Aggressive Kaufempfehlung - Credit Suisse setzt jetzt erst recht auf Nebenwerte

Auch in der Schweiz rät die Grossbank Credit Suisse ihrer Kundschaft zum Zukauf von Nebenwerten - Und: Der neue Grossaktionär von Leonteq verramscht eine andere Firmenbeteiligung.
04.05.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse setzt jetzt erst recht auf Nebenwerte
Bild: fotolia.com

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Wer auf Wachstumsaktien setzen will, findet in New York geradezu paradiesische Zustände vor. Über die Jahre sind beliebte Vertreter aus diesem zukunftsträchtigen Marktsegment wie Facebook, Amazon.com, Netflix oder Google zu milliardenschweren Grosskonzernen herangewachsen.

Anders bei uns am Schweizer Aktienmarkt: Nach dem Ausscheiden von Actelion aus dem Swiss Market Index (SMI) fällt nicht eines der 20 darin berücksichtigten Unternehmen in die Kategorie der Wachstumsaktien.

Die drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis gelten als träge. Sie sind beim SMI für mehr als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Bei Versicherungsunternehmen wie Swiss Life, Swiss Re oder der Zurich Insurance Group gilt zumindest der Heimmarkt Schweiz als gesättigt und die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse unterliegen starken Ertragsschwankungen.

Mächtige ausländische Grossinvestoren müssen deshalb genauso wie ihre hiesigen Gegenspieler auf Unternehmen aus der zweiten und dritten Linie ausweichen. Mit diesen Aktien liess sich in den letzten Jahren mitunter sehr viel Geld verdienen.

Zum Vergleich: Während der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) in den vergangenen fünf Jahren um knapp 80 Prozent zulegen konnte, hat sich der Unterindex für kleine Unternehmen (SSCI) mehr als verdoppelt. Nahezu auf eine Verdreifachung blickt der Unterindex für mittelgrosse Unternehmen (SMCI) zurück. In den letzten Wochen schossen diese beiden Börsenbarometer exponenziell nach oben.

Das hält die Aktienstrategen der Credit Suisse allerdings nicht davon ab, jetzt erst recht auf Nebenwerte zu setzen. In einem mir aus London zugespielten Strategiepapier legen sie der eigenen Anlagekundschaft den Kauf von Aktien kleiner Unternehmen aus Europa ans Herz.

Die Unterindizes für kleine (rot) und mittelgrosse (grün) Aktien aus der Schweiz im 12-Monats-Vergleich zum SPI (violett) (Quelle: www.cash.ch)

Neben den Valoren des bekannten Risikokapitalspezialisten Partners Group werden auch jene des Schaffhauser Traditionsunternehmens Georg Fischer namentlich erwähnt.

Wäre das Börsengeschehen ein Pokerspiel, die Schweizer Grossbank würde im übertragenen Sinn ihren ganzen Einsatz in die Tischmitte schieben.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, bleibe ich dabei: Wenn sich starke Kursausschläge häufen (siehe Kolumne vom 20. April), die Leerverkäufer reihenweise ihre Handtücher werfen (siehe Kolumne vom 22. März), immer abstrusere Spekulationen um sich greifen (siehe Kolumne vom 27. April) und sich die Analysten gegenseitig mit abenteuerlich anmutenden Kaufempfehlungen überbieten (siehe Kolumne vom 25. April), dann ist eine mehrjährige Aufwärtsbewegung meist ziemlich weit fortgeschritten.

Das gilt bei uns am Schweizer Aktienmarkt weniger für die seit einer gefühlten Ewigkeit vernachlässigten Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, als vielmehr für die heissgelaufenen Nebenwerten.

Die Frage ist deshalb nicht ob, sondern viel eher wann dieser ungebändigte Höhenflug in Tränen endet.

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Vor ziemlich genau einer Woche berichtete ich an dieser Stelle von auffälligen Derivatkäufen auf die Aktien von Leonteq, und schrieb, dass das Warten auf einen Beteiligungsausbau durch Rainer-Marc Frey schon bald ein Ende haben könnte (siehe Kolumne vom 27. April).

Seither ist das Kaufinteresse in den Warrants LEOUJB, WLEA4V und LEFFJB zwar etwas abgeebbt. Die gestern bekanntgewordene Beteiligungsreduktion des Hedgefonds-Pionier und ehemaligen UBS-Verwaltungsrat beim Spezialitätenchemiehersteller Siegfried spricht allerdings eine unmissverständliche Sprache: Hier verramscht jemand eine andere Firmenbeteiligung, um womöglich Mittel für einen Beteiligungsausbau bei Leonteq freizumachen.

Mitte März kaufte sich Frey mit 6,37 Prozent beim Anbieter strukturierter Produkte ein. Meldepflichtig wird er erst mit dem Überschreiten der 10-Prozent-Hürde. So sieht es unser Börsengesetz vor.

Seit zwei Wochen kommt wieder Bewegung in die Aktien von Leonteq (Quelle: www.cash.ch)

Was den Hedgefonds-Pionier zu seinem Engagement bewogen hat, will sich mir noch immer nicht so recht erschliessen. Nach mehreren Ergebnisenttäuschungen und der unglücklichen Gewinnwarnung vom vergangenen Dezember droht im laufenden Jahr im ungünstigsten Fall sogar ein Verlust.

Zuvor hatte sich schon der für seine aktive Einflussnahme bekannte Vermögensverwalter Veraison die Finger an Leonteq verbrannt und einen zweistelligen Millionenbetrag in den Sand gesetzt. Was für Pläne Frey im Gepäck hat, darüber lässt sich bloss spekulieren. Dennoch hätte ein substanzieller Beteiligungsausbau durch den ehemaligen UBS-Verwaltungsrat Signalwirkung für die Börse.

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