Absurde Verschwörungstheorien um Sunrise

Freenet und Allianz sollen beim Mobilfunkkonzern Sunrise gemeinsame Sache machen - Widersprüche bei Helvetia - Bei der CS wird der Rotstift angesetzt - Und: Analystin rät davon ab, Syngenta-Aktien anzudienen.
31.03.2016 12:30
cash Insider
Absurde Verschwörungstheorien um Sunrise

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Wenige Wochen ist es her, dass der bisherige Schlüsselaktionär CVC Capital Partners seine an Sunrise Communications gehaltene Beteiligung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an den deutschen Mobilfunkkonzern Freenet verkauft hat.

Das liess den Aktienkurs zeitweise über den ursprünglichen Emissionspreis von 68 Franken klettern, was auch die Allianz gefreut haben dürfte. Seit der Publikumsöffnung im Februar letzten Jahres gilt der Versicherungskonzern als "Grossaktionär der ersten Stunde".

Die dividendenstarken Aktien der Nummer zwei im Mobilfunkmarkt Schweiz haben es der Allianz sichtlich angetan. Nur so lässt sich erklären, weshalb diese ihre Beteiligung kontinuierlich ausgebaut hat. Wie einer heutigen Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, vereint der Versicherungskonzern mittlerweile 10 Prozent der Stimmen auf sich.

Dass die beiden grössten Aktionäre beide aus Deutschland stammen, führt im hiesigen Berufshandel zu absurden Verschwörungstheorien. Machen der neue Schlüsselaktionär Freenet und die Allianz gemeinsame Sache und zieht sich die Schlinge um den hiesigen Mobilfunkanbieter zusammen?, so fragt man sich neuerdings. Einige Händler gehen sogar noch einen Schritt weiter und sehen auch Goldman Sachs eine Rolle in diesem Spiel einnehmen. Erst gestern bescherte die vermutlich mächtigste Investmentbank der Welt den Aktien von Sunrise Communications einen Kurseinbruch. Das Schöne an solchen Hirngespinsten ist, dass diese für gewöhnlich auch solche bleiben.

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Erst wenige Monate im Amt, sorgt Pierin Vincenz beim Versicherungskonzerns Helvetia bereits für rote Köpfe. Denn in einem Interview mit der Finanz & Wirtschaft widerspricht der neue Verwaltungsratspräsident früheren Aussagen seines Konzernchefs Stefan Loacker.

Das zumindest schreibt der für die MainFirst Bank tätige und als Koryphäe auf seinem Gebiet bekannte Versicherungsanalyst. Vincenz vertrete den Standpunkt, dem Margendruck nur mit Volumenwachstum und Firmenübernahmen Herr werden zu können. Diesbezüglich habe sich Loacker anlässlich einer Road-Show vor Investoren sehr viel entspannter geäussert, so ist dem mir zugespielten Kommentar zu entnehmen. Bei der MainFirst Bank vertritt man weiterhin die Meinung, dass Helvetia über die nächsten 18 Monate keine grösseren Übernahmen tätigen wird.

Auch was die Dividendenpolitik anbetrifft, macht der Versicherungsanalyst Diskrepanzen zwischen den Aussagen der beiden Firmenvertreter aus. So stellt der Verwaltungsratspräsident den Anteilseignern für die nächsten fünf Jahre eine Kapitalrückführung von rund 100 Franken je Aktie in Aussicht. Das entspräche mehr oder weniger einer stabilen Dividende. Fragte man Loacker, war bis zuletzt von einer graduellen Steigerung die Rede. Bei der MainFirst Bank ging man denn auch von einer Kapitalrückführung von 117 Franken je Aktie über die kommenden fünf Jahre aus.

Etwas mehr "Unité de doctrine" würde Pierin Vincenz gut tun. Noch scheint die Kommunikation zwischen Konzernchef Loacker und seinem Verwaltungsratspräsidenten schlecht abgestimmt.

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Die Aktien der Credit Suisse setzen die jüngste Talfahrt heute ungebremst fort. Öl ins Feuer giesst J.P. Morgan. Um nicht weniger als 50 Prozent streichen die Amerikaner ihre diesjährigen Gewinnschätzungen für die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken zusammen. Auch jene für das kommende Jahr werden prozentual zweistelligen Abwärtsrevisionen unterzogen.

Interessant ist, dass man J.P. Morgan dennoch am 16 Franken lautenden Kursziel für die mit "Neutral" eingestuften Aktien festhält.

Wenn Prognosen sprechen könnten, würden jene der amerikanischen Grossbank schreien. Wie die heutige Kursreaktion vermuten lässt, bleibt dieser Schrei zumindest an der Börse nicht ungehört.

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Seit gut einer Woche können die Anteilseigner von Syngenta der China National Chemical Company, kurz ChemChina, ihre Aktien andienen. Nach dem monatelangen Wechselbad der Gefühle, der Verwaltungsrat hatte zuvor den amerikanischen Rivalen Monsanto mehrmals abblitzen lassen, werden viele von ihnen verständlicherweise vom Angebot Gebrauch machen.

In einem Kommentar rät die für J. Safra Sarasin tätige Analystin nun aber überraschend davon ab, die Aktien voreilig anzudienen. Der Grund: Obschon sie sich nicht darauf verlässt, schliesst die Expertin ein noch grosszügigeres Gegenangebot durch Monsanto oder BASF nicht kategorisch aus. Dieses wiederum ginge an den Aktionären vorüber, die ihre Aktien bereits angedient haben.

Die Übernahme durch ChemChina wird immer mehr zur Geduldsprobe für die in den letzten Jahren nicht gerade erfolgsverwöhnten Anteilseigner von Syngenta. Die Angebotsfrist läuft am 23. Mai aus. Ein Gegenangebot seitens von Monsanto wäre alleine schon deshalb eine feine Sache, weil sich in den USA politischer Widerstand gegen die geplante Übernahme des Basler Agrarchemieherstellers durch ein chinesisches Staatsunternehmen regt.
 

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