wann geht es runter? tiefrot runter...

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18.11.2009 15:07
#1
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wann geht es runter? tiefrot runter...

Hallo liebe Schreiber

Wir wissen ja, es gibt viele Warner zur aktuellen Bärenrally in der gegenwärtigen Lage, viele Vergleiche zu vergangenen Crash's, etc.

Mich würde interessieren, wer wagt hier eine Einschätzung, Prognose oder auch einen Beitrag zum Thema, wann der von doch Einigen befürchtete nächste fundamentale Einbruch kommen könnte? Könnte es Anfang 2010 sein? Vielleicht gegen Sommer 2010 bei einer ersten Leitzinserhöhung? Oder schon früher? Oder 2012 wie es schon die Mayas wussten? (->ironisch gemeint)

Was meint ihr? Zu diesem Thema noch ein passender Marktkommentar von R.Gehrt, wurde womöglich schon hier gepostet, ev. von Mr.Zocky, wenn ja, sorry für die Wiederholung:

zitiert von R.Gehrt, http://www.system22.de/marktkommentar

Der aktuelle Marktkommentar von Mittwoch, den 11. November 2009

Roubini, Blankfein, die G20 und die einfachen Wahrheiten

Verehrte Leserinnen und Leser,

die Nachrichten der vergangenen Tage sind recht bemerkenswert, wenn man sie genauer überdenkt. Fangen wir mal mit den Mahnenden an. Da steht momentan der von Dummbeuteln abschätzig „Dr. Doom“ genannte Professor Nouriel Roubini im Vordergrund. Er warnt vor einem Zusammenbruch der Finanzmärkte, weil diese durch eine Welle billigen Geldes in nicht gerechtfertigtre Höhen getrieben wurden.

Basis des Ganzen ist früh ihn die Nullzins-Politik der US-Notenbank. Man verschuldet sich billig im Dollar, dessen Wertverfall in den letzten Monaten zusätzlich Gewinne einbringt und stopft das Geld in die Finanzmärkte, vornehmlich in Aktien. In dem Moment, wo die Notenbank ihre Zinszügel anziehen werde, würde auch der Dollar markant ansteigen, den Kreditnehmern Verluste verursachen und dazu führen, dass sie diese Kredite auflösen. Was nur geht, indem sie all das, was sie vorher an den Börsen eingesammelt haben, eiligst verkaufen.

Dieser Gedankengang hat Ähnlichkeit mit dem, wovor ich seit Juli warne ... und bislang nicht Recht bekam. Ich hatte ja oft darauf hingewiesen, dass das quasi gratis verteilte Geld zu einem Großteil nicht in der Wirtschaft ankommt. Nur hatte ich nicht „irgend jemanden“ als Kurstreiber der Börsen ausgemacht, sondern einige Großbanken, denn für die lohnt es sich ja erst recht. Immerhin bekommen sie Geld wirklich zu 0,25%, scheuen das immer weiter steigende Kreditausfallrisiko, stecken das Geld in die Börsen und wähnen sich scheinbar, was die steigenden und durch ihre eigenen Käufe getriebenen Kurse angeht, unverwundbar. Dass das zu einem fatalen Ende führt, da stimme ich mit Nouriel Roubini durchaus überein. Aber in meinen Augen braucht es dazu keiner Verschärfung der Notenbank-Politik.

Gerade in den USA verfügen die Großbanken über eine beängstigende Machtfülle. Ich fürchte, wir haben am vergangenen Wochenende ein Beispiel hierfür gesehen. Dass der Verfall des Dollars beim G20-Treffen nicht zu wie auch immer gearteten Maßnahmen oder nur zu verbalen Bekundungen zugunsten des Greenback führte, zeigt, dass die G20 in dieser Hinsicht besser M20 heißen sollten. M wie machtlos.

Darüber hinaus mögen manche Politiker den Ernst der Situation verkennen. Aber wohl kaum die Notenbanken. Ben Bernanke weiß zweifellos sehr wohl, wie verfahren die Lage ist. Er kann und wird weiterhin mit billigem Geld um sich werfen, weil er fürchten muss, dass nicht die Marktteilnehmer an sich eine Zinsanhebung mit Entsetzen quittieren würden (wozu auch, wäre dies doch eigentlich ein Signal dafür, dass die Konjunktur wirklich wieder anspringt, was positiv für die Börsen wäre) sondern die Großbanken, die sich am Spielchen mit dem Gratisgeld beteiligt haben ... und dadurch einen Finanzmarktcrash verursachen könnten, gegenüber dem der Crash vom vergangenen Herbst wie ein Picknick wirken könnte.

