Aktionäre nehmen bei zwei Schweizer Firmen Geld vom Tisch

Der cash Insider verrät, bei welchen zwei Schweizer Firmen sich Grossinvestoren von Aktien getrennt haben - Mutige Kaufempfehlung für die Aktien von Sulzer geht auf - Und: Swisscom und die liebe Dividende.
25.11.2016 12:30
cash Insider
Aktionäre nehmen bei zwei Schweizer Firmen Geld vom Tisch
Bild: fotolia.com

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Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX gehören immer mehr zum Alltag. Nicht nur Blackrock, seines Zeichens der weltgrösste Vermögensverwalter, auch der norwegische Staatsfonds halten die hiesige Unternehmenswelt mit Beteiligungsveränderungen im Zusammenhang mit Wertpapierleihgeschäften auf Trab.

Allerdings stechen mir heute gleich zwei Offenlegungsmeldungen ins Auge, bei denen sich ausländische Grossaktionäre von Aktien getrennt haben.

Wie der einen Meldung zu entnehmen ist, hat die Allianz ihren Stimmenanteil beim Sensorenhersteller AMS von 4,09 auf 3,88 Prozent reduziert. Zu erkennen geben musste sich der grosse deutsche Versicherungskonzern nur, weil er neuerdings weniger als 3 Prozent in den Aktien selber hält. Die Differenz zu den 3,88 Prozent lässt sich mit Derivaten erklären.

Erst vor wenigen Wochen sah sich AMS zu einem überraschend vorsichtigen Ausblick für das ansonsten eigentlich umsatzträchtige Weihnachtsquartal gezwungen. Auch die am selben Tag bekanntgegebene Übernahme des Rivalen Heptagon ist in Analystenkreisen nicht unumstritten.

Hohe Wellen wirft auch die Beteiligungsreduktion bei LafargeHolcim durch Dodge & Cox. Der bekannte amerikanische Substanzinvestor hält neuerdings weniger als 3 Prozent am Zementkonzern aus der Ostschweiz und bewegt sich damit unter dem Radar der Öffentlichkeit.

Kursentwicklung der Aktien von LafargeHolcim in den letzten 12 Monaten; Quelle: www.cash.ch

Schon seit Wochen kursierten im hiesigen Handel Spekulationen, wonach sich ein Grossaktionär aus den Aktien von LafargeHolcim zurückziehen wolle. Nun hat dieser endlich einen Namen.

Am diesjährigen Investorentag sah sich der Weltmarktführer vergangene Woche nach mehreren von den Wettbewerbshütern auferlegten Bereichsverkäufen zu einer Reduktion der Mittelfristziele gezwungen. Gleichzeitig kündigte er allerdings eine kräftige Dividendenerhöhung sowie ein Aktienrückkaufprogramm an.

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Schon seit Monaten fristet Sulzer an der Börse ein Mauerblümchendasein - bis heute. Denn mit einer Heraufstufung von "Neutral" auf "Buy" bei einem neu 120 (85) Franken lautenden Kursziel haucht der für Helvea tätige Analyst den Aktien des Winterthurer Traditionsunternehmens frisches Leben ein.

Wie er in einer 22-seitigen Unternehmensstudie schreibt, dürfte der Transformationsprozess zuletzt an Schwung gewonnen haben. In diesem Zusammenhang verspricht sich der Autor eine bessere Ergebnisqualität. Und um seiner Kaufempfehlung den nötigen Nachdruck zu verleihen, erhöht er seine zukünftigen Gewinnschätzungen um durchschnittlich 20 Prozent.

Was der Analyst nicht schreibt: Sulzer gehört hierzulande zu den Gewinnern, sollte der zukünftige US-Präsident Donald Trump sein Wahlversprechen halten und den Unternehmenssteuersatz senken wollen (siehe Kolumne von gestern).

Ende Oktober liefen an der Börse nur noch Wetten im Umfang von 5,7 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen den Industriekonzern. Nach dem Sprung zurück in den dreistelligen Frankenbereich dürften sich die vorwiegend ausländischen Leerverkäufer einmal mehr auf dem Rückzug befinden.

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Eine hohe Dividendenrendite gilt an der Börse seit je her als natürlicher Schutz vor Kursrückschlägen. Ausgerechnet die beliebten Aktien von Swisscom verbannen diese sehr gängige Meinung nun aber ins Reich der Märchen und Fabeln.

Gestern waren die renditestarken Papiere erstmals seit über drei Jahren für weniger als 430 Franken zu haben. Alleine seit Anfang November errechnet sich ein Minus von 5 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf sogar eines von gut 12 Prozent.

Kursentwicklung der Swisscom-Aktien in den vergangenen Tagen; Quelle: www.cash.ch

Schuld sind Grossinvestoren aus dem angelsächsischen Raum. In Erwartung freundlicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen trennen sich diese schon seit Wochen von den als weitestgehend konjunkturunabhängig geltenden Telekommunikationswerten.

Im Zuge dieser Sektorrotationen errechnet sich für die Aktien von Swisscom mittlerweile wieder eine Rendite von mehr als 5 Prozent. Spätestens ab hier scheint das Dividendenargument wieder zu stechen, treten seit gestern Nachmittag doch vermehrt institutionelle Anleger aus der Schweiz als Käufer in Erscheinung.
 

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