unser Steuersystem - eure Meinungen

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08.04.2016 08:38
#1
Bild des Benutzers Domtom01
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unser Steuersystem - eure Meinungen

Ist unser Steuersystem ausgeglichen und gerecht oder müssen wir dereinst "griechische Verhältnisse" befürchten?

Was mich nachdenklich und sogar wütend macht,  ist z.B. folgendes Interview "unseres" Finanzministers:

Finanzminister Maurer verteidigt Offshore-Geschäfte der Reichen

Bern (awp/sda) - Bundesrat Ueli Maurer sieht trotz der Enthüllungen der "Panama Papers" keinen Bedarf für weitere Regulierungen in der Schweiz. Der Finanzminister verteidigt die Praxis Wohlhabender, ihr Geld in Offshore-Geschäften zu investieren.

"Man muss diese Möglichkeiten schaffen", sagte Maurer in einem Interview, das der "Blick" am Freitag veröffentlichte. Die reichen Leute würden viel mehr Steuern bezahlen als er. "Ich bin nicht reich - und ohne Reiche müsste ich mehr Steuern bezahlen", argumentierte der SVP-Magistrat.

Er warnt einerseits davor, jetzt nach neuen Gesetzen zu rufen: In der Schweiz sei die Regulierungsdichte "definitiv" ausreichend, man könne nicht jede Tätigkeit unter staatliche Kontrollen stellen. Zudem gibt Maurer zu bedenken: "Wir dürfen uns nicht als Obermoralisierer der Welt aufspielen."

 

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09.04.2016 19:12
Bild des Benutzers MarcusFabian
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Steuersystem

Abgesehen von den Steuerschlupflöchern - die es ja in jedem Land gibt - würde ich folgendes am Schweizer Steuersystem verbessern:

1. Vereinheitlichung der Steuersätze.

Der Unterschied zwischen steuerlich günstigen und teuren Gemeinden kann gut Faktor 3 oder mehr ausmachen. Da alle in möglichst steuerlich günstigen Gemeinden wohnen wollen nimmt dort der Druck auf Wohnraum zu. Die Mieten steigen. Entsprechend das Gegenteil trifft für die steuerlich teuren Gemeinden zu. Dort sind die Mieten entsprechend günstiger.

Für die Einwohner ist es also eine Mischrechnung: Wer gut verdient, spart in den steuerlich günstigen Gemeinden mehr Geld (wenn man Miete und Steuern zusammenzählt) als in den teuren Gemeinden und kann damit die teureren Mieten finanzieren. Das umgekehrte gilt für unterdurchschnittliche Einkommen, wo die Mietersparnis die Steuerersparnis übersteigt.

Ich selbst bin Anfang Jahr vom Kt. Bern nach Zürich umgezogen. Spare 20'000 Steuern aber zahle 12'000 pro Jahr mehr Miete.  Also für mich ein lohnender Kantonswechsel.

Im Endeffekt führt das aber dazu, dass wir eine Zweiklassengesellschaft bekommen: Die gut verdienenden in steuergünstigen Gemeinden mit hohen Mieten, die schlechter verdienenden in steuerlich teuren Gemeinden mit günstigen Mieten. Letzteres sorgt dann auch oft für soziale Brennpunkte (Spreitenbach, AG zum Beispiel).

Somit kann man festhalten, dass die Armen prozentual höhere Steuersätze zahlen als die Wohlhabenden.

 

2. Lohnabzug inkl. Krankenkasse

Ich fände es besser, wenn die Steuern und auch die Krankenkasse direkt vom Lohn abgezogen würde, wie das in den meisten anderen Ländern der Fall ist (z.B. D, A und alle skandinavischen Länder). Man hätte dann weniger böse Überraschungen wenn die Steuerrechnung kommt und müsste keine Rücklagen bilden. Unter dem Strich hätte man das netto einbezahlte Einkommen für Miete und Lebenshaltungskosten zur Verfügung, was die Planung einfacher macht.