Und er mag ahnen, dass er nicht auf Vernunft bauen darf. Es ist beängstigend, dass Menschen, die auf unserer Welt Positionen mit extremer Macht besetzen, zumindest ab und an ein wenig die Bodenhaftung verlieren. So sehr, dass sie zu Zeitbomben werden. Manche mögen denken, ich spreche von Silvio Berlusconi. Aber nein, es gibt auch Menschen mit immenser Macht, die kaum einer kennt. Für Lehman Brothers war ihr langjähriger Chef Richard Fuld ein solches Risiko geworden, als er sich der Realität verweigerte. Und am Wochenende nun erklärt Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein der verdutzten Restwelt, dass die Banken mit ihrem Tun Gottes Werk verrichten (dazu brachte Spiegel online am vergangenen Sonntag einen Artikel). Er meinte damit die üblichen Aktivitäten der Banken, die zu einer Mehrung des Wohlstands aller führen. Bemerkenswerterweise hat er das kurze Intermezzo der Subprime-Krise hier entweder ausgespart oder findet es ebenso lobenswert. Und ob die nun umso schlimmer laufenden Zockerein mit Gratisgeld sein frommes Wohlwollen finden, stand nicht explizit dabei. Aber wer weiß ... vielleicht erkennt er die Problematik schon nicht mehr? Wäre dem so ... er wäre ja nun nicht der erste, dessen Flughöhe über dem Boden, auf dem Sie und ich herumzukrabbeln pflegen, zu Handlungen führten, die, basierend auf der immensen Macht dieser Personen, in Katastrophen führten. Katastrophen für die da unten, am Boden. Für wen auch sonst.

Es gibt einfach ein paar simple Dinge, die manch einer vergessen mag – entweder, weil er (wieder mal) glaubt, in einer neuen Zeit zu leben ... oder weil er auf der Machtebene eines Halbgottes schwebt ... oder wegen beidem. Ich weiß, wie schwer mein Stand ist, heute erneut darüber zu schreiben, während die Börsen den Freibrief der G20 hinsichtlich des Dollars mit fröhlichen Kursfeuerwerken feiern. Und ich sage eines gleich vorweg: Trotz intensivster Versuche durch Luftanhalten, im Kreis hüpfen und bei Vollmond Dickmilch trinken ist es mir nicht gelungen, die Kursbewegungen von morgen vorhersagen zu können. Und das ist schlecht. Aber ich behaupte zu wissen, wenn schon nicht wann, so doch wie dieses Spiel mit dem Feuer enden wird: In einem extremen Kurseinbruch. Da stimme ich mit Professor Roubini durchaus überein ...

... was zur ersten der schlichten Wahrheiten führt die, da lange nicht mehr aufgetaucht, von immer mehr Akteuren schlicht verdrängt oder völlig vergessen wird: Nach rauf kommt runter. Einfache Regel: Wer meint, dieses Spiel einer sich immer weiter weitenden Schere zwischen Börsen und Realität mitmachen zu müssen, sei sich wenigstens jeden Moment gewärtig, dass Kurse auch mal fallen können. Und dass man erst weiß, dass es nicht der x-te kleine Rücksetzer ist, der sofort wieder aufgekauft wird, sondern die Wende ... wenn es bereits viel tiefer als ein einigermaßen normaler Rücksetzer steht. Ja, ich weiß, wie banal das klingt. Aber sind Sie sich dessen wirklich immer gewärtig?

Eine andere schlichte Wahrheit ist, dass der Umsatz mit dem Trend geht. Was momentan zu einer problematischen Erkenntnis führt. Denn man müsste konstatieren, dass das, was wir seit März sehen, trotz (bzw. gerade wegen) der allgemeinen Erwartung, dass die Börsen trotz aller eventuell vielleicht irgendwo ein bisschen vorhandenen Probleme höher laufen wird, eine Bärenmarktrallye ist. Ich halte es nicht für empfehlenswert, die Tatsache, dass die Umsätze bei fallenden Kursen deutlich anschwellen, bei steigenden Kursen aber immer geringer werden, einfach zu ignorieren, weil sie einem nicht ins bullishe Konzept passt.

