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Aktienstrategen wird immer wieder vorgehalten, dass sie jeweils mit und nicht gegen den Strom zu schwimmen. Tatsächlich suhlen sich viele dieser Experten auch in diesen Tagen wieder im Einheitsbrei der Konsensmeinung, und die ist von Optimismus geprägt, was die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten anbetrifft.

Es gibt nur noch wenige nicht verstummen wollende Aktienstrategen, welche vor Übertreibungen warnen. Ein solcher ist der für das Cross Asset Research von Société Générale tätige Albert Edwards. Sein Name fällt schon seit Jahren im gleichen Atemzug mit jenen anderer prominenter Experten wie Marc Faber oder Nouriel Roubini.

Der neuste Kommentar von Edwards liest sich wie das Märchen vom Dornröschen, nur ohne den versöhnlichen Ausgang. In der Geschichte belegt die dreizehnte Fee die Tochter des Königs an deren Geburtstag ja bekanntlich mit einem Fluch, der Dornröschen in einen hundertjährigen Schlaf verfallen lässt.

Was der viel beachtete Stratege anlässlich des sechsten Jahrestages der Aktienhausse schreibt, kommt einem Fluch sehr nahe. Der amerikanische Aktienmarkt könne auf den drittstärksten Anstieg innerhalb von sechs Jahren seit der Vorkriegszeit zurückblicken, so entnehme ich dem mir zugespielten Kommentar. Nur in den Jahren 1929 und 1999 habe der amerikanische Aktienmarkt noch stärker zugelegt. Ein Blick in die Vergangenheit verrate, dass die Geschichte für die Anleger in beiden Fällen nicht gut ausgegangen sei.

Klare Worte findet Edwards auch für die Europäische Zentralbank (EZB) und ihren Präsidenten Mario Draghi. Mit der von den Wertpapierkäufen losgetretenen Manipulation der Börsenkurse lasse Draghi seinen ehemaligen Kollegen bei der US-Notenbank, Alan Greenspan, wie einen Anfänger aussehen.

Schockierender als der Zerfall des Euros sei der Umstand, dass mittlerweile ein Viertel aller ausstehenden europäischen Staatsanleihen negative Renditen aufweise. Übertroffen werde dies nur noch von der Hausse an den europäischen Aktienmarkt, welche die Bewertungen aus dem Ruder habe laufen lassen.

Edwards macht den schwachen Euro und die Hoffnung der Anleger auf eine Belebung bei den Unternehmensgewinnen für die über die letzten Monate beobachtete Hausse verantwortlich. Anders als in Japan hält er diese Hoffnung für masslos übertrieben. Für den Strategen steht fest: Dass sich die Bewertung auf Stufe des Kurs-Gewinn-Verhältnisses zuletzt mehr als verdoppelt hat, ist nicht nachhaltig. Die Geschichte lasse vermuten, dass die Aktienhausse in einer Katastrophe enden werde.

Um seiner Haltung Nachdruck zu verleihen, rät der Experte den Anlagekunden zu einer Aktienquote von gerade mal 30 Prozent (Benchmark: 60 Prozent), einer Anleihenquote von 50 Prozent (Benchmark: 35 Prozent) sowie einer Barmittelquote von 20 Prozent (Benchmark: 5 Prozent).

Da Edwards schon seit Jahren der Ruf des notorischen Pessimisten anhaftet, wird er von vielen Aktienstrategen belächelt. In einem grundlegenden Punkt hat der Experte dennoch Recht bekommen: Der Schuldenberg sorgt mittlerweile auch in der westlichen Hemisphäre für japanische Verhältnisse.

Noch hat diese Entwicklung allerdings nicht wie von Edwards erwartet zur Kernschmelze an den Aktienmärkten geführt - den immer neuen geldpolitischen Interventionen führender Zentralbanken sei Dank.

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Nur wenige Minuten nach Handelsaufnahme berichtete man mir heute bei den Namenaktien von Straumann von auffälligen Käufen aus dem angelsächsischen Raum.

Vermutlich stehen diese im Zusammenhang mit einer Studie von Merrill Lynch zum europäischen Medizinaltechniksektor. Denn darin stuft der viel beachtete Verfasser die Papiere des in Basel beheimateten Dentalimplantateherstellers mit einem neu 300 (250) Franken lautenden Kursziel von "Neutral" auf "Buy" hoch.

Der Experte zeigt sich zuversichtlich, dass sich das Wachstum im Jahresverlauf weiter beschleunigen wird. Die Einführung neuer Produkte werde genauso helfen wie neue Vertriebsvereinbarungen oder die starke Stellung in den Schwellenländern. Auf Basis der geplanten Kosteneinsparmassnahmen und des erstarkten Dollars erhöht er seine diesjährigen Gewinnschätzungen um 7 Prozent.

Bei Merrill Lynch hat man sich mit der heutigen Kaufempfehlung viel Zeit gelassen, haben die Aktien von Straumann den nach der Aufgabe des SNB-Mindestkurses erlittenen Rückschlag doch weitestgehend wieder wettgemacht. Andere Banken raten ihrer Anlagekundschaft schon seit Monaten zum Kauf der Papiere.

Unter CEO Marco Gadola hat das einstige Sorgenkind Straumann zu einer beneidenswerten Form zurückgefunden. Kaum ein anderer Dentalimplantatehersteller verfügt auch nur annähernd über vergleichbare Wachstumsaussichten. Diese spiegeln sich meines Erachtens aber zunehmend in der Unternehmensbewertung wider, weshalb ich die Aktien anders als noch vor wenigen Jahren nicht mehr für kaufenswert halte.

 

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