Aktienmärkte - Glaube an eine Jahresendrally schwindet

Wie Erhebungen der britischen Barclays zeigen, sind mächtige Grossinvestoren nicht länger für eine Jahresendrally an den Aktienmärkten gerüstet - Und: Ist UBS wirklich eine Substanzaktie?
07.12.2018 12:30
cash Insider
Glaube an eine Jahresendrally schwindet
Bild: fotolia.com

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Der amerikanischen Leitbörse in New York gelang von Donnerstag auf Freitag ein beeindruckender Stimmungsumschwung. Nach einem schwachen Handelsauftakt konnten die wichtigsten Aktienindizes die frühen Kursverluste eingrenzen. Während der breit gefasste S&P-500-Index 0,2 Prozent tiefer notierte, ging der Nasdaq-100-Index sogar um 0,6 Prozent höher aus dem Handel. Impulse gingen dabei von einem Bericht des "Wall Street Journal" aus, wonach die amerikanische Notenbank anlässlich ihres Dezember-Treffens einen Marschhalt bei den Zinsen einlegen könnte.

Das färbt heute auch auf den Schweizer Aktienmarkt ab. Insbesondere die am Vortag von Futures-Verkäufen gebeutelten Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis kommen in den Genuss einer Kurserholung. Ob es sich dabei bloss um ein Strohfeuer handelt, werden vermutlich schon die nächsten Stunden zeigen.

Spätestens nach dem gestrigen Tag fehlt allerdings vielen der Glaube an eine Jahresendrally. Nicht nur, dass Kursschwächen nicht länger zum Kauf von Aktien genutzt werden, vielmehr werden Kurserholungen genutzt, um sich von Aktien zu trennen (siehe auch Wer sind die geheimnisvollen Aktienverkäufer? vom 28. November).

Wie Erhebungen der britischen Barclays zeigen, haben ausländische Grossinvestoren in den letzten Wochen einmal mehr europäische Aktien verkauft und ihre Barmittelbestände dabei kräftig erhöht. Wie bankeigene Statistiken zeigen, wurden alleine seit Jahresbeginn unter dem Strich 62 Milliarden Dollar aus europäischen Aktienfonds abgezogen - wovon knapp 25 Milliarden Dollar in Geldmarktfonds parkiert wurden.

Die Schlüsselbotschaft der für Barclays tätigen Strategen um Emmanuel Cau ist unmissverständlich: Grossinvestoren sind nicht länger für eine Jahresendrally an den Aktienmärkten gerüstet.

Je weniger Marktakteure an ein versöhnliches Jahresende glauben, desto besser, liesse sich dem entgegnen. Denn auch an der Börse verderben zu viele Köche den Brei. Ob sich die Grossinvestoren schon vor dem Zinsentscheid vom 19. Dezember aus ihrer Deckung wagen, ist allerdings fraglich. Was die weitere Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) angeht, so bleiben die Aktien der drei Grossbanken Julius Bär, Credit Suisse und UBS übrigens ein aufschlussreicher Gradmesser - oder besser gesagt: ein zuverlässiger Vorindikator.

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Die UBS vermeldet einen prominenten Zugang im Grossaktionariat: Dodge & Cox hält neuerdings etwas mehr als 3 Prozent der ausstehenden Aktien. Zu aktuellen Kursen weist das Aktienpaket immerhin einen Verkehrswert von knapp 1,5 Milliarden Franken auf.

Der amerikanische Fondsanbieter ist nicht einfach irgendwer. Er gilt als ein erfahrener Spezialist auf dem Gebiet von Substanzaktien. Wie? Die UBS eine Substanzaktie? Das werden sich jetzt wohl viele meiner Leserinnen und Leser fragen.

Nun ja - zumindest erhält man bei Kursen unter 13 Franken etwas mehr "Substanz" fürs Geld als auch schon. Selbst auf Basis der konservativen Annahmen der britischen Barclays errechnet sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von eins. Das heisst so viel wie, dass die Börse bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken bereit ist, für jeden Franken an Substanz auch einen Franken zu bezahlen. Zum Vergleich: Bei der Erzrivalin Credit Suisse sind es gerade mal noch 70 Rappen für jeden Franken, den sie an bereinigtem Eigenkapital in den Büchern hält.

Die UBS-Aktien (rot) schneiden über zwölf Monate deutlich schlechter als der SMI (grün) ab. (Quelle: cash.ch)

Das einzige, was bei der UBS halbwegs an eine Substanzaktie erinnert, ist die hohe Dividendenrendite. Fürs zurückliegende Geschäftsjahr schüttete die Schweizer Grossbank im Mai dieses Jahres 65 Rappen je Aktie aus. Vorsichtige Schätzungen gehen für das laufende Jahr von einer leichten Erhöhung auf 70 Rappen aus. Das entspräche immerhin einer Rendite von 5,5 Prozent.

Nicht nur an der UBS, auch an Goldman Sachs und Bank of America hält Dodge & Cox massgebliche Beteiligungen. Insbesondere jene an Goldman Sachs bescherte dem amerikanischen Fondsanbieter zuletzt schmerzhafte Kursverluste. Die Grossbank verlor innerhalb von gerade mal vier Wochen knapp 20 Prozent des Börsenwerts.

Was genau letztendlich zur Beteiligungsnahme durch Dodge & Cox bei der UBS führte, darüber lässt sich bloss spekulieren. Wer weiss, vielleicht liess man sich ja vom 13 Millionen Franken schweren Kauf eigener Aktien durch den Firmenchef Sergio Ermotti inspirieren...?
 

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