Was zum dritten Punkt führt: Wer verkaufen will, braucht auch jemanden, der ihm das ganze Gelump abkauft. Das kann man prima finden oder nicht ... aber nichtsdestotrotz ist das halt so. Der Umstand, dass die Umsätze anschwellen, wenn es abwärts geht, aber sofort austrocknen, wenn die Kurse steigen, ist ein großes Problem, falls man große Bestände an den Märkten unterbringen wollte. Vor allem wenn sie ... nun ... sehr groß sind.

Und das ist der Punkt, am dem ich mit Mr. Roubini nicht konform gehe. In meinen Augen bedarf es keiner Änderung der Notenbank-Politik. Das wäre in sofern nett für die Bullen, weil man davon ausgehen kann, dass Ben Bernanke weiß, was es geschlagen hat und so den Zusammenbruch immer weiter hinauszögern könnte, indem er weiter Gratisgeld verteilt.

Aber ich bin doch recht sicher, dass es dessen nicht bedarf. Sehen Sie, hier hat jemand was gekauft, obwohl er das Geld dafür nicht besaß. Hier kauften Akteure an den Börsen Papiere, deren Wert sich verändern kann (auch nach unten, so hört man), rein auf Pump. Und die Sicherheiten sind ebenfalls solche Papiere, bzw. die gekauften Papiere selbst. Die vierte und letzte simple Wahrheit, mit der ich Sie heute belästigen möchte, ist: Das ist „pfui“. Auf Pump kaufen ist gefährlich, dumm und leichtsinnig. Weil es nämlich schief gehen kann.

Erinnern Sie sich noch an das goldene Zeitalter, die „neue Zeit“ des Wohlstands für alle? Damals, 1999/2000, wurde bei nicht wenigen Privatanlegern so verfahren. Man gab ihnen Geld um Aktien zu kaufen, weil die ja eh immer weiter steigen, und nahm diese Aktien als Sicherheiten an. Und als ein paar Schlingel völlig ungerechtfertigt bei KGVs von schlappen 200 dachten, sie könnten mal Gewinne mitnehmen, stellte man fest, dass die Kaufbereitschaft plötzlich sehr klein war. Zu klein, als dass alle Gewinne mitnehmen konnten. Jedenfalls nicht bei einem Dax um 8.000. Bei 2.200 dann, drei Jahre später, da waren dann alle draußen. Das gab furchtbar Mecker für die Bankberater, die sich seitdem hüten, dergleichen zu erlauben. Und noch mehr Unbill ereilte die, die auf Pump Aktien zu 100 kauften und sie bei 50 nicht mehr losbekamen, weil plötzlich alle Menschen dumm wurden und nicht verstehen wollten, dass ein Rücksetzer nach dem anderen ein Schnäppchen nach dem anderen bedeutete. Das Ende vom Lied war, dass der neue Ferrari eingezogen wurde und außer Schulden auf Geld, das man nie wirklich besaß, nichts blieb. Nichts eingesetzt, 100.000 verloren. Das passierte damals nicht selten.

Ich wollte das nur noch mal ansprechen, weil ich den Eindruck habe, dass neun Jahre, die seitdem verstrichen sind, eine zu hohe Halbwertszeit für Erinnerungen sind, wenn plötzlich Emotionen wie Gier das Denken überlagern. Nun können Sie einwenden, dass es heute ganz anders ist, weil es diesmal ja keine leichtsinnigen Privatanleger sind, die die Kurse dominieren, sondern die großen Adressen unter den Großbanken. Tja. Eben.

Wer damit sagen will, dass man nun nicht mit unverantwortlichem Handeln rechnen muss, heißt entweder Lloyd Blankfein oder hat die Sache mit der Subprime-Krise vergessen. Oder beides. Sehen Sie, in der zweiten Oktoberhälfte haben wir einen Hauch einer Idee bekommen, was passiert, wenn ein oder zwei der großen Spieler versuchen, sicherheitshalber ihre Positionen zu verringern. Das wurde noch mal abgefangen, aber die großen Spieler haben nun gesehen, dass mit Abstand zu wenig Kaufinteresse existiert, um ihre mit geliehenem Geld finanzierten Positionen wieder los zu werden.

