Aktienpositionierung - Investmentbank fühlt Grosskunden auf den Zahn

Eine Umfrage von Morgan Stanley bei Grosskunden liefert interessante Erkenntnisse rund um das Geschehen am Schweizer Aktienmarkt - Und: Spekulationen um GAM kochen wieder hoch.
19.06.2019 12:30
cash Insider
Investmentbank fühlt Grosskunden auf den Zahn
Bild: fotolia.com

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Einmal im Monat klopft Merrill Lynch bei führenden Vermögensverwaltern und Fondsmanagern an und fragt nach deren Meinung. Mittlerweile hat diese Erhebung einen solchen Bekanntheitsgrad erreicht, dass die Befragten regelrecht aus dem Nähkästchen plaudern.

Nur um eine ungefähre Vorstellung von der Marktmacht der Befragten der Erhebung zu bekommen: An der jüngsten Umfrage für den Juni nahmen nicht weniger als 230 Personen mit einer Gesamtsumme an verwalteten Vermögen in schwindelerregender Höhe von 645 Milliarden Dollar teil. Man kann in diesem Zusammenhang schon fast vom "Wer ist wer" der Finanzwelt sprechen.

Was die mächtige amerikanische Investmentbank kann, können wir auch, dürften sich die Strategen von Morgan Stanley wohl gedacht haben - als sie ihren Grosskunden anlässlich des diesjährigen Global Investment Seminars kürzlich auf den Zahn fühlten.

Die Strategen berichten zwar von einer leichten Risikoaversion ihrer Grosskunden. Eine knappe Mehrheit rechnet über die nächsten zwölf Monate jedoch mit steigenden Aktienkursen im Umfang von 5 Prozent oder mehr. Dem steht gerade mal ein Fünftel der Befragten gegenüber, die im selben Zeitraum einen Rücksetzer von mindestens 5 Prozent erwarten.

Interessant ist, dass sich die Grosskunden der amerikanischen Investmentbank zusehends für europäische Aktien erwärmen und der alte Kontinent erstmals Nordamerika in der Favoritenrolle beerbt.

Ob es sich hierbei nicht um ein blosses Lippenbekenntnis handelt, wird sich zeigen müssen. Denn obschon die europäischen Substanzwerte so günstig wie noch nie zu haben sind, sprechen die Branchenpräferenzen eine ganz andere Sprache. Geht es nach den Teilnehmenden des diesjährigen Global Investment Seminars, spielt die Musik auch in den kommenden zwölf Monaten vorwiegend in den Aktien aus den Wirtschaftszweigen Nahrungsmittel, Gesundheit und Technologie.

Bei den europäischen Bankaktien - auch sie zählen aufgrund ihres Bewertungsabschlags zum rechnerischen Buchwert zu den Substanzwerten - haben viele Grossinvestoren kapituliert. Fast jeder zweite Befragte würde sich von europäischen Bankaktien trennen und genauso viele machen einen grossen Bogen um dieses Titelsegment.

Die Umfrage von Merrill Lynch scheint diese Vermutung bestätigen zu wollen. Eigenen Angaben zufolge haben die befragten Vermögensverwalter und Fondsmanager in den letzten Wochen im grossen Stil aus konjunkturabhängigen Aktien und Finanzwerten in weitestgehend von der Konjunktur unabhängige Aktien wie etwa jene von Nestlé, Givaudan oder Novartis umgeschichtet. Das würde auch erklären, weshalb diese Papiere zuletzt so gut im Markt lagen und den Swiss Market Index (SMI) am gestrigen Nachmittag erstmals in seiner Geschichte auf über 10'000 Punkte vorstossen liessen.

Die SMI-Schwergewichte Roche (rot), Nestlé (grün) und Novartis (gelb) zogen zuletzt Gelder aus dem angelsächsischen Raum an. (Quelle: cash.ch)

Liefern solche Umfragen extreme Ergebnisse, sind sie oftmals vor allem eines: gute Gegenindikatoren. Selbst wenn Investorenumfragen zukunftsgerichtet sind, haben sich Grossinvestoren oftmals bereits entsprechend positioniert - womit "der Mist bereit gekarrt" wäre.

Mit anderen Worten: Eigentlich sprächen die jüngsten Ergebnisse der Umfragen von Morgan Stanley und Merrill Lynch gegen die Valoren von Nestlé, Givaudan und Novartis - und für die Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

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Die Aktien des Vermögensverwalters GAM verkommen immer mehr zum Spielball der Spekulanten. Seit dem Einstieg eines Hedgefonds aus dem Imperium des amerikanischen Milliardärs George Soros ist für die Beobachter klar: Die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr wann das Unternehmen an den Meistbietenden verkauft wird.

Wie ernst es Soros und seinen Mitstreitern mit ihrem Aktienpaket ist, wird sich zeigen müssen. Mit 3 Prozent lässt sich beim Vermögensverwalter aus Zürich jedenfalls noch keine Palastrevolution anzetteln. Diese schmerzhafte Erfahrung musste vor wenigen Jahren schon Rudolf Bohli mit seinem Hedgefonds RBR Capital Advisors machen.

Einmal mehr werden die GAM-Aktien von spekulativen Käufen erfasst. (Quelle: cash.ch)

Der Ankeraktionär Silchester International schlug die Palastrevolution damals nieder. Es bedürfte deshalb wohl eines ziemlich grosszügigen Übernahmeangebots, um bei den Briten auf Akzeptanz zu stossen. Jedenfalls wird der durchschnittliche Einstandskurs von Silchester International im hiesigen Berufshandel auf mehr als 12 Franken je Aktie geschätzt.

Der italienischen Tagespresse zufolge ist der dortige Versicherungskonzern Generali nicht länger an Teilen von GAM interessiert. Auf der einen Seite ist dieses Ausscheiden aus dem Bieterrennen zwar bedauerlich. Auf der anderen Seite heisst das aber, dass es tatsächlich Gespräche gibt. Das wiederum erklärt, weshalb sich über die letzten Wochen angeblich prominente Trittbrettfahrer beim Vermögensverwalter eingekauft haben.
 

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