Aktionärsvertreter abgewehrt - Meyer Burger: Und was jetzt?

Am Tag nach der vereitelten Zuwahl eines Sentis-Vertreters in den Verwaltungsrat herrscht bei Meyer Burger Katerstimmung. Wie es nun weitergehen könnte. - Und: Analyst sieht den Clariant-Ankeraktionär in der Pflicht.
31.10.2019 12:30
cash Insider
Meyer Burger: Und was jetzt?
Bild: fotolia.com

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Gegen Ende der ausserordentlichen Generalsversammlung von Meyer Burger im Stade de Suisse herrschten am gestrigen Mittwoch teils chaotische Zustände. Während die Organisatoren auf der Grossleinwand das Abstimmungsergebnis einblendeten, riefen einige Anwesende in den Raum, ihr Abstimmungsgerät habe versagt. Einen kurzen Moment lang schien es gar, als müsse die Abstimmung über die Zuwahl des Aktionärsvertreters Mark Kerekes in den Verwaltungsrat wiederholt werden. Doch dann hiess es, das Ergebnis sei rechtens.

Letztendlich stellten sich knapp zwei Drittel der anwesenden Stimmen gegen den Einzug Kerekes' in den Verwaltungsrat. Mit knapp 45 Prozent war die Stimmbeteiligung so hoch wie selten zuvor.

So emotionsgeladen der Schlagabtausch zwischen dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung einerseits und den Vertretern der unzufriedenen Aktionärsgruppe um Sentis Capital andererseits, so emotionsgeladen war auch die ausserordentliche Generalversammlung. Wie schon im Vorfeld geizten die beiden Lager auch am gestrigen Mittwoch nicht mit gegenseitigen Vorwürfen.

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung gingen im Stade de Suisse zwar als Sieger vom Platz. Grund zum Feiern gibt es allerdings keinen. Denn stünde die Aktienkursentwicklung für die Vitalzeichen eines Unternehmens – man würde den Solarzulieferer wohl auf der Intensivstation vermuten.

Kursentwicklung der Aktien von Meyer Burger über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Die Aktien kosten keine 42 Rappen mehr. Das ist weniger als im Dezember vor drei Jahren, als die Aktionäre von Meyer Burger im Zuge einer schmerzhaften Bilanzsanierung gezwungen waren, dem schlechten Geld gutes hinterherzuwerfen. In diese Zeit geht auch der Einstieg von Sentis Capital zurück.

Fragt sich nun, wie es beim Solarzulieferer weitergeht. Zumindest an der Börse macht sich nach der ausserordentlichen Generalversammlung Katerstimmung breit. Bisweilen wechselten am heutigen Donnerstag keine 500'000 Titel die Hand. Das wiederum ist bloss ein Bruchteil eines durchschnittlichen Tagesvolumens.

Und tatsächlich lässt sich Nachrichtenlage unmittelbar vor der ausserordentlichen Generalversammlung - das Unternehmen haute nicht weniger als drei Erfolgsmeldungen raus - eine drohende Flaute an neuen Kursimpulsen bereits erahnen.

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sind nun in der Bringschuld. Sie müssen überzeugende finanzielle Modalitäten für die strategische Zusammenarbeit mit REC aushandeln. Ausserdem bedarf es eines finanzkräftigen neuen Investors, kann und will das Partnerunternehmen die üppigen Vorabinvestitionen vermutlich doch nicht alleine tragen. Entsprechende Spekulationen halten sich hartnäckig. Die finanziellen Modalitäten und die Konditionen, zu welchen sich ein potenzieller Investor einkaufen kann, entscheiden darüber, ob beides an der Börse ankommt oder nicht.

Was dabei nicht vergessen gehen darf: Nach der (ausserordentlichen) Generalversammlung ist bekanntlich vor der (ordentlichen) Generalversammlung. Und eines steht jetzt schon fest: Die unterlegene Aktionärsgruppe um Sentis Capital wird wohl nicht einfach so klein beigeben...

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Als der Spezialitätenchemiehersteller Clariant Ende Juli mit einem geradezu erschreckend schwachen Ergebnis für das zweite Quartal aufwartete, gaben Analysten Entwarnung. Das Ganze sei nur ein einmaliger Ausrutscher, so hiess es damals.

Seit dem gestrigen Mittwoch wissen wir allerdings: Es liegt weiterhin einiges im Argen. Weder mit dem Zahlenkranz für das dritte Quartal selbst, noch mit dessen Qualität weiss das Unternehmen aus dem Baselbiet zu überzeugen. Man kommt operativ einfach nicht auf einen grünen Zweig.

Die erneute Ergebnisenttäuschung setzt den Aktien von Clariant sichtlich zu (Quelle: www.cash.ch)

Wie Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux schreibt, fehlt Clariant in den meisten Geschäftszweigen schlichtweg die kritische Grösse. Er sieht deshalb den Ankeraktionär Sabic in der Pflicht. Auch wenn Faitz es nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken, dass diesem Problem nur mit Hilfe der Saudis beizukommen ist.

Mit dem Verkauf des Geschäfts mit Masterbatches alleine dürfte es nicht getan sein. Der Zeitpunkt, um in den zum Kerngeschäft erklärten Bereichen mit ergänzenden Übernahmen an Grösse zuzulegen, scheint für Clariant günstig - oder aber der saudische Ankeraktionär macht endlich "den Sack zu" und legt den übrigen Clariant-Aktionären eine grosszügige Barofferte vor.

 

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