Und dass der Kursabschwung abgefangen wurde, sieht mir, gerade mit Blick auf die bei steigenden Kursen noch weiter schwindenden Umsätze, wie eine Flucht nach vorne aus, wie der Versuch, bei noch höheren Kursen vielleicht irgendwie eine Kaufpanik der Anleger zu erzeugen, um die eigenen Positionen verkaufen zu können.

Aber bislang funktioniert das nicht. Die angeblich „starken Hände“, die eigentlich ihre Aktien an die „zittrigen Hände“ der Privatanleger zu Höchstkursen verkaufen wollten, beginnen nun immer mehr selbst zu zittern. Und sie haben allen Grund dazu. Der Notausgang ist zu und die Luft wird dünner. Und dieser Umstand ist es, der in meinen Augen der Auslöser für die Wende sein wird: Immer mehr werden nervös, immer weniger wollen oder können kaufen ... und das war’s.

Und wenn Sie gerade darüber nachdenken, was im Frühjahr 2000 oder im Jahr 1930, als die Aktienmärkte in den USA 60% nach dem Crash anstiegen und dann die echte Baisse erst begann, der Auslöser für die Wende war: Es war derselbe. Da kam nichts, was plötzlich von außen alles verändert hätte. Nein ... es reichte, dass das fragile Gleichgewicht der Kräfte plötzlich einen Mangel an Käufern auswies ... einige, die bereits satt investiert hatten, das Gefühl bekamen, es sei besser, die Gewinne zu sichern ... und feststellten, dass niemand da war, der ihnen die Aktien auf diesem Niveau abkaufen wollte ... was sie erst recht nervös machte ... und das war’s dann auf einmal.

Schon immer liefen starke Trendbewegungen über das Rationale hinaus. Und schon immer war die Zahl derer, die am Hoch- oder Tiefpunkt einer Bewegung der Ansicht waren, dass die Wende nahe sei, verschwindend gering. Diesmal ist die Bewegung durch das Gratisgeld der Notenbanken extremer geworden als in vielen Jahren zuvor. Aber das Prinzip bleibt das selbe. Daher möchte ich es noch einmal unterstreichen: Ich bezweifle, dass es einer Reaktion der Notenbanken bedarf, um dieses Kartenhaus einstürzen zu lassen. Aber ich bin sicher, dass die Mehrheit erst dann reagieren wird, wenn es viel zu spät ist. Denn auch das war nie anders.

Mit den besten Grüßen

Ihr Ronald Gehrt

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14.05.2014 21:36
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theorie und praxis

sime hat am 14.05.2014 - 18:56 folgendes geschrieben:

Nebukadnezar hat am 14.05.2014 - 17:13 folgendes geschrieben:

sime hat am 14.05.2014 - 15:39 folgendes geschrieben:

 

Jetzt mal ganz ehrlich, diese Welt ist des Wahnsinns und es braucht endlich mal ein Standesgericht für diese Kriegstreiber, sorry, aber es ist längst überfällig. Wie lange will die Menschheit sich noch verrückt machen lassen und gegeneinander in den Krieg ziehen, solange solche Mistfliegen uns unbehelligt belügen, lenken und ausrotten können?

 

Brot und Spiele lassen die Menschen erblinden um die Wahrheit zu sehen. Ideen gäbe es ja und ich hoffe die Massen erwachen irgendeinmal aus ihrem Tiefschlaf bevor es zu spät ist.

 

Das hoffe ich auch, doch je grösser die Masse, desto träger ist sie. Den Globalisten muss es wirklich leicht fallen bisher, können sie doch global agieren und punktuell an der Schraube drehen, wie das jetzt in der Ukraine und in Syrien der Fall, sie müssen nur schauen, dass es kein Lauffeuer gibt, worüber sie die Kontrolle verlieren. Aber ok, wir sind ja alle ein Bestandteil der Masse und darum sind wir alle gefragt. Wir können nicht warten und hoffen ein anderer erledigt das für uns. Wir können alle beitragen die Welt neu umzubauen, wenn wir es wollen. Beim Venusprojekt habe ich konkret jetzt zwar nicht verstanden, wie sie sich das vorstellen, eine ressourcenbasierte Wirtschaft ohne Geld und Tausch zu etablieren, doch es spielt keine Rolle, solange man an etwas arbeitet, an das man glaubt und das man verbessern möchte, erzeugt es immer positive Impulse, ganz nach dem Gesetz der Resonanz.

