ABB, VAT Group und Co. - Diese Firmen kosteten Grossaktionäre viel Geld

Egal ob ABB, VAT Group oder Dufry - der cash Insider verrät, bei welchen bekannten Schweizer Unternehmen sich die Grossaktionäre dringend etwas einfallen lassen müssen.
24.12.2018 12:30
cash Insider
Diese Firmen kosteten Grossaktionäre viel Geld
Bild: fotolia.com

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Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachtstage im Beisein Ihrer Liebsten. Die Gelegenheit ist günstig, das Börsengeschehen mal über ein paar Tage hinweg das Börsengeschehen sein zu lassen und sich auf die schönen und wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

Die nächste Kolumne erscheint am Donnerstag, den 27. Dezember 2018, wie gewohnt um 12.30 Uhr.

Herzlichst,

der cash Insider

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Cevian Capital und Artisan Partners scheinen bei ABB am Ziel angelangt: Nach Jahren des verbalen Schlagabtauschs mit dem Verwaltungsrat des Industriekonzerns aus Zürich lenkt dieser endlich ein und verkauft 80,1 Prozent des Stromnetzgeschäfts an das japanische Partnerunternehmen Hitachi. Mit dem Verkaufserlös sollen - auch das dürfte ganz nach dem Gusto der beiden Grossaktionäre sein - eigene Aktien in Milliardenhöhe zurückgekauft werden.

Einziger Schönheitsfehler: Der Kurs der Aktie stieg in den letzten Tagen nicht, er fiel. Und das mit zuletzt 18,60 Franken auf den tiefsten Stand seit dem Frühling vor zwei Jahren. Als sich Cevian Capital ein Jahr zuvor mit 3,1 Prozent bei ABB eingekauft und die Beteiligung in den darauffolgenden Wochen auf 5,1 Prozent ausgebaut hatte, kostete eine Aktie noch knapp 21 Franken. Ohne das Stromnetzgeschäft sei die Aktie quasi über Nacht bis zu 35 Franken wert, so pries der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen berüchtigte Finanzinvestor seine Pläne damals an. Eine grobe Fehleinschätzung, wie sich nun herausstellt.

Spätestens jetzt dürfte bei Cevian Capital und Artisan Partners wohl der letzte Funken Hoffnung auf das schnelle Geld erloschen sein. Mit der Abspaltung des Stromnetzgeschäfts entscheidet wieder das Tagesgeschäft über die Kursentwicklung. Dank dem Vertreter im Verwaltungsrat dürfte Cevian Capital nur zu gut wissen, wie es um das Tagesgeschäft steht. Alle übrigen Aktionäre müssen sich noch bis zum 28. Februar in Geduld üben. Erst dann wird ABB nämlich das Jahresergebnis vorlegen.

Bestenfalls ein Nullsummenspiel: Kursentwicklung der Aktien von ABB (rot) und Panalpina (grün) über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Die beiden Finanzinvestoren müssen schon ziemlich überzeugende, neue Pläne vorlegen, wollen sie den Aktien wieder Leben einhauchen. Dasselbe liesse sich bei Panalpina sagen. Auch beim Luftfrachtspezialisten aus Basel kommen Cevian Capital und Artisan Partners auf keinen grünen Zweig.

Apropos Basel: Seit Freitag ist bekannt, dass GIC beim Reisedetailhändler Dufry kräftig Aktien zugekauft hat. Mit gut 8 Prozent war das eine zweier Beteiligungsvehikel des Stadtstaats Singapur einst grösste Einzelaktionärin. Dann verkaufte es das Paket in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an den chinesischen Mischkonzern HNA.

Seit September ist GIC wieder mit an Bord. Die ersten 3,1 Prozent der ausstehenden Aktien hatte der Grossaktionär noch zu Kursen von 120 Franken oder mehr am Markt gesammelt, die darüber hinausgehenden Aktien bis zu den zuletzt gemeldeten 5,1 Prozent hingegen zu Kursen unter 100 Franken.

