Aktienmärkte - Julius Bär erklärt Korrektur für beendet

Bekannter Markttechnikexperte bei Julius Bär erklärt die Börsenkorrektur für beendet - Und: LafargeHolcim-Ankeraktionär Schmidheiny gibt die Hoffnung auf Kurse von 100 Franken auf.
12.06.2019 12:30
cash Insider
Julius Bär erklärt Korrektur für beendet
Bild: fotolia.com

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Selbst als die Aktienkurse gegen Ende Mai wieder purzelten, war für Mensur Pocinci von Julius Bär klar: Mehr als ein kurzes Börsengewitter ist das nicht.

Und der bekannte Markttechnikexperte sollte Recht bekommen. So rasch wie die dunkeln Wolken aufgezogen waren lösten sie sich in den letzten Tagen wieder auf. Am gestrigen Dienstag schrieb der Swiss Market Index (SMI) sogar neue Rekorde.

Pocinci erklärt die Börsenkorrektur denn auch für beendet. Seines Erachtens ist die Stimmung der Anleger übertrieben pessimistisch - beinahe so pessimistisch wie in der Altjahreswoche. Ein weiteres Argument liefern dem für Julius Bär tätigen Experten die jüngsten Fondsstatistiken. Diese Statistiken zeigen, dass Anleger seit Jahresbeginn unter dem Strich 155 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen haben. Pocinci sieht auch darin einen wertvollen Gegenindikator und sagt dem SMI einen Vorstoss auf über 10'000 Punkte vorher.

Verhältnis zwischen optimistisch und pessimistisch gestimmten Marktakteuren in New York. (Quelle: Bloomberg, Julius Bär)

So richtig ein Eigenleben führt der Schweizer Aktienmarkt ja bekanntlich nicht. Die hiesigen Marktakteure lassen sich nur allzugern von den Vorgaben der amerikanischen Leitbörse in New York inspirieren.

Dass Pocinci von einer dramatischen Verbesserung der dortigen Marktbreite zu berichten weiss, ist deshalb auch aus Schweizer Sicht zu begrüssen.

Interessant ist, dass vor allem die Aktien weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängiger Unternehmen von einem Kursrekord zum nächsten klettern. Ich denke da beispielsweise an jene des Nahrungsmittelmultis Nestlé, des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan oder des Weltmarktführers für Hörgeräte Sonova. Diese drei Aktien haben eines gemeinsam: Sie alle gelten als "sichere Häfen" in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Das zeugt von einem tiefen Misstrauen der Marktakteure der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung, aber auch der Arbeit der Zentralbankverantwortlichen gegenüber. Dass ausgerechnet dieses Misstrauen den Schweizer Aktienindizes neue Rekorde beschert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

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Was wurde den Aktionären nicht alles versprochen, als sich die beiden bis dahin rivalisierenden Zementhersteller Lafarge und Holcim vor fünf Jahren zum Weltmarktführer LafargeHolcim zusammenschlossen. Von umfassenden Synergien zwischen den beiden Unternehmen war die Rede - und Holcim-Ankeraktionär Thomas Schmidheiny stellte gar einen Aktienkurs von 100 Franken oder mehr in Aussicht.

Doch es sollte alles ganz anders kommen: Zeitweise kosteten die Aktien keine 35 Franken mehr und auch heute noch ist man weit von den einst genannten 100 Franken entfernt.

Auch Schmidheiny scheint nicht länger an seine damalige Kursprognose zu glauben. Nur so lässt sich erklären, weshalb sich der bekannte Industrielle mittels einer Platzierung von einem Teil seines Beteiligungspakets trennt. Über ein Derivatkonstrukt entledigt er sich weiterer Aktien. Im Zuge dessen reduziert sich sein Stimmenanteil von 11,4 auf 7,2 Prozent.

Wie in solchen Fällen üblich, schiebt der Ankeraktionär Gründe wie eine Diversifikation seines Beteiligungsportfolios sowie eine sorgfältige Vorsorge- und Erbplanung vor.

Kursentwicklung der Aktien von LafargeHolcim seit unmittelbar vor der Bekanntgabe des Zusammenschlusses. (Quelle: cash.ch)

Fakt ist aber: Würde Schmidheiny dem Weltmarktführer LafargeHolcim noch einmal einen deutlich höheren Aktienkurs zutrauen, müsste er eigentlich an seiner Beteiligung festhalten oder diese gar noch ausbauen.

Wenigstens eine gute Nachricht gibt es aus Sicht der übrigen Aktionäre aber: Der Ankeraktionär hat sich zu einer sechsmonatigen Verkaufssperre für das verbleibende Aktienpaket bereit erklärt.

Eine etwas unglückliche Hand bewies übrigens der für die UBS tätige Analyst Gregor Kuglitsch. Er stufte die Aktien keine 24 Stunden vor Bekanntwerden der Platzierung mit einem neu 48 (zuvor 44,50) Franken lautenden Zwölf-Monate-Kursziel von "Sell" auf "Neutral" herauf. Hätte er doch bloss noch einen weiteren Tag gewartet...
 

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