ich habe mir auch schon gedanken darüber gemacht.

geld steht ja für arbeit und zeit. ein tausch findet im venusprojekt hauptsächlich im bereich "information" statt.

eine funktionierende kolonie wird ja so beschrieben, dass die gebrauchsgegenstände für alle zur verfügung stehen, so dass neid und diebstahl ausgerottet werden.

beim venus projekt geht es also nicht um geld, sondern um die verwaltung des inventars eben dieser wirtschaft.

der ingenieur sagt ja, dass HEUTE dank neuster instrumente, das alte wirtschaftssystem nicht mehr nötig wäre.

wann wäre der tag, an dem jeder für sich eine entscheidung fällen könnte, nägel mit köpfen zu machen?

es ist eine frage von

- ausbildung

- standort

- ziele

- spezialisierung

- alter

usw.

also die NWO hört sich manchmal wie ein albtraum an und dieser scheint unaufhaltbar zu sein.

wenn ihr gerade eine traumkarriere bei einem arbeitgeber angefangen habt, dann wäre zeit für dieses projekt aufbringen nur sinnvoll, wenn ihr technologische produkte günstig beitragen könntet. ansonsten kann nur eine seriöse selbständige arbeit mit allem drum und dran zum erfolg führen.

wie sieht denn für euch eine gesellschaft aus, die nicht die "New World Order" und nicht die bestehende ordnung ist?

 

13.05.2014 13:34
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Gigantische Kreditblasen bedrohen das Finanzsystem

 

 

 

Am Finanzmarkt ist wieder alles wie vor der Krise. Teilweise sind die Übertreibungen sogar schlimmer als jemals zuvor. Doch erneut schauen Investoren und Politiker weg – manche sogar bewusst.

Das Wort "Studentenkredit" versteht Wesley Lim nicht sofort. Dabei lehrt er derzeit als Gastprofessor Deutsch am Colorado College in Colorado Springs. Doch im Deutschen ist ihm der Begriff noch nie untergekommen. Wie auch, kaum ein Student nimmt hierzulande einen Kredit auf. Ganz anders dagegen in den USA. Daher weiß Lim beim Wort "student loan" sofort, worum es geht.

Schließlich hat der 32-Jährige während seiner Ausbildung selbst mehrere Zehntausend Dollar als Darlehen aufgenommen. So wie Millionen seiner Kommilitonen. Denn inzwischen ist es in den USA völlig normal, dass junge Menschen am Ende eines Studiums bis über beide Ohren verschuldet sind – und das summiert sich.

1100 Milliarden Dollar haben sich Studenten dort derzeit bei Banken geliehen. Das ist inzwischen mehr als sämtliche Amerikaner als Kreditkartenschulden oder für Autodarlehen aufgehäuft haben. "Das wird wirklich langsam ein Riesenproblem", sagt Ellen Zentner, Ökonomin bei der Investmentbank Morgan Stanley.

Überall auf der Welt entstehen neue Kreditblasen

Doch nicht nur unter Studenten und nicht nur in den USA ist das Schuldenmachen wieder en vogue. Überall auf der Welt sind neue gigantische Kredit- und Investitionsblasen entstanden. Vieles gleicht exakt der Lage vor der Finanzkrise. Und genau wie 2007 bröckelt an der einen oder anderen Stelle auch schon der Putz. Doch genau wie damals ziehen es die meisten Spieler im System vor, einfach stur weiterzumachen statt zu versuchen, die Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren.

Wahrscheinlich am leichtesten erkennbar ist die Blase am Londoner Immobilienmarkt. Katrin Wagner (Name von der Red. geändert) ist davon ganz direkt betroffen. "Schimmelige Wände und einfach verglaste Fenster, die oft nicht richtig schließen, sind für mich hier der Normalzustand", sagt die 30-jährige Studentin an der London School of Economics. Trotzdem ist das Wohnen nirgendwo so teuer wie in London.

Wagner lebt in einem neun Quadratmeter großen Zimmer im Londoner Stadtbezirk Islington. Dafür bezahlt sie umgerechnet 900 Euro im Monat. Noch. Denn im Herbst läuft der Mietvertrag aus, der in Großbritannien meist nur für ein Jahr geschlossen wird. Danach kann man einen neuen abschließen, aber nur mit einer saftigen Preiserhöhung. "Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent sind üblich", ist Wagners Erfahrung. Sie wird daher dann wohl in einen Außenbezirk ziehen müssen.

