan hat sich selbst wiederholt als "Gegner der Zinsen" bezeichnet und angekündigt, eine grössere Kontrolle über die Geldpolitik auszuüben.

Er will, dass die Banken billige Kredite vergeben und so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Anleger befürchten jedoch, dass es zu einer Überhitzung kommen könnte. Der Präsident hat auch mehrfach seine Landsleute aufgerufen, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen.

Am Sonntag bestritt Erdogan in einer Rede vor Anhängern in Trabzon am Schwarzen Meer, dass die Türkei in einer Finanzkrise wie der in Asien von zwei Jahrzehnten stecke. Der Verfall der Lira sei das Ergebnis eines Komplotts und spiegele nicht die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes wider. "Was ist der Grund für diesen Sturm im Wasserglas? Es gibt keinen wirtschaftlichen Grund dafür", sagte Erdogan. "Das ist das, was man eine Operation gegen die Türkei nennt."

Lira im freien Fall

Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als 45 Prozent ihres Wertes verloren. Allein am Freitag hatte sie 18 Prozent eingebüsst und war auf ein Rekordtief von 7,24 zum Dollar gefallen. Es war der grösste Verlust an einem einzigen Tag seit dem Jahr 2001. Ein wesentlicher Grund dafür sind Befürchtungen, Erdogan, der seit einer Verfassungsänderung mit grosser Machtfülle ausgestattet ist, könnte sich massiv in die Wirtschaft und die Währungspolitik einmischen. So wächst die Besorgnis, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verliert. Zudem liegt Erdogan mit dem Nato-Partner USA bei mehreren Themen über Kreuz, darunter die unterschiedlichen Interessen im Syrien-Konflikt.

Hinzugekommen ist der Streit wegen des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson. Türkische Ermittler werfen ihm Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steckt.

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump eine Verdoppelung der Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet. Erdogan drohte daraufhin mit einer wirtschaftlichen und politischen Abkehr vom Westen und kündigt eine stärkere Hinwendung zu Russland, China und der Ukraine an. Die Türkei habe Alternativen, schrieb Erdogan in einem Meinungsartikel in der "New York Times" vom Wochenende. Wenn die USA die Souveränität der Türkei nicht respektierten, könne die Partnerschaft in Gefahr geraten. Dann könne es für die Türkei nötig werden, sich "nach neuen Freunden und Verbündeten umzuschauen".

(SDA)

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Neue US-Strafzölle auf

Neue US-Strafzölle auf türkischen Stahl in Kraft - Lira unter Druck

(Ausführliche Fassung) - Im Streit zwischen Washington und Ankara sind am Montagmorgen drastisch erhöhte US-Strafzölle in Kraft getreten. Seit 0.01 Uhr (US-Ostküstenzeit/6.01 MESZ) wird Stahl aus der Türkei mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt, wie das Weisse Haus zuvor verkündet hatte. US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung am Freitag angeordnet.

13.08.2018 06:53

Die Türkische Lira geriet zu Wochenbeginn weiter stark unter Druck. Im asiatischen Handel sank der Wert der türkischen Währung am Montag im Vergleich zum Euro und zum US-Dollar zeitweise erneut zweistellig. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Damit setzte sich der drastische Kursverfall seit Jahresbeginn fort.

Am Wochenende hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Ton in dem Streit der beiden Nato-Partner stark verschärft. Am Wochenende sprach er in mehreren kämpferischen Reden von "Kampagnen" gegen die Türkei und griff die USA erneut heftig an.

Er forderte zudem einheimischen Unternehmen dazu auf, sich von der erschwerten Wirtschaftslage nicht beeinflussen zu lassen. Es sei nicht nur die Pflicht der Regierung, die Nation am Leben zu erhalten - "es ist auch die Pflicht der Industriellen und der Händler", sagte Erdogan am Sonntagabend. Er warnte die Firmen davor, Bankrott anzumelden: "Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!" Erdogan verlangte ausserdem, dass die türkischen Industriellen keine Fremdwährungen ankaufen sollten - dies könnte die türkischen Banken noch mehr unter Druck setzen.

In einem Tweet hatte Trump am Freitag auch angekündigt, die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei auf 20 Prozent zu verdoppeln. Für die neuen Abgaben wurde noch kein Datum genannt. Trump hatte ausdrücklich auf die schlechten Beziehungen zu dem Nato-Partner und auf den Absturz der Türkischen Lira verwiesen, den er mit seiner Ankündigung weiter beschleunigte.

