Adecco zieht die «Dividenden-Karte»

Aussagen von Adecco anlässlich einer Road-Show wecken Fantasien - Goldman Sachs nennt einen neuen Übernahmekandidaten aus der Schweiz - Und: Scheidet die Credit Suisse aus einem viel beachteten Aktienindex aus?
16.06.2016 12:30
cash Insider
Adecco zieht die «Dividenden-Karte»
Bild: fotolia.com

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Seit dem Rücktritt von Konzernchef Patrick de Maeseneire und seinem langjährigen Finanzchef Dominik de Daniel scheint Adecco das Glück des Tüchtigen verlassen zu haben. Wenige Monate nach der Rochade an der Spitze des Personalvermittlungskonzerns kappten die beiden Nachfolger Alain Dehaze und Hans
Ploos van Amstel das langjährige Margenziel.

Doch nicht nur bei den Margen, auch bei der organischen Umsatzentwicklung müssen die Aktionäre in Zukunft kleinere Brötchen backen. Spätestens seit der Quartalsergebnispräsentation steht nämlich fest, dass sich das organische Wachstum weiter verlangsamt hat.

Das bleibt nicht ohne Folgen für die einst beliebten Aktien von Adecco. Nur noch wenige Franken trennen diese von den Mehrjahrestiefstkursen vom Februar, was auch den Firmenvertretern nicht verborgen geblieben sein dürfte.

Denn nur so lässt sich erklären, weshalb Finanzchef Hans Ploos van Amstel an einer von Barclays Capital organisierten Investorenkonferenz im kalifornischen Napa indirekt eine Sonderdividende oder ein Aktienrückkaufprogramm andeutete. Dem Konferenzveranstalter zufolge könnten im kommenden Jahr 500 Millionen Euro den Weg zurück zu den Aktionären finden. Wie die britische Grossbank in einem Kommentar schreibt, trägt die Börse diesem Umstand bislang keine Rechnung. Der Autor empfiehlt die Aktien deshalb weiterhin mit "Overweight" und einem optisch hohen Kursziel von 75 Franken zum Kauf.

Auf Basis der bankeigenen Schätzungen für den diesjährigen freien Cash Flow errechnet sich eine Rendite von 9 Prozent. Soviel könnte der Stellenvermittler bestenfalls Ausschütten, ohne auf seine Substanz zurückgreifen zu müssen. Da mutet die aktuell bei 4,4 Prozent liegende Dividendenrendite geradezu bescheiden an.

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Schon seit Jahren müssen bei uns am Schweizer Aktienmarkt immer wieder dieselben Unternehmen als mögliche Übernahmeziele herhalten. Im Biotechnologiesektor sind dies beispielsweise Basilea oder Actelion, bei den Chemieherstellern Clariant.

Einen neuen Namen bringen nun die Strategen von Goldman Sachs ins Spiel. Sie setzen die Immobilienbeteiligungsgesellschaft PSP Swiss Property auf die 124 Unternehmen starke M&A-Liste.

Die Experten begründen dies einerseits mit dem Bewertungsabschlag gegenüber dem Nettoinventarwerts und andererseits mit den sich einem industriellen Käufer bietenden Kostensynergien.

Aus Schweizer Sicht finden sich neben PSP Swiss Property übrigens auch Temenos, Sunrise Communications, Actelion, Sonova, DKSH und Panalpina auf der besagten Liste. Auch bei Sonova und DKSH handelt es sich um selten bis nie genannte Unternehmen.

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"Auch das noch!", dürften sich die leidgeplagten Aktionäre der Credit Suisse jetzt sagen. Nachdem oder besser gesagt gerade weil sich bei ihnen seit Jahresbeginn Kursverluste von knapp 50 Prozent aufgestaut haben, müssen sie jetzt einmal mehr stark sein.

Denn nun drohen die Aktien der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken auch noch aus dem Stoxx Europe 50 Index auszuscheiden. Diese Befürchtung äussert heute ausgerechnet die Commerzbank, lange Zeit das Sorgenkind unter den deutschen Kreditinstituten. Ein Ausscheiden aus diesem viel beachteten Börsenbarometer würde wiederum indexorientierte Grossinvestoren, Indexfonds und Anbieter strukturierter Produkte zum Verkauf ihrer Engagements zwingen und den jüngsten Kurszerfall weiter anheizen.

Die Firmenvertreter der Credit Suisse sind gefordert. Schliesslich sagt die Aktienkursentwicklung eines börsengehandelten Unternehmens einiges über dessen Gesundheit aus. Zumindest gefühlt liegt die Schweizer Grossbank schon seit Tagen auf der Intensiv-Station.
 

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