Londons Regierung heizt den Irrsinn an

Und was tut die Regierung? Sie heizt das Ganze noch an. Mit dem zwölf Milliarden Pfund (14,6 Milliarden Euro) schweren Programm "Help to buy" werden neuerdings junge Briten gefördert, die eine Immobilie kaufen wollen. Sie müssen nur noch fünf Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital beisteuern, 75 Prozent können sie auf Pump finanzieren. Die übrigen 20 Prozent übernimmt als eine Art Anteilseigner der Staat. Beim Verkauf der Immobilie wird er dafür an möglichen Gewinnen beteiligt. Aber auch an den Verlusten.

Das zeigte sofort Wirkung. Die Wirtschaft auf der Insel scheint wieder zu florieren. Doch bei genauerem Hinsehen nur aus einem einzigen Grund: Die Immobilienpreise explodieren wieder. So sind in den Londoner Stadtbezirken Southwark, Lambeth, Islington und Waltham in den vergangenen zwölf Monaten die Grundstückpreise um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Andrew Sentance, ehemaliges Mitglied des geldpolitischen Ausschuss der Bank of England, warnt daher eindringlich. Die Preise könnten durch die Kombination aus niedrigen Zinsen und politischen Unterstützungsprogrammen außer Kontrolle geraten.

Und auch Volkswirte sind beunruhigt. "Die Häuserpreise steigen unaufhörlich und der Immobilienmarkt droht zu überhitzen", schreiben die Experten der HSH Nordbank in einer aktuellen Analyse. "Das erinnert sehr an die Ursachen der Finanzkrise von 2008".

In China ist die Lage noch dramatischer

Ganz ähnlich ist die Lage in China. Der einzige Unterschied: Dort wird seit Jahren über die Immobilienblase geredet, und auch seit Jahren wird deren Platzen vorhergesagt. Doch passiert ist bislang wenig. Deshalb schenkt der Blase dort inzwischen auch kaum noch jemand Beachtung – doch genau das ist hier das Problem.

"Ich finde es erstaunlich, dass das China-Risiko von den meisten Ökonomen inzwischen meist nur noch am Rande erwähnt wird", sagt Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Denn die Immobilienpreise in China haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt, in vielen Städten sind sie sogar noch stärker gestiegen.

Peking ist inzwischen sogar die teuerste Stadt der Welt, wenn man das Verhältnis von Einkommen zu Immobilienpreisen betrachtet. Knapp 23 Jahresgehälter muss ein Chinese dort für den Kauf einer Wohnung aufwenden, sogar drei Mal mehr als ein Londoner.

Zudem aber droht dort nicht nur der Immobilienboom ein unrühmliches Ende zu nehmen. Gleichzeitig dräut am Horizont der Zusammenbruch eines gigantischen Schattenbanksystems. Denn in den vergangenen Jahren haben die Banken eine Parallelwelt aufgebaut.

Sie haben Tochtergesellschaften gegründet, die außerhalb der eigenen Bilanz agieren. Diese sammeln Geld bei Anlegern ein mit dem Versprechen besonders hoher Zinsen und vergeben damit dann wiederum Kredite. Die Summen, um die es hier geht, betragen inzwischen rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Weltweite Schulden betragen über 100 Billionen Dollar

So könnte man die Reise um die Welt fortsetzen, von der Immobilienblase in Dänemark über die Rohstoffblase in Australien bis zur Staatsschuldenblase in Japan. Allein dort ist der Schuldenberg inzwischen fast drei Mal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Weltweit, so schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), ist die kreditmarktfinanzierte Verschuldung seit 2007 um ein Drittel gestiegen, auf rund 100 Billionen Dollar.

Solche Unsummen kann sich kaum jemand vorstellen. Würde man jedoch 1-Dollar-Scheine nebeneinander legen, so müsste man ungefähr die Strecke zwischen der Sonne und der jetzigen Position der Raumsonde Voyager damit zupflastern, um auf den Betrag zu kommen. Voyager ist vor 36 Jahren gestartet und befindet sich derzeit rund 18,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

Und das deckt nur die kreditmarktfinanzierten Schulden ab. Hinzu kommen beispielsweise noch nicht verbriefte Schulden, Garantieleistungen, Bürgschaften, Zahlungsverpflichtungen für künftige Pensionen und vieles mehr. Um dies darzustellen, muss Voyager noch lange fliegen.