Im Zentrum des Streits stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land im vergangenen Jahr Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro) in die USA - das habe einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprochen./cy/DP/jha

(AWP)

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Türkischer Aussenminister

Türkischer Aussenminister signalisiert Gesprächsbereitschaft mit USA

Nach weiteren starken Verlusten der Lira und verschlechterten Beziehungen zwischen den USA und der Türkei hat sich Aussenminister Mevlüt Cavusoglu offen für Gespräche gezeigt. Die Türkei sei an einem Konsens interessiert und offen gegenüber diplomatischen Initiativen, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Aufzwingen lasse sie sich aber nichts. "Wir erwarten, dass die USA unserer traditionellen Freundschaft und unserer Nato-Allianz treu bleibt", meinte Cavusoglu.

13.08.2018 12:03

Vor dem Wochenende war der Streit zwischen den USA und der Türkei über einen amerikanischen Pastor eskaliert, der in der Türkei wegen Terrorvorwürfen festgehalten wird. Am Freitag hatte Präsident Donald Trump verkündet, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei zu verdoppeln. Die Landeswährung Lira brach daraufhin ein.

Weitere Kursverluste gab es nach Reden von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der am Wochenende den Ton zwischen den beiden Nato-Partnern stark verschärft hatte. Er sprach von "Kampagnen" gegen die Türkei und einem "Wirtschaftskrieg" und warf den USA Respektlosigkeit vor. Er drohte ferner damit, dass die Türkei sich neue Freunde und Allianzen suchen werde.

Im asiatischen Handel war der Wert der Lira am Montag zeitweise erneut zweistellig gefallen. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Später erholte sich der Kurs etwas. Die türkische Zentralbank reagierte am Morgen mit Notfallmassnahmen./rcf/DP/fba

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USA wollen harten Kurs gegen

USA wollen harten Kurs gegen Türkei fortsetzen

Die USA wollen an ihrem harten Kurs gegen die Türkei trotz der Gegenmassnahmen Ankaras festhalten.

16.08.2018 07:00

Vizepräsident Mike Pence erklärte am Mittwoch (Ortszeit), die Türkei sei gut beraten, US-Präsident Donald Trump und seine Entschlossenheit, US-Bürger nach Hause zu holen, nicht auszutesten. Er und Trump würden nicht lockerlassen, bis der in der Türkei in Hausarrest sitzende US-Pastor Andrew Brunson bei seiner Familie in den USA sei, schrieb der Vizepräsident auf Twitter. An Brunson hatte sich der Streit zwischen den beiden Nato-Partnern entzündet. Zunächst hatten die USA Sanktionen und Strafzölle erhoben, um Brunson frei zu bekommen. Daraufhin erhöhte die Türkei am Mittwoch die Einfuhrzölle auf zahlreiche US-Produkte.

Während der Konflikt mit den USA festgefahren scheint, gibt es in einem anderen Fall Bewegung: Ein Istanbuler Gericht ordnete überraschend die Entlassung von Taner Kilic, Ehrenvorsitzender der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, aus der Untersuchungshaft an. Kilic wurde vor mehr als einem Jahr wegen Terrorvorwürfen inhaftiert. Amnesty begrüsste die Freilassung und forderte die Türkei auf, die Verfahren gegen Kilic und zehn weitere Menschenrechtler einzustellen.

Im vergangenen Jahr war das deutsch-türkische Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei zerrüttet gewesen. Noch immer sitzen nach offiziellen Angaben sieben Deutsche aus "politischen Gründen" in Haft. Darunter ist der 73-jährige Enver Altayli, der vor einem Jahr inhaftiert wurde. Seine Tochter Zehra Der sagte der dpa, ihrem Vater gehe es schlecht. Er sitze weiter im Hochsicherheitsgefängnis in Ankara in Einzelhaft und er habe unter anderem Schilddrüsen- und Magenprobleme. Die Tochter hoffe, dass Berlin weiter Druck ausübe.

Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich unter Hausarrest gestellt. US-Präsident Donald Trump hat mehrfach die umgehende Freilassung des Pastors gefordert. Anfang August war Trumps Geduld dann am Ende: Die USA verhängte Sanktionen gegen zwei türkische Minister, die die Türkei erwiderte.

Aus Frustration über mangelnde Fortschritte in den Verhandlungen hatte Trump am Freitag Zölle auf die Einfuhr von türkischem Stahl und Aluminium stark erhöht. Erdogan sprach daraufhin von einem "Wirtschaftskrieg".