 

08.04.2016 15:51
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Domtom01 hat am 08.04.2016 - 14:26 folgendes geschrieben:

Wenn die AHV im 2015 mit über 500 Mio. in den Miesen abschliesst, wenn dringende Infrastrukturmassnahmen aufgeschoben werden, wenn Politiker bei Ausgaben auf fehlende Mittel verweisen, aber gleichzeitig das Armee-Budget für die nächste 4-Jahre-Legislatur erhöht wird, wenn man zwar bei der Ausbildung kürzt und eine Unternehmenssteuerreform III durchzieht und wieder mit falschen Zahlen arbeitet, dan

Ich stimme vollkommen zu.
Aber was sollen wir tun. Hinschauen nützt offensichtlich auch nichts.

Wie oft wurde die AHV-Revision beerdigt. Entweder durch die SVP alleine oder in einer unheiligen Allianz mit FDP und SP zusammen.

Die Briefkastenfirmen sind ein Teil des weltweiten "Steuerwettbewerbs".

 

Die USA, das neue Steuerparadies

Milliarden von Offshore-Geldern fliessen in die USA. Weder das Steuergesetz Fatca noch der Automatische Informationsaustausch können dort Steuerflüchtlingen etwas anhaben. Die Vereinigten Staaten sind die neue Schweiz.

http://www.finews.ch/news/finanzplatz/21807-usa-steuerparadies-fatca-aia...

 

 

Darum mag ich nicht darüber hadern.
Die USA sind nicht primus inter pares sondern "gleicher" als alle anderen.
Wenn wir bei uns die Reichen vergraulen, zahlen sie die Steuern halt wo anders.
Dann lieber bei uns ungerecht wenig, als gerecht viel Steuern zahlen.

Sobald wir auch bei den Steuern Globalisierung haben, kann man die Reichen sehr einfach höher besteuern

Einkommensteuer (Vereinigte Staaten)

Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise wurde der Satz 1932 erst auf 63 % und dann im Zuge des Zweiten Weltkrieges kontinuierlich auf seinen Höchstsatz von 94 % für Einkommen über 200.000 US-Dollar erhöht. Der Spitzensteuersatz blieb bis 1964 über 90 %, wurde dann aber auf 70 % gesenkt.

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

08.04.2016 14:26
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Ich spreche nicht für oder gegen die Stammtischler, obwohl sie auch ihre Meinung sagen dürfen. Fakt ist: Wenn ein System gut ist, rechtfertigt es nicht das Wegschauen.

Wenn die AHV im 2015 mit über 500 Mio. in den Miesen abschliesst, wenn dringende Infrastrukturmassnahmen aufgeschoben werden, wenn Politiker bei Ausgaben auf fehlende Mittel verweisen, aber gleichzeitig das Armee-Budget für die nächste 4-Jahre-Legislatur erhöht wird, wenn man zwar bei der Ausbildung kürzt und eine Unternehmenssteuerreform III durchzieht und wieder mit falschen Zahlen arbeitet, dann ist es legitim, alle Bürger an den Kosten zu beteiligen, auch die "Briefkasten-Schweizer!

Wir müssen dafür sorgen, dass die vorbildliche Steuermoral so bleibt. Doch wenn Herr und Frau Schweizer erfahren, wie viele da mit Briefkastenfirmen tricksen, mindestens ein Bundesrat ist dabei, dann ist das nicht hilfreich.

Dazu kommt der Geruch der Illegalität: Man ist bei solchen Konstrukten in "guter Gesellschaft", wie korrupter Politiker, Drogenbossen, Mafiapaten, Waffenschiebern und anderen "Wohltätern".

Wer Geld in der Schweiz verdient, soll dies unter Anwendung aller legalen und transparenten Mitteln in der Schweiz versteuern (Privatpersonen), bei Firmen ist es etwas anderes (bei internationaler Verflechtung).

08.04.2016 12:38
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Domtom01 hat am 08.04.2016 - 11:50 folgendes geschrieben:

Man darf doch von einem Finanzminister erwarten, dass er die Interessen der Schweiz und der schweizer Steuerzahler verteidigt und nicht die Steuermoral der grössten Mehrheit der CH-Wohnbevölkerung untergräbt.