Gefährliche Finanzprodukte sind wieder in Mode

Doch es ist nicht nur die Summe der Schulden, die für Nervosität sorgen müsste. Ebenso erstaunlich ist, dass Investoren und Banken inzwischen wieder jede Vorsicht aufgeben. Das zeigt der Boom der vergangenen Jahre bei Internetaktien, die zu exorbitanten Preisen gehandelt werden, nur weil man sich irgendwann in ferner Zukunft das ganz große Geschäft erhofft. Der anstehende Börsengang des chinesischen Amazon-Pendants Alibaba ist gerade die nächste große Story, die alle elektrisiert.

Banken wiederum verteilen neuerdings wieder in großem Stil Kredite an Hedgefonds, damit diese mit dem Geld sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLOs) kaufen können. Damit werden Unternehmenskredite bezeichnet, die zusammengepackt und dann als Wertpapier verkauft werden. Diese Kredite liegen bislang bei den Banken und belasten die Bilanz. Werden sie als CLO verkauft, sind sie aus den Augen.

Daher bieten Banken, Händlern zufolge, oft acht Dollar Kredit für je zwei Dollar, die in die Papiere investiert werden, andere sprechen sogar von neun Dollar Kredit pro ein Dollar Investment. Die Risiken aus den Unternehmenskrediten sind damit aber natürlich nicht verschwunden. Sie sind nur irgendwo im Finanzsystem verstreut, und keiner weiß genau, wo.

Es ist alles genau wie vor der Finanzkrise

Besorgnis erregt auch die Entwicklung bei anderen gefährlichen Finanzprodukten. Sogenannte "Ramschanleihen", also Anleihen von Firmen mit schlechter Bonität, erleben derzeit einen wahren Ansturm. Schon 2013 betrug ihr Volumen 378 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie vor der Finanzkrise.

Ähnlich sieht es bei sogenannten "leveraged loans" aus. Dabei handelt es sich um zusätzliche Kredite an Firmen, die bereits hoch verschuldet sind. Diese Darlehen werden ebenfalls gebündelt und als Pakete verkauft. "Wertpapiere im Wert von 455 Milliarden Dollar wurden 2013 emittiert", schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem soeben veröffentlichten Bericht zur Finanzmarktstabilität dazu, "weit mehr als beim einstigen Hoch von 389 Milliarden Dollar 2007."

Einige Zeilen weiter warnt der IWF vor weiteren Kreditprodukten, die sich durch besonders lasche Bedingungen auszeichnen. Auch sie seien "im Kommen, so wie es vor der Finanzkrise war."

Verschiedentlich treten erste Risse auf

Die Ähnlichkeiten sind eindeutig. Und: Es tauchen auch schon wieder erste Risse auf. Beispielsweise in China, wo die Immobilieninvestitionen in mehreren Provinzen im ersten Quartal zurückgegangen sind, in zwei Provinzen sogar um mehr als ein Viertel.

Beispielsweise in den USA, wo inzwischen 11,5 Prozent der Studentenkredite nicht mehr bedient werden und damit praktisch ausgefallen sind. Beispielsweise im Technologiesektor, wo die Twitter-Aktie in der vergangenen Woche drastisch abstürzte, nachdem die Haltefrist für Altaktionäre ausgelaufen war. Diese wollten offenbar nur noch raus aus den Aktien.

Doch warum sieht niemand diese Anzeichen? Warum nimmt wenige Jahre nach der größten Finanzkrise seit 1929 niemand die Warnsignale wahr, obwohl vieles der Lage von 2007 gleicht?

Investoren machen trotz Gefahr weiter

Entlarvend ist ein Papier, das Strategen der Société Générale dieser Tage an ihre Kunden geschickt haben. "Der IWF und andere Institutionen schelten die Investoren dafür, dass diese von einer perfekten Welt ausgehen", schreiben sie darin. Sie listen dann all die Gefahren auf, die lauern, um zu erklären, dass sie daran nicht glauben.

