Aktien unter Verkaufsdruck - AMS: Bloss ein «Sturm im Wasserglas»?

Für Analysten ist die Umsatzwarnung von Apple nicht weiter schlimm für den Grosskunden AMS. Dennoch könnte sie zum Problem werden. - Und: Von der einen gut gelaufenen Pharma-Aktie in die andere.
18.02.2020 12:30
cash Insider
AMS: Bloss ein «Sturm im Wasserglas»?
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von AMS setzen die jüngste Talfahrt am heutigen Dienstag ungebremst fort. Dass das amerikanische Kultunternehmen Apple nach nur wenigen Wochen seine Quartalsvorgaben kappt, ist Wasser auf die Mühlen der Leerverkäufer.

Darüber, wieviel der Grosskunde beim Sensorenhersteller aus Unterpremstätten zum Jahresumsatz beisteuert, lässt sich nach wie vor spekulieren. Die Schätzungen der Analysten reichen von 45 bis 70 Prozent. Was sich allerdings sagen lässt: Niest Apple zweimal laut, schlägt es Zulieferunternehmen wie AMS mit einer deftigen Grippe ins Bett.

Kommt hinzu, dass Apple beileibe nicht der einzige Grosskunde des Sensorenherstellers bleiben dürfte, der die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs in China zu spüren bekommt. Anderen Abnehmern wie Samsung oder dem "Lokalmatador" Huawei dürfte es nicht viel besser ergehen.

AMS findet sich im perfekten Sturm wieder - zumal das Unternehmen die Aktionäre schon in wenigen Wochen um neue Mittel in Höhe von 1,65 Milliarden Euro ersuchen muss. Ohne diese neuen Mittel liesse sich die geplante Übernahme von Osram Licht finanziell nicht stemmen.

Seit der Quartalsergebnisveröffentlichung lassen die Aktien von AMS den Kopf hängen (Quelle: www.cash.ch)

Das lassen sich die Leerverkäufer nicht zweimal sagen. Denn sie wissen: Je tiefer sie den Aktienkurs im Vorfeld der Kapitalerhöhung drücken, desto tiefer muss AMS den Bezugspreis für eine grössere Anzahl neuer Aktien ansetzen. Zudem lassen sich die Wetten gegen den Sensorenhersteller im Rahmen der Bezugsrechtsemission elegant wieder schliessen.

Interessant ist, dass man sich in Analystenkreisen überraschend entspannt gibt. Der für Vontobel tätige Analyst Mark Diethelm erachtet die Nachfrageflaute bloss als vorübergehend. Seine Umsatzschätzungen für das laufende Quartal liegen schon heute am unteren Ende der firmeneigenen Zielbandbreite von 480 bis 520 Millionen Dollar. Auch wenn Diethelm es nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest zwischen den Zeilen durchblicken, dass er die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs in China für einen "Sturm im Wasserglas" hält. Er bekräftigt deshalb sowohl die Kaufempfehlung als auch das 70 Franken lautende Kursziel.

Andere Analysten äussern sich sehr ähnlich. Wenn die milliardenschwere Kapitalerhöhung nicht wäre, würde ich dieser Einschätzung wohl beipflichten. Allerdings könnte die eklatante Kursschwäche im Hinblick auf die geplante Bezugsrechtsemission zum Problem werden.

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Am gestrigen Montag vollzog Andrew Baum von der Citigroup einen Favoritenwechsel. Der bekannte Pharmaanalyst stufte die Aktien von Novartis von "Buy" auf "Neutral" herunter, nur um gleichzeitig die Genussscheine des Platzrivalen Roche von "Neutral" auf "Buy" heraufzustufen.

Während sich bei den Valoren von Novartis vom 103 Franken lautenden Kursziel nur noch auf ein überschaubares Aufwärtspotenzial schliessen lässt, veranschlagt Baum für jene von Roche neuerdings ein Kursziel von 395 (zuvor 350) Franken. Gut kommt beim Pharmaanalysten vor allem die starke Stellung des Basler Pharma- und Diagnostikkonzerns in der Immuntherapie an. Mit seinen Gewinnschätzungen liegt er denn auch um bis zu 15 Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen seiner Berufskollegen.

Kursentwicklung der Novartis-Aktien(rot) im 12-Monats-Vergleich mit jener der Genussscheine von Roche (Quelle: www.cash.ch)

Bei allem Respekt für den Citigroup-Analysten, ist dieser Favoritenwechsel für den Swiss Market Index (SMI) bloss ein Wechsel von der einen Hosentasche in die andere - umso mehr, als dass Novartis ja bekanntlich noch immer substanziell an Roche beteiligt ist.

Die sehr dünnen Handelsaktivitäten in den beiden SMI-Schwergewichten legen die Vermutung nahe, dass nur wenige dem Favoritenwechsel Folge leisteten und aus den Valoren von Novartis in jene von Roche umschichteten...

 

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