Aktie der Stunde - Anlegerliebling AMS schafft den Sprung über 100 Franken

Die Hintergründe zum nicht enden wollenden Höhenflug der Aktien von AMS - Und: Wilde Spekulationen rund um eine strategische Beteiligungsnahme Saudi-Arabiens bei der Credit Suisse.
22.11.2017 12:30
cash Insider
Anlegerliebling AMS schafft den Sprung über 100 Franken
Bild: fotolia.com

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Wenn hierzulande eine Aktie das Prädikat "Aktie der Stunde" verdient hat, dann ist es die des Sensorenherstellers AMS. Egal ob glückliche Fügung oder knallhartes Kalkül - der Zulieferer des amerikanischen Kultunternehmens Apple ist an der Börse heute fast viermal so viel wert wie noch zu Jahresbeginn. Dass AMS im österreichischen Unterpremstätten zu Hause ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Aus Schweizer Sicht bestenfalls ein kleiner Schönheitsfehler, mehr nicht.

Gestern stiessen die Valoren des Sensorenherstellers erstmals in der Firmengeschichte auf über 100 Franken vor. Als treibende Kraft erwiesen sich Berichte, wonach erste Anbieter von Android-Smartphones dem Beispiel von Apple folgen und ihre zukünftigen Gerätegenerationen mit 3D-Sensoren ausstatten dürften. Namhafte Leerverkäufer hätten daraufhin die Nerven verloren, so verlautete aus London.

Den Aktien von AMS glückt der Sprung auf über 100 Franken gleich im ersten Anlauf (www.cash.ch).

Dass sich die Titelverkäufe durch Mitglieder der Geschäftsleitung von AMS häufen, scheint hingegen kaum jemanden zu stören. Wie Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX verraten, trennten sich ein oder mehrere Geschäftsleitungsmitglieder seit Monatsbeginn von etwas mehr als 111'000 Aktien im Gegenwert von 8 Millionen Franken. Dem steht bisweilen ein einziger Kauf von 100'000 Bezugsrechten im Gegenwert von 1,8 Millionen Franken gegenüber.

Ähnliche Transaktionen waren übrigens schon vor einem Jahr zu beobachten, was damals in Verbindung mit dem Beteiligungsprogramm für Personen aus der Geschäftsleitung gebracht wurde. Rückblickend hatten die Transaktionen keine Signalwirkung - ganz im Gegenteil...

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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman kehrt mit eisernem Besen. Nachdem er mit anderen Nachbarstaaten eine Allianz gegen den Iran geschlossen sowie Katar der Terrorfinanzierung bezichtigt und mit einem Wirtschaftsembargo belegt hat, macht der Kronprinz bei seiner Reformagenda "Vision 2030" vorwärts.

Im Kampf gegen die Korruption im eigenen Land liess bin Salman vor gut zwei Wochen mehr als 200 Mitglieder der königlichen Familie, Minister und Geschäftsleute festnehmen. Wer bereit ist, einen Grossteil seiner Vermögenswerte dem Staat zu überschreiben, kann sich freikaufen. Auf diese Weise könnten bis zu 50 Milliarden Dollar in die leere Staatskasse fliessen.

Dass ein zweistelliger Milliardenbetrag in strategische Firmenbeteiligungen im Ausland fliessen wird, gilt als wahrscheinlich. So überrascht es nicht, dass die britische "Financial Times" erst vor wenigen Tagen über einen Einstieg Saudi-Arabiens bei der Credit Suisse spekulierte. Von einem Investment von bis zu einer Milliarde Dollar war dabei die Rede, was zu heutigen Kursen einem 2,5-Prozent-Paket entsprechen würde.

Im Grossaktionariat der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken würden die Saudis allerdings nicht nur auf die heimische Olayan Group sondern auch auf das ungeliebte Katar stossen, das mit knapp 5 Prozent beteiligt ist und darüber hinaus auf gutverzinsten Pflichtwandelanleihen sitzt.

Dass neben der UBS auch der Credit Suisse eine tragende Rolle beim geschichtsträchtigen Börsengang des saudischen Mineralölkonzerns Aramco nachgesagt wird, scheint den Spekulationen einen gewissen Nachdruck zu verleihen.

Die Aktien der Credit Suisse (rot) lassen jene der UBS (grün) seit Monaten weit hinter sich (Quelle: www.cash.ch).

Denn alleine schon das Volumen - geplant ist die Platzierung von 5 Prozent an der Firma für 100 Milliarden Dollar - könnte bei den beiden Schweizer Grossbanken kräftig die Kassen klingeln lassen.

Und auch wenn die Grossbank selber auf Anfrage jegliche Gespräche mit Saudi-Arabien dementiert, gilt: Wo Rauch ist, ist für gewöhnlich auch Feuer.

In jedem Fall das Nachsehen haben amerikanische Leerverkäufer. Sie setzen bei der Credit Suisse mit nicht weniger als 5,6 Millionen der in New York gehandelten American Deposit Receipts auf fallende Kurse. Das entspricht gegenüber Mitte Oktober einer Zunahme von fast 30 Prozent (siehe "Schlägt jetzt die Stunde der Leerverkäufer?" vom 20. November).

Abgerechnet wird vermutlich erst am 30. November. An diesem Tag lädt die Schweizer Grossbank nämlich zum diesjährigen Investorentag nach London. Die Erwartungen an Konzernchef Tidjane Thiam und seine Gefolgsleute sind hoch.
 

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