Anders als die Beteiligung von Richemont - auch der Genfer Luxusgüterhersteller ist mit 7,5 Prozent an Dufry beteiligt - scheint jene von GIC nicht strategischen, sondern rein finanziellen Charakter zu haben. Doch will der Staatsfonds Geld verdienen, müssen die Aktien erst einmal die Kursverluste der letzten Wochen wieder wettmachen.

Auch bei Veraison dürfte man sich den Einstieg bei Comet etwas anders vorgestellt haben.

Der Vermögensverwalter findet sich nämlich bei Comet in einer sehr ähnlichen Situation wieder. Ebenfalls im September mit 3,2 Prozent beim Halbleiterzulieferer aus Flamatt eingestiegen, hält Veraison mittlerweile sogar 7,3 Prozent der ausstehenden Aktien. Wie im hiesigen Berufshandel gemunkelt wird, liegt der Einstandspreis irgendwo zwischen 90 und 95 Franken je Aktie und damit deutlich über den aktuellen Kursen.

Veraison fordert eine Verschlankung von vier auf drei Geschäftsfelder sowie die Wahl des früher für die VAT Group tätigen Heinz Kundert an die Spitze des Verwaltungsrats. Comet selbst versperrt sich beidem und stellt seinerseits den Branchenkenner Christoph Kutter zur Wahl auf.

Die Aktien von Comet haben in den letzten drei Wochen deutlich an Wert verloren (Quelle: www.cash.ch)

Da Veraison auf die Unterstützung anderer bedeutender Aktionäre wie etwa der Genfer Privatbank Pictet & Cie zählen kann, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Den Nachfrageschwankungen bei den Kunden aus der Halbleiterindustrie kann sich das Unternehmen dennoch nicht entziehen.

Ein Lied davon dürfte auch der Medizinaltechnik-Pionier Rudolf Maag zu singen wissen. Seit der öffentlichkeitsscheue Milliardär vor gut einem Jahr mit 10 Prozent bei der VAT Group eingestiegen ist, hat der Vakuumventilehersteller aus dem Rheintal gut einen Drittel an Börsenwert verloren. Auch dieses Unternehmen ist den rauhen Witterungsbedingungen in der Halbleiterindustrie ausgesetzt.

Mit Implenia kotete Maag eine weitere für ihn branchenfremde Beteiligung zuletzt viel Geld. Hausgemachte Probleme liessen den Kurs der Aktien des Infrastrukturspezialisten seit Mitte August um fast 60 Prozent einbrechen. Mit einer schnellen Lösung der Probleme ist aus heutiger Sicht wohl nicht zu rechnen.

Zu einem Totalabsturz kam es bei GAM. Nicht weniger als 75 Prozent haben die Aktien des Vermögensverwalters in diesem Jahr eingebüsst. Immer mit an Bord: Der langjährige Grossaktionär Silchester International mit seinen gut 15 Prozent am Aktienkapital. Nach der Suspendierung eines bekannten Fondsmanagers aufgrund von Verstössen gegen das Risikomanagement zogen Kunden bei GAM Gelder in Milliardenhöhe ab. Das zwang das Unternehmen erst vor wenigen Wochen zu einer Gewinnwarnung, einem ausserordentlichen Goodwill-Abschreiber sowie zu einem Dividendenverzicht. Die Probleme sitzen tief und sind so schnell wohl nicht zu lösen.

Die Erkenntnis, dass auch Grossinvestoren vom Kaliber eines Rudolf Maag nicht vor Börsenverlusten gefeit und kein Erfolgsgarant für die Mitaktionäre sind, mag für den versierten Privatanleger nach den Kursverwerfungen der letzten Wochen bloss ein schwacher Trost sein. Wer ebenfalls bei Comet, ABB und Co. investiert ist, darf wenigstens hoffen, dass die bedeutenden Aktionäre ihre Verantwortung wahrnehmen und diese Unternehmen zu Veränderungen drängen. Wer den Mut, Geduld und etwas "Spielgeld" aufbringt, kann bei solchen Firmen - am besten breit gestreut - auf eine Kurserholung wetten. Denn nicht wenige der genannten Aktien wurden zuletzt zu sehr abgestraft.

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