ABB vor grösserem Investitionsschub?

Citigroup wähnt ABB vor einem einträglichen Investitionsschub - kreditfinanzierte Aktienkäufe auf Rekordhoch - Und: Das bedeuten die Anpassungen zwischen Basilea und Astellas für die Aktionäre.
04.03.2014 12:30
cash Insider
ABB vor grösserem Investitionsschub?

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Schon seit Jahren erweist sich das Strominfrastrukturgeschäft als Klotz an den Füssen von ABB. Mit der Stabsübergabe von CEO Joe Hogan an seinen Nachfolger Ulrich Spiesshofer wurden deshalb Forderungen laut, man solle sich doch von diesem Geschäftszweig trennen. Doch auch unter dem zuvor für die Division Industrieautomation und Antriebe verantwortlichen Spiesshofer macht das Unternehmen keine solchen Anstalten.

Und das aus gutem Grund, zumindest wenn es nach der Analystin der Citigroup geht. In einer Branchenstudie stuft sie die Namenaktien von ABB in Erwartung eines Investitionsschubs im Strominfrastrukturgeschäft von «Neutral» auf «Buy» hoch. Das Kursziel wird neu mit 25 (22) Franken angegeben.

Die Auftragslage der Division Power Products bleibe auf kurze Sicht zwar mit Unsicherheiten verbunden. Über die kommenden zwei Jahre werde sich der Ausblick in diesem Geschäftszweig allerdings spürbar aufhellen, so die Vorhersage der Analystin.

Im Sommer werde im Schlüsselmarkt Deutschland über die Zukunft der dortigen Energiewende entschieden und damit über die Gewinner der zukünftigen Politik. Als Weltmarktführer in der Infrastruktur zur Stromübertragung und –verteilung mit einem Ergebnisbeitrag von 34 Prozent in der Division Power Products und 28 Prozent in der Division Power Systems verfüge ABB über eine vergleichsweise gute Ausgangslage.

Doch auch darüber hinaus macht die Analystin der Citigroup ermutigende Anhaltspunkte im Strominfrastrukturgeschäft des Unternehmens aus. Der Gegenwind habe im Laufe des letzten Jahres nachgelassen. ABB habe einige grössere Aufträge für sich entscheiden und Fortschritte bei der Preisgestaltung erreichen können. Nachforschungen in den Absatzmärkten würden auf weitere Verbesserungen hindeuten.

Auf strategische Rundumschläge warteten die Aktionäre von ABB bisweilen vergebens. Nicht zuletzt deshalb sind sie darauf angewiesen, dass bei den Sorgenkindern Power Systems und Power Products endlich wieder ein Investitionsschub einsetzt.

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Die Anleger können vorerst aufatmen. Der amerikanische Aktienmarkt ging vergangene Nacht zwar tiefer aus dem Handel, ein geopolitisch motivierter Absturz blieb glücklicherweise jedoch aus. In der Folge berichten mir Händler auch hierzulande von gezielten Gelegenheitskäufen.

Dass amerikanische Investoren immer häufiger Aktien auf Kredit kaufen, ist zumindest in unseren Breitengraden kaum ein Thema. Einem Kommentar von Stifel Nicolaus entnehme ich, dass die Summe der auf Kredit getätigten Aktienkäufe Ende Januar bei 451 Milliarden Dollar angekommen ist. Die Summe liege um rund 20 Prozent über dem Vorjahr und mittlerweile deutlich über ihrem bisherigen Rekordwert von 381 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2007.

Ich habe an dieser Stelle schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass bei amerikanischen Investoren Aktienwetten auf Pump wieder voll im Trend sind. Meines Erachtens ist diese Entwicklung besorgniserregend. Denn sollte die Stimmung in Übersee irgendwann einmal kippen, werden diese Engagements zu einer Hypothek für den dortigen Aktienmarkt.

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Seit Freitag ist bekannt, dass Basilea die Zusammenarbeit mit Astellas beim Pilzmedikament Isavuconazol neu aushandeln konnte. In Analystenkreisen wurden die Anpassungen zwar grundsätzlich begrüsst. Was diese für die Aktionäre des Basler Pharmaunternehmens genau bedeuten, war allerdings nirgendwo zu lesen.

Das muss sich auch der für Helvea tätige Experte gedacht haben, geht er in einem Kommentar doch sehr detailliert auf die Folgen für die Firma und ihre Aktionäre ein.

Während die Vertriebsrechte für Nordamerika bei Astellas bleiben, übernimmt Basilea die in allen anderen Ländern und Regionen. Im Gegenzug verzichtet das Unternehmen ausserhalb Nordamerikas auf Meilensteinzahlungen im Umfang von bis zu 104 Millionen Franken und Lizenzzahlungen von gut 20 Prozent des Umsatzes, so der Experte.

Basilea werde voraussichtlich eine eigene Vertriebsstruktur aufbauen und sich die Synergien zwischen Isavuconazol und dem Antibiotikum Ceftobiprole zunutze machen. Denn je nach Land überschneide sich der Vertrieb der beiden Medikamente zu 60 bis 80 Prozent.

Der Experte zeigt sichtlich Gefallen an den neuen Bedingungen der Zusammenarbeit. Mit diesen sei es dem Unternehmen zumindest auf lange Sicht möglich, mit den Synergien zwischen Isavuconazol und Ceftobiprole zusätzliche Aktionärswerte zu schaffen. Bei Helvea werden die Aktien von Basilea weiterhin mit einem Kursziel von 140 Franken zum Kauf empfohlen.

Dass die Papiere seit Freitag dennoch einen schweren Stand haben, ist nicht zuletzt mit der gedämpften Übernahmefantasie zu erklären. Astellas wurde in den letzten Jahren immer wieder ein Interesse an Basilea nachgesagt. Dass die Zusammenarbeit bei Isavuconazol auf neue Beine gestellt wurde, spricht jedoch gegen eine unmittelbar bevorstehende Übernahme durch das japanische Partnerunternehmen.

Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. So will es zumindest eine alte Weisheit. Gelingt Basilea jedoch wie schon anderen Mitbewerbern zuvor die Transformation zum vollintegrierten Pharmaunternehmen, dann wird sich das mit etwas Geduld auch für die Aktionäre ausbezahlt machen.