Der Kurs der seit Monaten schwächelnden Lira war am Freitag und am Montag abgestürzt. Er erholte sich am Dienstag und Mittwoch leicht. Analysten führten das auf erste Notmassnahmen der Zentralbank zur Stützung der Lira zurück sowie auf die Ankündigung, dass Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag per Telefonkonferenz mit Investoren unter anderem aus den USA und Europa sprechen werde./jam/DP/zb

(AWP)

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Die Türkei ist nur ein

Die Türkei ist nur ein Testfall für die Märkte

Höhere Zinsen und kleinere Bilanzen: Die sich abzeichnende Geldpolitik grosser Notenbanken könnte besonders in Schwellenländern zu Verwerfungen führen.

16.08.2018 13:40

Der Vorstoss der grossen Zentralbanken, die Politik der Krisenzeit umzukehren, dürfte sich angesichts der Pläne für höhere Zinssätze und kleinere Bilanzen ins Jahr 2019 hinein beschleunigen. Eine so genannte quantitative Straffung droht dann Dollar und Euro aus Ländern aufzusaugen, deren Regierungen und Unternehmen an billigen Schulden festhielten, ohne dass die Fundamentaldaten ihrer Volkswirtschaften verbessert wurden.

Die Federal Reserve lässt bereits einen Teil ihrer Anleihenbestände fällig werden. Die Europäische Zentralbank plant, im Dezember den Kauf von Anleihen einzustellen. Bloomberg Economics geht davon aus, dass die Nettoaktivakäufe der drei wichtigsten Zentralbanken von nahezu 100 Milliarden Dollar monatlich von Ende 2017 bis Ende dieses Jahres auf Null sinken werden.

Der sich abzeichnende Umschwenk beim Billiggeld bedeutet, dass Anleger von Besorgnis über idiosynkratische Faktoren in Märkten wie der Türkei und Argentinien zu einer grösseren Nervosität im Hinblick auf solche Schwellenländer übergehen können, die von billiger Liquidität abhängig sind. Polen und Malaysia zum Beispiel haben Auslandsschulden in Höhe von etwa 70 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts, wie Daten des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zeigen.

"Es herrscht immer noch Selbstzufriedenheit in Schwellenländern", sagte Alberto Gallo, Vermögensverwalter bei Algebris Investments in London. "Bei den Emerging-Markets-Schulden blinkt rotes Licht."

Schwellenländer: Verschuldung steigt

Das Institute for International Finance schätzt, dass sich die Verschuldung von Haushalten, Regierungen, Unternehmen und dem Finanzsektor in den 30 Schwellenländern, die es beobachtet, von 143 Prozent des Bruttoinlandsprodukt Ende 2008 auf 211 Prozent Anfang 2018 erhöht hat. Bei 21 dieser Länder kletterte das Volumen der auf Dollar lautenden Anleihen im gleichen Zeitraum von 2,8 Billionen Dollar auf rund 6,4 Billionen Dollar.

Der IWF schätzt, dass die öffentliche Verschuldung in den Schwellenländern und den Volkswirtschaften mit mittlerem Einkommen im Durchschnitt fast 50 Prozent des BIP ausmacht - die höchste Quote seit der Schuldenkrise der 1980er Jahre. In einem Fünftel dieser Länder liegen die Werte bei über 70 Prozent.

Und, vielleicht am beunruhigendsten, belaufen sich alleine die in US-Dollar denominierten Verbindlichkeiten von Unternehmen in den Schwellenländern nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf 3,7 Billionen US-Dollar. Das ist doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum 2010.

Vor diesem Hintergrund betrachtet Bloomberg Economics die Türkei, Argentinien, Kolumbien, Südafrika und Mexiko als am verletzlichsten für Investoren angesichts einer potenziell toxischen Kombination aus schneller Inflation und aufgeblähten Leistungsbilanz- und Haushaltsdefiziten.

"Die Regierungen, Unternehmen, Banken und Haushalte in Schwellenländern haben Dollar-Verbindlichkeiten, die ein Problem werden, wenn der Dollar steigt", schrieben Stephen Jen und Joana Freire von dem in London ansässigen Hedgefonds Eurizon in ihrem jüngsten Bericht. "Man bekommt erst einen Kater, wenn man aufhört zu trinken."

Bank of Japan als Fallstudie

Sicherlich ist nicht jedes Schwellenland dem gleichen Risiko ausgesetzt, und viele versuchten sich im letzten Jahrzehnt zu schützen. Die durchschnittlichen Inflationsraten liegen auf Rekordtiefständen und die Leistungsbilanzsalden verbessern sich. Ein frühes Opfer der Asienkrise der 1990er Jahre, Thailand, weist nun gesunde Reserven und einen seltenen Leistungsbilanzüberschuss auf.

