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Die meisten Banken und ihre Anlagestrategen sind sich einig: Mit Aktien lässt sich 2016 endlich wieder kräftig Geld verdienen. So lautete der Tenor allerdings auch schon vor Jahresfrist. Die Bilanz für die vergangenen 12 Monate könnte ernüchternder kaum sein.

Wer sich nicht auf Gedeihen und Verderben auf freundliche Aktienmärkte verlassen will, der benötigt einen "Plan B". Einen solchen ziehen in diesen Tagen die Strategen der Credit Suisse aus der Pultschublade. Sie haben eine Auswahl von Aktien zusammengestellt, welche über die kommenden Monate alleine schon aufgrund unternehmensspezifischer Gegebenheiten überzeugen sollte.

Denn anders als bei anderen Banken traut man den Börsen bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken bestenfalls ein geringes Aufwärtspotenzial zu. Das Wirtschaftsumfeld sei von Unsicherheit geprägt und die Wachstumsaussichten rund um den Globus seien ziemlich verhalten, so die ernüchternde Feststellung.

Auch wenn es die für die Credit Suisse tätigen Strategen nicht Schwarz auf Weiss schreiben, so lassen sie zumindest durchblicken, dass das Börsengeschehen im nächsten Jahr erneut sehr selektiv ausfallen dürfte. Mit anderen Worten: Anleger sollten sich nicht auf die berühmt-berüchtigte Flut verlassen, welche alle Boote steigen lässt.

Wie es der Zufall will, besteht die Auswahl aus sechszehn europäischen Unternehmen. Die Schweizer Grossbank ist jedoch bei weitem nicht die erste, welche mit der Idee "16 Aktien für 2016" aufwartet. Zugegeben, das mag dem Ganzen ein bisschen die Kreativität nehmen.

Kreativ im Sinne von mutig, ist es, die Aktien von LafargeHolcim zum Kauf zu empfehlen. Schliesslich gehört der erste von zwei Vertretern aus der Schweiz zu den diesjährigen Verlierern im Swiss Market Index. Die Experten sehen bei den mit "Outperform" und einem 12-Monats-Kursziel von 71 Franken eingestuften Papieren Aufwärtspotenzial, sollte der Weltmarktführer für Zement von der derzeitigen Strategie abkehren und sich statt dessen zu einer Expansionsoffensive durchringen.

Nicht unumstritten sind auch die ebenfalls mit "Outperform" eingestuften Aktien von Syngenta. Stummer Zeuge ist das 12-Monats-Kursziel, welches mit gerademal 315 Franken weit unter den aktuellen Kursen liegt. Die Strategen schliessen nicht aus, dass der in Basel beheimatete Agrarchemiehersteller übernommen wird. Chancen orten sie auch bei den jüngsten Rochaden an der Konzernspitze. Nach dem Rücktritt von Firmenchef Mike Mack seien grössere Strategieveränderungen oder neue Kosteneinsparziele nicht auszuschliessen, so die Experten.

An dieser Stelle möchte ich meinen Leserinnen und Lesern die übrigen Unternehmen auf der Liste nicht vorenthalten. Es sind dies IAG, Fiat Chrysler, Rentokil, Philips, Unilever, Aviva, Nokia, Glencore, Royal Dutch Shell, Smurfit Kappa, ThyssenKrupp, Intercontinental Hotels, E.on sowie Tofas.

In einem Punkt muss ich den Strategen der Credit Suisse rechtgeben: Das Börsengeschehen wird auch in Zukunft sehr selektiv bleiben. Die Gewinner von heute müssen nicht zwingend auch die Gewinner von morgen sein (siehe Kolumne vom 16. Dezember). In diesem Umfeld macht es aus Anlegersicht durchaus Sinn, auf Aktien zu setzen, welche alleine schon aufgrund unternehmensspezifischer Gegebenheiten überzeugen sollten.

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Die einst hochgejubelten Aktien von Dufry sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Schuld sind die Schwellenländer - aber eben nicht nur. Man kann dem in Basel beheimateten Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen an Flughäfen in einem gewissen Grad Grössenwahn vorwerfen. Schlag auf Schlag übernahm er die beiden Rivalen Nuance Group und World Duty Free, nur um die eigene Stellung als Weltmarktführer zu stärken.

Zwei milliardenschwere Grossübernahmen von diesem Kaliber wollen erst einmal verdaut werden. Ein Wunder, kommt vor lauter Integrationsarbeiten das Tagesgeschäft nicht zu kurz. Da Dufry in beiden Fällen die Aktionäre nach frischem Geld fragte, wollen die nun endlich Resultate sehen. Noch ist das Unternehmen den Beweis jedoch schuldig, die erhofften Synergien auch wirklich erzielen zu können.

Nach mehreren Ergebnisenttäuschungen sind die Aktien von Dufry knapp einen Drittel unter ihre Höchstkurse zurückgefallen. Bis zu den Mehrjahrestiefstständen vom Sommer vor zwei Jahren sind es bestenfalls wenige Prozente.

Eigentlich müsste man zu diesen Kursen blind einsteigen, wären da nicht die schon seit Tagen zu beobachtenden Titelverkäufe aus dem Verwaltungsrat. Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX lässt sich entnehmen, dass einer oder mehrere Verwaltungsräte sich zwischen dem 14. und dem 21. Dezember von Aktien im Gesamtwert von 19,4 Millionen Franken getrennt haben.

Es ist weniger der Umfang als vielmehr der Zeitpunkt der Titelverkäufe, welcher aufhorchen lässt. Wenn die längerfristigen Aussichten so gut sind, wie Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bei jeder sich bietenden Gelegenheit betonen, weshalb man dann jemand in der Nähe der Mehrjahrestiefstkurse kräftig Kasse?

Erst am letzten Dienstag schrieb ich von in Ungnade gefallenen Aktien von Schweizer Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern und damit auch über Dufry (siehe Kolumne vom 22. Dezember). Ob sich die Aktien des Basler Weltmarktführers aufdrängen, um als Anleger gegen den Strom zu schwimmen, dessen bin ich mir nun nicht mehr ganz so sicher.
 

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