Wirtschaftsprognosen

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09.06.2011 09:10
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Wirtschaftsprognosen

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Der Schwarze Schwan, Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse

Alle Schwäne sind weiss - davon waren die Europäer bis ins 17. Jahrhundert überzeugt. Dann wurde Australien entdeckt. Dort gibt es schwarze Schwäne - was keiner für möglich gehalten hatte, war auf einmal Realität. In seinem Bestseller zeigt Nassim Taleb: Extrem unwahrscheinliche Ereignisse - "Schwarze Schwäne" - gibt es viel häufiger, als wir denken. Und wir unterschätzen systematisch ihre gewaltigen Folgen. Der erstaunliche Erfolg von Google ist ein Schwarzer Schwan, die Terrorattacken vom 11. September 2001 und globale Finanzkrisen ebenso, aber auch der Siegeszug des Internets: Wer hätte damit allen Ernstes vorher gerechnet? Das Problem ist: Wir denken in schlüssigen Geschichten, verknüpfen Fakten zu einem stimmigen Bild, nehmen die Vergangenheit als Modell für die Zukunft. So schaffen wir uns eine Welt, in der wir uns zurechtfinden. Aber die Wirklichkeit ist anders: chaotisch, überraschend, unberechenbar. Die Folge: Börsengurus, die mit ihren Prognosen krass danebenliegen, und Risikomanager von Banken und Versicherungen, die hilflos mit den Achseln zucken, wenn wirklich etwas Unvorhergesehenes passiert. Wer weiss, dass es Schwarze Schwäne gibt, vertraut keinem Experten mehr. Nassim Taleb gilt als "Hauptdissident der Wall Street". Seine brillante Analyse öffnet die Augen für das, was eigentlich nie passieren dürfte - und was doch ständig geschieht.

http://www.weltbild.ch/3/15599615-1/buch/der-schwarze-schwan-die-macht-h...

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

07.01.2014 10:32
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Schwarze Schwäne erscheinen nie, wenn alle auf sie warten

Vor der Finanzkrise 2008 wollten die Experten nichts von Absturz wissen, nachher wurden viele zu Apokalyptikern. Was, wenn die Apokalypse ausbleibt?

Wäre der Euro zusammengebrochen und die EU implodiert, man hätte den Experten und Prognostikern ein Kränzchen winden müssen. Seit Jahren verkünden sie das nahe Ende. Es ist nicht eingetreten. Der europäische Patient ist auf dem Weg der Besserung.

Bei der Finanzkrise 2008 sah es in der Tat kritisch aus: Optimismus war damals angesagt, kaum jemand sah die grosse Schmelze voraus. Nassim Taleb war einer der wenigen, die es taten. Mit dem Bild vom schwarzen Schwan schuf er die passende Metapher für das kollektive Versagen: Das seltene Geschöpf steht für Katastrophen, die niemand kommen sieht und abzuwenden weiss, weil sie der Erfahrung und den Modellen widersprechen.

Der Crash 2008 stellte die Optimisten bloss und machte Schwarzseher wie Taleb und Nouriel Roubini zu Rockstars. Diese Erfahrung grub sich ins kollektive Gedächtnis der Wirtschaftsexperten. Als sich die europäische Währungskrise 2010 zuspitzte, wurden Griechenlands Exit und das Auseinanderbrechen des Euro wie Gewissheiten gehandelt. Die Frage war nicht mehr das Ob, nur noch das Wann.

Ausser Rand und Band

Ironischerweise führten die Lehren aus dem kollektiven Expertenversagen direkt ins nächste Versagen: Nicht nur die zu Pessimismus neigenden Soziologen, sondern auch die eher optimistischen Ökonomen sahen auf einmal schwarz. Der schwarze Schwan wurde zu einer Chiffre für eine aus den Fugen geratene Zeit. Das alleine hätte schon stutzig machen müssen.  :yes: Denn schwarze Schwäne erscheinen nie, wenn alle gebannt auf sie warten.

Der Crash der Finanzsysteme 2008, der fast die gesamte Realwirtschaft in den Abgrund riss, kam nach einer langen Phase, in der sich der Bankensektor in seiner Wachstumsdynamik immun gegen realwirtschaftliche Krisen zeigte. Umso heftiger erschütterte der Crash die Weltsicht der Öffentlichkeit wie der Experten. Auf den rauschhaften Optimismus folgte ein übersteigerter Pessimismus, der sich besonders in der Deutung der Eurokrise zeigte. Was Carl von Clausewitz für Kriege formulierte, gilt für Krisen generell: Jeder neuen wird zunächst mit dem Paradigma der letzten begegnet, ehe sie ihr eigenes prägt. So weit sind wir bei der Eurokrise noch nicht. Doch das Paradigma des Zusammenbruchs ist am Bröckeln und mit ihm seine Monumente.

Paul Krugman hat das pessimistische Paradigma nach 2008 wie kein anderer geprägt. Noch 2012 verkündete der Wirtschaftsnobelpreisträger in der «New York Times» die nahe «Apokalypse», das Ende des Euro liege «gleich um die Ecke». Der Verfechter gigantischer staatlicher Geldinfusionen stilisierte sich nach dem Crash nicht nur selber zum Unfehlbaren, er wurde in Europa von vielen klugen Köpfen auch als das gesehen. Die Krugman-Verehrung erinnerte an die Zeit vor der grossen Krise. Damals war es der US-Notenbankchef Alan Greenspan, der das herrschende Paradigma verkörperte: den Optimismus. Die gebildete Öffentlichkeit horchte gebannt auf die Verlautbarungen des «Orakels» – bis der Crash die alten Wahrheiten begrub.

Hartnäckige Apokalyptiker

Krugmans Vorteil ist, dass seine Voraussage eine pessimistische ist. Der Euro ist bisher nicht zusammengebrochen, aber wer sagt, dass er es nicht noch tut? Griechenland hat ihn nicht zu Fall gebracht, Italien auch nicht – doch nun gerät der französische Koloss in immer bedrohlichere Schieflage. Die Erfahrung zeigt: Das Ausbleiben der Apokalypse stimmt Apokalyptiker nicht um, sie verschieben einfach das Datum. Der Pessimismus stemmt sich hartnäckig gegen die Erfahrung. Es genügt ein plausibles Restrisiko, um ihn zu nähren. Der Optimismus hingegen muss sich Tag für Tag neu beweisen. Und die Erholung von der Krise ist schleichend, voller Rückschläge.

Das Warten auf den schwarzen Schwan wird so schnell nicht abgeblasen, allzu viele müssten ihr Versagen eingestehen. Doch schon jetzt wenden sich die Wendigeren unter den Euro-Pessimisten still und leise neuen Themen und Krisenherden zu. Am Schluss bleibt der harte Kern, der dem europäischen Projekt seit je mit Skepsis begegnete und sich von keinem schwarzen Schwan und auch keinem weissen davon abbringen lässt.

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