Bloomberg Economics bewertet Südkorea und Taiwan ebenfalls als relativ robust. Dennoch besteht der Druck zu reagieren selbst für jene aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, die durch starke Reserven und robuste Fundamentaldaten gestützt werden.

Die Strategen von Morgan Stanley betrachten die Entscheidung der Bank of Japan Anfang 2016, ihre Bilanz zu kürzen, als eine Fallstudie. Sie weisen darauf hin, dass es Monate dauern kann, bevor die Anleger auf geringere Liquidität und geringeres Risiko reagieren.

"In einer Welt reichlicher Liquidität hätten die jüngsten EM-Entwicklungen einen viel geringeren Einfluss auf Preisschwankungen und lokale Liquidität", schrieben Hans Redeker, globaler Leiter Devisenstrategie bei Morgan Stanley, und Gek Teng Khoo am Dienstag in einem Bericht. "Was wir in den letzten Wochen in Schwellenländern erlebt haben, ist das Ergebnis der verschärften globalen Liquiditätsbedingungen."

Wird es diesmal anders?

Die Probleme in der Türkei könnten sinnbildlich für weitergehende Risiken sein, da sich die wichtigsten Zentralbanken von ihrer geldpolitischen Akkommodation entfernen, sagte Jim Reid, globaler Leiter Credit Strategy bei der Deutschen Bank.

"Finanzkrisen sind immer irgendwann in einem Straffungszyklus der Fed wahrscheinlich, besonders wenn eine Menge Geld in der Lockerungsphase des Zyklus hochverzinslichen Anlagen hinterherjagte", so Reid. "Die jüngsten Entwicklungen sind daher globalen Investoren bekannt, auch wenn immer die Hoffnung besteht, dass es diesmal anders ist."

(Bloomberg)

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Trump droht Türkei mit

Trump droht Türkei mit weiteren Sanktionen

Die USA haben der Türkei mit weiteren Sanktionen gedroht, sollte der unter Hausarrest stehende US-Pastor Andrew Brunson nicht schnell freikommen. Die Regierung habe weitere Sanktionen vorbereitet, die man verhängen wolle, sollte der Pastor nicht zügig freigelassen werden, sagte Finanzminister Steven Mnuchin am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung im Weissen Haus.

17.08.2018 06:33

Präsident Donald Trump erklärte, die Türkei habe sich nicht als "guter Freund" der USA erwiesen. In der Nacht zum Freitag legte Trump noch einmal auf Twitter nach. "Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen", schrieb Trump. "Aber wir setzen bei der Türkei nach", fügte er hinzu.

Die Krise zwischen den beiden Nato-Partnern dürfte sich dadurch weiter verschärfen. Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich unter Hausarrest gestellt. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt seine umgehende Freilassung gefordert. Anfang August verhängte seine Regierung Sanktionen gegen zwei türkische Minister, die die Türkei erwiderte.

Wegen der Krise war es zu massiven Währungsturbulenzen in der Türkei gekommen. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hofft deswegen auf das Engagement finanzstarker Investoren. Vier Tage nachdem die türkische Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände gefallen war, sprach Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischen Investoren. Am Morgen war die Rede von rund 4000 Teilnehmern aus Europa, den USA und dem Nahen Osten.

Albayrak zufolge scheint eine von vielen Investoren vorgeschlagene Intervention des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht anzustehen. Man sei nicht im Kontakt mit dem IWF, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Priorität sei, die Inflation, die die 15-Prozent-Marke überschritten hat, auf einen einstelligen Wert zu drücken. Er wiederholte, dass die Regierung die Finanzpolitik der Zentralbank unterstützen werde. Investoren hatten scharf kritisiert, dass Erdogan vor den Wahlen angekündigt hatte, dass er sich stärker in die Finanzpolitik einmischen werde.

Man werde "aus dieser Phase gestärkt hervorgehen", sagte Albayrak. Experten bemängelten, dass Albayraks Präsentation zu allgemein geblieben sei. Die Lira bewegte sich nach der Rede kaum.

Albayrak telefonierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auch mit seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz. Scholz habe betont, dass eine starke türkische Wirtschaft wichtig für Deutschland und Europa sei. Am 21. September wollen Albayrak und Scholz demnach in Berlin zusammentreffen. Vermutlich geht es um die Vorbereitung des Staatsbesuchs von Präsident Erdogan in Deutschland Ende September.

