Aktien aus dem SMI - Leerverkäufer fahren gezielt ihre Wetten runter

Leerverkäufer ziehen bei den in New York gehandelten Aktien aus dem Swiss Market Index den Rückzug an. Das trifft zumindest auf zwei der drei diesjährigen Schlusslichter zu. Der cash Insider mit den Einzelheiten.
14.10.2019 12:30
cash Insider
Leerverkäufer fahren gezielt ihre Wetten runter
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Letzten Donnerstag läutete Givaudan bei den Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) die Berichterstattung für das zurückliegende dritte Quartal ein. Allen Unkenrufen zum Trotz beschleunigte sich die organische Umsatzentwicklung beim Aromen- und Duftstoffhersteller aus Genf zwischen Juli und September sogar leicht.

In den kommenden Tagen legen mit Roche und Nestlé gleich zwei Schwergewichte ihre Zahlenkränze vor. Zusammen sind die beiden Traditionsunternehmen beim SMI für fast die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Die anlaufende Quartalsberichterstattung zwingt auch die amerikanischen Leerverkäufer, sich neu zu orientieren. Wie Erhebungen der New York Stock Exchange (NYSE) verraten, haben sie ihre Wetten gegen die dort gehandelten Titel grosser Schweizer Unternehmen zuletzt gezielt zurückgefahren.

Am auffälligsten ist der Rückgang der Anzahl leerverkaufter American Deposit Receipts (ADRs) von Nestlé. Innerhalb von gerade mal vier Wochen schmolzen die Wetten gegen den Nahrungsmittelhersteller aus Vevey um satte 31 Prozent. Das überrascht, gelten die Erwartungen an die am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Neunmonatsumsatzzahlen doch als ziemlich hoch. Bleibt die erhoffte Wachstumsbeschleunigung aus oder legt das Unternehmen nicht mit einem neuen milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm nach, könnten die Aktien weiter von ihrem Rekordhoch nach unten zurückfallen.

Seit gut Wochen bekunden die zuvor festen Aktien von Nestlé sichtlich Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Davon hätten die amerikanischen Leerverkäufer allerdings nicht mehr viel, spekulieren sie doch nur noch mit gut 72'000 Titeln auf rückläufige Kurse. Das ist so gut wie nichts, verglichen mit den 4,2 Millionen Nestlé-Aktien, die hierzulande an einem durchschnittlichen Handelstag umgehen.

Bedeutender ist da schon der Rückgang bei den in New York leeverkauften ADRs der UBS. Mit 11,47 Millionen Titeln sind es ebenfalls 31 Prozent weniger als noch vier Wochen zuvor. Für Schweizer Verhältnisse sprechen wir hier immerhin von einem durchschnittlichen Tagesvolumen.

Auch das ist nicht viel. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Im Wissen, dass die Musik bei den Unternehmen aus dem SMI vor allem am Heimmarkt spielt, lassen sich von den Statistiken der NYSE trotzdem interessante Rückschlüsse auf die hiesigen Aktivitäten der Leerverkäufer ziehen.

Wenn die grösste Schweizer Bank am Dienstag in einer Woche ihren Zahlenkranz für das dritte Quartal vorlegt, muss sie den Beweis antreten, dass sie im Wealth Management endlich wieder Tritt fassen kann. Schon seit mehreren Quartalen schwächelt sie in dieser Paradedisziplin nämlich - was verständlicherweise Fragen in Bezug auf den strategischen Kurs aufwirft.

Die UBS-Aktien (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Mit einem Minus von gut 4 Prozent (Stand Freitag bei Börsenschluss) zählen die Aktien der UBS zu den diesjährigen Schlusslichtern im SMI. Nur die Inhaberpapiere des Uhrenspezialisten Swatch Group schnitten noch schlechter ab.

Ebenfalls zu den Schlusslichtern zählen die Aktien von ABB. Trotzdem oder gerade deswegen nahmen amerikanische Leerverkäufer beim schweizerisch-schwedischen Industriekonzern in den vergangenen vier Wochen im grossen Stil Chips vom Spieltisch. Mit 3,77 Millionen Titeln laufen mittlerweile 25 Prozent weniger Wetten gegen die in New York gehandelten ADRs als bei der vorletzten Erhebung.

Das überrascht, setzten im Vorfeld der Quartalsergebnisveröffentlichung doch gleich mehrere Analysten bei den diesjährigen Gewinnschätzungen den Rotstift an. Helvea-Analyst Luis Pereira ging sogar noch einen Schritt weiter und stufte die Aktien mit einem Kursziel von 19 (zuvor 21,70) Franken von "Buy" auf "Add" herunter.

Ich bin ziemlich gespannt, wie der Zahlenkranz ausfallen wird und ob er den im Vorfeld gesenkten Analystenerwartungen gerecht werden kann. Vermutlich liegt der Teufel wie schon so oft im Detail.

Interessant ist, dass die amerikanischen Leerverkäufer ihre Wetten gegen andere Vertreter aus dem SMI wie etwa gegen Roche oder Julius Bär in den letzten vier Wochen sogar erhöht haben. Man kann deshalb noch immer nicht von einem grundsätzlichen Rückzug dieser mächtigen Marktakteure sprechen.

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

Ausgewählte Produkte auf SMI

Symbol Typ Coupon PDF
MDDNJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 9.00% PDF
MBQKJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.20% PDF
MCEAJB Multi Barrier Reverse Convertible 8.10% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär