Aktienmärkte 2018 - Weshalb UBS und Credit Suisse nur so vor Zuversicht strotzen

Obwohl warnende Stimmen laut werden, rechnen die Strategen von UBS und Credit Suisse mit einem weiteren starken Jahr für Aktien - Und: Weshalb aus Idorsia keine zweite Actelion werden dürfte.
15.11.2017 12:30
cash Insider
Weshalb UBS und Credit Suisse nur so vor Zuversicht strotzen
Bild: fotolia.com

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In meiner gestrigen Kolumne wusste ich erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit wieder von warnenden Stimmen zu berichten. Hohe Wellen warf insbesondere die Kehrtwende des für Kepler Cheuvreux tätigen Christopher Potts bei europäischen Aktien. In Erwartung eines Stimmungsumschwungs stufte er diese von "Overweight" auf "Underweight" herunter.

Tief blicken lässt auch die Heraufstufung des Schweizer Aktienmarktes von "Benchmark" auf "Overweight" bei gleichzeitiger Herunterstufung des deutschen Aktienmarktes von "Overweight" auf "Underweight" durch Wolf von Rothberg von der Deutschen Bank (siehe gestrige Kolumne).

Eine überwältigende Mehrheit der Aktienstrategen gibt sich im Hinblick auf das Börsenjahr 2018 allerdings weiterhin optimistisch. Weshalb sollte man auch mit alten Traditionen brechen...?

Beinahe schon euphorisch liest sich der Ausblick aus der Feder des für die UBS tätigen Nick Nelson und seinen Mitautoren. Sie trauen dem Stoxx Europe 600 Index einen Vorstoss auf 440 Punkte zu, was aus heutiger Sicht einem Aufwärtspotenzial von fast 15 Prozent entspräche.

Der SPI (grün) lässt den breiten Stoxx 600 Index (rot) hinter sich  zurück (Quelle: www.cash.ch)

Sollten die europäischen Aktien zu den Bewertungshöchstständen aufschliessen können, die Unternehmen ihre Verschuldung erhöhen, Bewegung in die Übernahmetätigkeit kommen und die amerikanischen Investoren sich zurückmelden, sehen die Strategen das breit gefasste Börsenbarometer gar bis auf 490 Punkte steigen.

Auch Andrew Garthwaite von der Credit Suisse spielt die Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden Rückschlags herunter. In einem Ausblick auf das kommende Jahr erinnert er daran, dass der frühere amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan 38 Monate zu früh vor Börsenübertreibungen warnte.

Garthwaite zufolge werden die Aktienmärkte erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres in eine turbulentere Phase übergehen. Europäischen Aktien traut er alleine bis zur Jahresmitte einen Anstieg um mehr als 12 Prozent zu. Die Hausse ist tot - lang lebe die Hausse.

Beide Schweizer Grossbanken bedienen sich ähnlicher Argumente wie dem freundlichen Wirtschaftsumfeld, der zu erwartenden Belebung bei den Unternehmensgewinnen oder der im weltweiten Vergleich attraktiven Bewertung.

Der UBS zufolge wiesen die europäischen Aktienmärkte noch nie einen so deutlichen Bewertungsabschlag zur amerikanischen Leitbörse auf. Das ist an-und-für-sich zwar schön und gut. Allerdings kann ich mich in all den Jahrzehnten an der Börse nicht erinnern, dass sich Europa schon jemals für längere Zeit von Amerika abkoppeln konnte.

Hätten die Marktakteure noch bis vor wenigen Tagen in Kursschwächen hinein Aktien zugekauft, so würden freundliche Tage mittlerweile zum Abbau genutzt, so warnte Christopher Potts von Kepler Cheuvreux gestern allerdings.

Diese ziemlich besorgniserregende Beobachtung behalte ich in den nächsten Tagen mal etwas genauer im Auge...

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Idorsia spaltet die Analystengilde wie kaum ein anderes Unternehmen aus der Schweiz. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass der Pharmahersteller aus dem Baselbiet noch keinen Wirkstoff auf dem Markt hat. Und kaum etwas ist schwieriger, als Entwicklungsprojekte in Franken und Rappen ummünzen zu wollen.

Seit dem Börsengang von Mitte Juni lebt Idorsia denn auch nur von einem: von Vorschusslorbeeren. Das Gründerehepaar Jean-Paul und Martine Clozel werde aus dem Unternehmen eine Erfolgsgeschichte wie jene von Actelion machen, so wird gerne argumentiert.

In etwa mit diesen Worten nahm gestern der für Vontobel tätige Stefan Schneider die Erstabdeckung der Aktien mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 28 Franken auf.

Idorsia sei kein herkömmlicher Biotech-Startup, so schreibt er in Anspielung auf die langjährige Erfolgsbilanz der Clozels und ihrer Mitarbeiter. Davon ausgehend, dass sämtliche der fortgeschrittenen Wirkstoffe erfolgreich sind, rechnet der Experte bis in acht Jahren mit einem Jahresumsatz von 2,8 Milliarden Franken. Risikogewichtet schmilzt dieser Betrag allerdings auf 1,2 Milliarden Franken.

Beeindruckende Kursentwicklung der Aktien von Idorsia seit dem Börsengang (Quelle: www.cash.ch)

Die einzige Kaufempfehlung hatte bis zum gestrigen Tag Peter Welford der amerikanischen Investmentbank Jefferies für die Valoren des Börsendebütanten ausstehend. Wenig überraschend stach der bekannte Pharmaanalyst bisweilen auch mit seinem Kursziel von 20 Franken hervor, bewegten sich die übrigen Kursziele gerademal zwischen 7 und 13,60 Franken. Interessanterweise stützen sich - wie Stefan Schneider - auch alle anderen Experten bei ihren Kurszielen auf risikogewichtete zukünftige Medikamentenumsätze ab.

So sehr ich es den Aktionären von Idorsia auch gönnen würde: Alleine schon aufgrund der mit der amerikanischen Johnson&Johnson ausgehandelten Vereinbarung wird aus dem Pharmahersteller aus Allschwil vermutlich nie eine zweite Actelion.

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