Aber mehr noch. Sie fragen: "Selbst wenn wir mit Sicherheit von einer drohenden Überraschung wüssten, würden wir als Investoren dann heute anders agieren?" Sie geben eine klare Antwort: "Nein". Denn, so die etwas zynische Begründung, wer zu früh aussteige, der sei als Investor tot oder werde zumindest gefeuert.

"Daher werden wir weiter auf eine perfekte Welt spekulieren, aber mit einem nervösen Auge auf den Ausgang blicken, in der Hoffnung unter den Ersten zu sein, die den Absprung schaffen, wenn es Zeit dafür ist."

Und für all jene, die nicht rechtzeitig den Absprung schaffen, steht ja immer noch der Staat bereit, um sie aufzufangen, wie die letzte Finanzkrise alle gelehrt hat. Fragt sich nur, ob die Staaten das nächste Mal noch die Kraft dazu haben und ob die Bürger das noch einmal mitmachen.

http://www.welt.de/finanzen/article127929984/Gigantische-Kreditblasen-be...

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Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

20.11.2009 14:14
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wann geht es runter? tiefrot runter...

Es geht doch schon runter. Nur hat das noch keiner gemerkt:

Hier der SMI in Gold:

20.11.2009 13:01
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wann geht es runter? tiefrot runter...

Das ist allerdings nur mein Crash-Szenario! Erwarte allerdings fallende Kurse nächstes Jahr - nicht mit einem Crash zu verwechseln. Nur würde ein Crash viel tiefere Kurse bedeuten, da ich dann ein massives Überschiessen erwarte.

19.11.2009 21:57
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wann geht es runter? tiefrot runter...

@ Frischling

Und genau so sehe ich das auch. Mit dieser Einschätzung sind wir in allerbester Gesellschaft. ( Ronald Gehrt und Co., wie von rainii erwähnt ) Ich warte demnach nur bis die FED auf internationalen Druck in den nächsten 6-12 Monaten anfängt die Zinsen anheben zu müssen. Wenn dann der Druck ( Carry Trades ) plötzlich entweicht, dann ist es soweit.

Also ich für meinen Teil gehe voll in Deckung wenn sich Heli-Ben erdreisten sollte die Zinsen anzuheben, oder auch nur im geringsten eine diesbezügliche Andeutungen macht.

Gruss

Dr.Zock

Es ist leichter, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr maßzuhalten. ( Friedrich Nietzsche )

19.11.2009 21:49
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wann geht es runter? tiefrot runter...

Hallo Frischling, finde ich sehr überzeugend Dein Szenario, ähnelt den Ansichten vom zitierten R.Gehrt, könnte so kommen, ich hoffe aber erst nächstes Jahr...

19.11.2009 20:35
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wann geht es runter? tiefrot runter...

Ich denke einen Crash lässt sich nicht voraussagen. Im Prinzip kann sich doch aus jedem grösseren Sturz (so 3-5%) Panik auslösen und damit einen Crash. Oder durch einen Externen Schock, z.Bsp. die Pleite einer weiteren Grossbank.

Ich habe da mein Crash-Szenario: Ab nächstem Jahr sollten die Kurse sinken, weil die Börse zu weit der Wirtschaft voraus ist. Aber das werden nicht eintreffen (kleine Rücksetzer sa. 10-15% nicht ausgeschlossen), da zu viel billiges Geld vorhanden ist. Noch schlimmer sind die Carry-Trader und da vermute ich den Crash-Beginn. Ich vermute der Dollar wird weiter sinken, die Zinsen tief bleiben, die Carry-Trader vergrössern ihre Blase immer mehr. Aber eines Tages wird der Dollar steigen, das hat auch Berni nicht immer im Griff. Und schwupp unsere Carry-Trade haben die A-Karte gezogen und müssen verkaufen. Also beginnen vor allem in den Emergin-Markets die Kurse zu sinken. Unsere Carry-Trader verlieren noch mehr als nur durch die Dolllaraufwertung, sie müssen noch schneller verkaufen. Crash an diesen Börsen! Nachher werden durch Weltweite Panik auch die US-Börsen angesteckt!- oder die eingefahrenen Verluste schicken weitere Grossbanken in die Pleite, Resultat ebenso ein Crash.

19.11.2009 18:33
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ihr seit keine lieben schreiber

nein, denn ihr seit ja nur Leser!

:?

mag wirklich niemand eine Pognose oder eine Vermutung abgeben? Ist doch ein interessantes Thema?