Man darf es erwarten, aber nur wenn man sich vorher mit der Materie auseinandergesetzt hat.

Es ist ein steinaltes Thema. Z.B. Pauschalsteuer.
Die Steuermoral in der Schweiz ist weltspitze

Ist etwas in den Schlagzeilen, will jeder Stammtischpolitiker mitlabern.
 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

08.04.2016 11:50
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Warum richten so viele "Kunden" Briefkastenfirmen ein? Es geht immer um Steueroptimierung, und zwar ohne Gegenleistung für die jeweiligen Wohnländer.

Man darf doch von einem Finanzminister erwarten, dass er die Interessen der Schweiz und der schweizer Steuerzahler verteidigt und nicht die Steuermoral der grössten Mehrheit der CH-Wohnbevölkerung untergräbt.

Durch das Bagatellisieren und Rechtfertigen betreibt Herr Maurer aber gerade das: die Senkung der Steuerzahlmoral der allermeisten Bürger unseres Landes. Damit fügt er der Schweiz finanziellen Schaden zu, die er laut Verfassung schützen muss.

Das nennt man: Den Bock zum Gärtner machen!

Übrigens: Herr Maurer zählt sich nicht zu den Reichen. Interessant! Mit seinem von uns allen bezahlten Bezügen als Bundesrat, wird er es schon zum Millionär gebracht haben, ausser er hat sich "arm" gerechnet!

 

Die Löhne der sieben Bundesräte

 

Bundesrat der Schweiz zu sein, zahlt sich finanziell aus: Ein gewählter Bundesrat verdient genau 475'163 Schweizer Franken pro Jahr an Einkommen (brutto).

DOCH DA KOMMT NOCH EINIGES MEHR:

Weitere Leistungen: Unsere sieben Bundesräte profitieren von vielen weiteren Leistungen und erhalten ausserdem eine stattliche Rente bei erfolgloser Wiederwahl. Hier erfahren Sie wieviel.

Auszahlung: Das Jahresgehalt von CHF 444'178.- wird den Schweizer Bundesräten vier Mal pro Jahr in vier Tranchen ausbezahlt. Der Lohn wird dabei jährlich an die Teuerung angepasst.

Steuerbefreite Zulagen: Zum jährlichen Grundgehalt kommen nochmals 30'000 steuerbefreite Franken in Form von Repräsentationszulagen hinzu.

Bundespräsident-Zulage: Der Bundespräsident der Schweiz erhält eine zusätzliche Entschädigung in der Höhe von 12'000 Franken.

 

Quelle: http://www.conviva-plus.ch/?page=1239

08.04.2016 09:01
Bild des Benutzers Elias
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CH ist eines der wenigen Länder, die die Vermögenssteuer kennt

Vermögensteuer (Deutschland)

Die Vermögensteuer ist im deutschen Steuerrecht eine Substanzsteuer, die vom Wert des Nettovermögens (Bruttovermögen abzüglich Schulden) des Steuerpflichtigen (natürliche oder juristische Person) berechnet wird, das zu einem bestimmten Stichtag vorhanden ist. ClappingIn den neuen Bundesländern wurde die Vermögensteuer nie erhoben, in den alten seit 1997 nicht mehr.

 

 

 72 MilliardäreLondon ist die Hauptstadt der SuperreichenIn London leben so viele Superreiche wie sonst nirgends auf der Welt. 72 Bewohner der englischen Hauptstadt verfügen über ein Vermögen von über einer Milliarde Pfund - deutlich mehr als etwa in New York.   Reiche Griechen feiern in London
Niedrigsteuern locken Millionäre scharenweise auf die Insel

Sie müssen in Großbritannien nur das versteuern, was sie in Großbritannien verdienen oder was aus dem Ausland auf britische Konten fließt.

 

 

Die Anstalt vom 5 April
Prädikat: sehenswert Good

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2678346/Die-Anstalt-vom-5-...

 

Die Schweiz hat seit Einführung der Schuldenbremse massiv Schulden abgebaut.

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin