Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

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14.04.2009 16:46
#1
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Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

Die Pensionskassen haben im Durchschnitt ein miserables Anlageergebnis im Jahr 2008 erzielt und weisen entsprechend eine Unterdeckung auf.

Die Schuld gibt man den Finanzmärkten.Das ist mir aber etwas zu simpel.Wenn die Kassen plötzlich 20% Unterdeckung haben,kann man das nicht nur mit dem desolaten Finanzmarkt begründen.Da müssen gröbere Fehler in der Risikoallokation und den einzelnen Anlagekategorien sowie bei den Einzeltiteln gemacht worden sein.

Wenn ich mir die Bewertungen im SMI anschaue,dann wundert mich eigentlich gar nichts mehr.

Solide Aktientitel,die Jahr für Jahr solide Gewinnausweise presentieren,auch im letzten Jahr,werden links liegen gelassen.Dabei müssten diese Titel eine Prämie ausweisen für ihre soliden Geschäfte.Die Prämie weisen aber ausgerechnet die "Flaschen "aus.Die soliden Titel seien langweilig bekomme ich zu hören.Na und??? Natürlich ist das schlecht für die Handelsabteilungen der Banken ,wenn es nicht einen ständigen Wechsel bei den Titeln gibt.Das ist aber nicht das Problem des Pensionskassenmanagers.Oder stecken die Banken und Pensionskassenmanager unter einer Decke??Anscheinend haben viele Kassen im letzten Jahr auf die "Flaschen" gesetzt.Man legt den Mantel des Schweigens darüber.Mich wundert,dass die Presse da nicht mehr recherchiert.

Ein Beispiel gefällig:Die Pensionskasse des Kantons Basel-Stadt:Im Jahr 07 wurde die Unterdeckung mit über 1.3Mia Sfr.Steuergeld getilgt,was etwa 20% des gesamten Anlagevermögens ausmacht.Ende 08 und das ist kein Witz, sind die 1.3Mia Sfr.wieder futsch.

Sprich der Kanton hat zu Lasten der Staatsrechnung 08 eine neuerliche Rückstellung über 630Mio Sfr.gemacht und fragt sich jetzt woher der Rest kommen soll.Kommentar eines Regierungsrats des Kantons BS in der Basler Zeitung:war halt pech,ist dumm gelaufen.Konsequenzen keine.Und die Journalisten nicken brav ab.Keine Frage wie ein solches Desaster möglich ist.Dabei muss da einiges schief gelaufen sein, betreffend Risikoallokation und Titelauswahl.

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10.05.2009 11:57
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Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

Bei den meisten Pensionskassen mit Unterdeckung wird jetzt gesagt,man habe eben so grosse Risiken eingehen

müssen, um die benötigte Rendite zu erreichen ,oder eine fehlende Schwankungsreserve habe gefehlt.

Beide Argumente sind nicht wirklich stichhaltig.

Wenn die Anlagestrategie zu risikoreich war,nützt auch eine Schwankungsreseve nichts.Man kann das am Beispiel bei GF ja sehen.Von einem Deckungsgrad von 111,2% ging es runter auf 87,7%.Die Risikoallokation bei den Anlagen hätte aber so sein sollen,dass eine 100% Deckung nicht unterschritten wird.Damit hätte die Schwankungsreserve ihrem Zweck entsprochen.

Es ist jetzt einfach,den Finanzmärkten die Schuld zu geben.Die Verantwortlichen versuchen von ihren Fehlern abzulenken.Dabei haben sie gutes Geld verdient.Ob sie ihr eigenes Geld wohl auch so risikoreich angelegt hätten???Wohl kaum.

Eigentlich sollten sich die Gewerkschaften um dieses Problem kümmern,der einzele Arbeinehmer ist da auf verlorenem Posten.Zahlen für die Sanierung kann er aber alleine,ohne die Verantwortlichen für das Debakel.

05.05.2009 17:37
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Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

Das ist keine Bestechung, bloss die Schweizer Art Wink :roll:

Ein Umdenken ist dringend nötig, aber ich bin erstaunt, dass dieses erst jetzt kommt..Die Sanierungen kosten die Unternehmen schliesslich viel Geld.

Liegt vielleicht auch daran, dass Ausgaben für die PK als "Investition" in die Altersversorgung der Mitarbeiter verkauft werden können..Das Wohl der Mitarbeiter hervorheben, sein Versagen verschweigen

Wink

Stutzologie: Lehre des Geldes und der Vergütung, basierend auf den Theorien des Gopfriedstutz Biggrin

05.05.2009 10:19
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Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

Komisch wird es auch dann,wenn der Pensionskassenverwalter mit den Bänklern regelmässig zum Lunch geht und nie eine Rechnung bezahlt.Abends werden sie dann noch im Rotlicht-Millieu gesehen.

Solche Fakten und der Leistungsausweis über die letzten 6 Jahre geben einem zu denken.

Was ich so höre,findet in den Firmen langsam ein Umdenken statt.Viele wollen sich nach der Sanierung einer Sammelstiftung anschliessen oder die Kassenverwaltung grundsätzlich neu organisieren.

05.05.2009 01:09
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Unterdeckungsprobleme der Pensionskassen

Grundsätzlich gibt es immer einen Aufschrei, wenn der Deckungsgrad der Pensionskassen sinkt. Dies ist bei jeder Rezession bzw. sinkenden Börsenkursen der Fall, und damit an sich nichts Neues.

Aber wie du schreibst, kann die Finanzkrise allein das Problem wohl kaum erklären. Also muss wohl auch ziemlich viel Misswirtschaft im Spiel sein. Allerdings habe ich auch nirgends was konkretes darüber gelesen.

Einige Anmerkungen von mir zu den Pensionskassen:

Meiner Meinung nach gibt es 2 Punkte, welche jede Pensionskasse beachten sollte:

1) Der Dollar: Dieser fällt nun seit Jahren, daher: keine Anlagen in Dollar

2) Die Auswahl der Fonds: Die aktiv gemanagten Fonds schlagen (in der Regel) die Verglecihsindizes nicht systematisch, d.h. über längere Zeit. Einem 5 Jahresvergleich halten die Meisten nicht Stand. Trotzdem fallen aber hohe Gebühren an. Daher: Nur passiv gemanagte Fonds kaufen.

Weiss jemand wie die rechtliche Situation aussieht? Welche Anforderungen bestehen, die ein Pensionskassen-Manager oder Stiftungsrat einer Sammelstiftung erfüllen muss?

Gibt es nämlich keine/lockere Regelungen, so wundert micht die Performance vieler Pensionskassen nicht.

P.S:Will niemandem zu nahe treten, der beruflich mit den erwähnten Dingen zu tun hat.

Wink

Stutzologie: Lehre des Geldes und der Vergütung, basierend auf den Theorien des Gopfriedstutz Biggrin