Die Währungskrise sowie die scharfe Auseinandersetzung mit den USA scheinen die Türkei näher an Europa und vor allem Deutschland heranzurücken. Albayrak habe Scholz für die Unterstützung Deutschlands gedankt, berichtete Anadolu weiter. Er bezog sich damit unter anderem auf Bemerkungen von Kanzlerin Angela Merkel. Merkel hatte sich am Montag besorgt über die Lage in der Türkei geäussert.

Albayrak hatte bereits am Dienstag betont, dass eine Vertiefung der Beziehungen zu Europa und langfristige Zusammenarbeit die beste Antwort auf die Bedrohung durch die USA seien. Noch im vergangenen Jahr war das deutsch-türkische Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei zerrüttet gewesen.

Die Festnahmen gehen allerdings weiter. Wie am Donnerstag bekannt wurde, war am Mittwoch ein weiterer Deutscher in Haft gelandet. Ihm werde vorgeworfen, über soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet zu haben, sagte sein Anwalt Ercan Yildirim der Deutschen Presse-Agentur. Sein Mandant Ilhami A. (46) sei am Mittwoch in der osttürkischen Provinz Elazig festgenommen worden. Kurz darauf habe ein Gericht entschieden, der Mann müsse in Untersuchungshaft.

Zuerst hatte der NDR über den Fall berichtet. Nach Recherchen des Senders stammt der Mann mit kurdischen Wurzeln aus Hamburg. Dort arbeite er als selbstständiger Taxifahrer. Der Deutsche habe in seinem Heimatdorf Saribasak seine Mutter besucht. Augenzeugen hätten berichtet, dass Sicherheitskräfte die Wohnung des Mannes durchsucht und ihn mitgenommen hätten. Aus dem Auswärtigen Amt hiess es, der Fall sei bekannt. Die Botschaft in Ankara werde sich darum kümmern. Nach offiziellen Angaben sind in der Türkei derzeit noch sieben weitere Deutsche aus "politischen Gründen" in Haft.

Die französische Regierung bestätigte am Donnerstag ebenfalls ein Telefongespräch Erdogans mit Präsident Emmanuel Macron. Macron habe Erdogan versichert, dass Frankreich eine stabile und florierende Türkei wichtig sei. Er werde Erdogan in dieser Hinsicht unterstützen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington stützte indes die US-These, die wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Türkei seien nicht durch die US-Sanktionen verursacht worden. Der IWF habe bereits in seiner routinemässigen Untersuchung der türkischen Wirtschaft, die Ende April veröffentlicht worden war, auf erhebliche Ungleichgewichte und deutliche Anzeichen für eine Überhitzung hingewiesen, hiess es vom Weltwährungsfonds./jam/DP/stk

(AWP)

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IWF ruft Türkei zu solider

IWF ruft Türkei zu solider Wirtschaftspolitik auf

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die von einer Währungskrise gebeutelte Türkei zu einer stabilen Wirtschaftspolitik gemahnt. "Im Lichte der jüngsten Marktschwankungen muss die neue Administration ihr Bekenntnis zu solider Wirtschaftspolitik zeigen, um makroökonomische Stabilität zu fördern und Ungleichgewichte zu reduzieren", sagte ein IWF-Sprecher am Donnerstag in Washington. Die Notenbank müsse vollends unabhängig arbeiten, um ihrem Auftrag, Preisstabilität zu gewährleisten, gerecht werden zu können.

16.08.2018 21:14

Der Sprecher bestätigte, dass es bisher keine Anfragen aus Ankara gibt, Unterstützung aus einem der Krisenprogramme des IWF zu erhalten. Der Fonds beobachtet die Türkei wie jedes andere Mitgliedsland im Zuge routinemässiger Überprüfungen. Bereits bei der jüngsten dieser Konsultationen - veröffentlicht Ende April - hatte der Fonds darauf hingewiesen, dass in der Türkei erhebliche Ungleichgewichte herrschen, die bekämpft werden müssten, und dass die Wirtschaft klare Zeichen von Überhitzung aufweise.

Finanz- und Wirtschaftsexperten in aller Welt hatten darauf hingewiesen, dass eine Finanzhilfe des IWF ein Mittel sein könnte, um den seit Wochen anhaltenden Absturz der türkischen Lira aufzuhalten. Zugleich hat das Land mit einer hohen Inflation zu kämpfen./dm/DP/jha

(AWP)

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