Aktionärsgruppe übt harsche Kritik an Syngenta

Eine Gruppe abtrünniger Syngenta-Aktionäre übt einmal mehr harsche Kritik am Verwaltungsrat - Und: Auch weiterhin keine Spur von Einsicht bei CS-Chef Tidjane Thiam.
23.06.2016 12:30
cash Insider
Aktionärsgruppe übt harsche Kritik an Syngenta
Bild: fotolia.com

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Über Monate hinweg wehrte sich der Verwaltungsrat von Syngenta im Sommer letzten Jahres mit Händen und Füssen gegen eine Übernahme durch die amerikanische Monsanto - bis diese entnervt das Handtuch warf. Das war die Geburtsstunde der „Allianz kritischer Syngenta-Aktionäre“. Ihr inoffizielles Ziel: Das Unternehmen zur Schaffung von Aktionärswerten zu drängen, falls nötig mittels eines Verkaufs ins Ausland.

Nach dem Zusammenschluss des langjährigen Partnerunternehmens DuPont mit dem Rivalen Dow Chemical wurde es den Firmenvertretern von Syngenta dann doch etwas zu bunt, weshalb ihnen das milliardenschwere Barangebot von ChemChina gerade recht kam.

Die Arbeit der Aktionärsgruppe war getan, was sie ihre mehr als 160 Mitglieder diesen März in einer Pressemitteilung wissen liess.

Heute Donnerstag meldet sich die "Allianz kritischer Syngenta-Aktionäre" nun überraschend zurück. Einmal mehr erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Verwaltungsrat. Stein des Anstosses ist der derzeit bei nicht weniger als 16 Prozent liegende Abschlag der Aktien gegenüber dem vorliegenden Barangebot von ChemChina.

Die Aktionärsgruppe ist sich des politischen Widerstands gegen diese Übernahmetransaktion in den USA durchaus bewusst. Dennoch fordert sie in Anbetracht der jüngsten Spekulationen rund um einen möglichen Rückzug des chinesischen Käufers eine klare Stellungnahme von Syngenta. Es sei nicht auszuschliessen, dass der Verwaltungsrat den Investoren einmal mehr bewusst wichtige Informationen vorenthalte, so heisst es.

Etwas muss im Argen liegen. Nur so lässt sich die prozentual zweistellige Differenz zwischen dem Barangebot und dem aktuellen Aktienkurs erklären. Sollte sich ChemChina tatsächlich zurückziehen, erwarten Analysten einen Kurstaucher in die Region von 330 bis 350 Franken - natürlich nur sofern keine Gegenofferte eintrifft.

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"Die Aktie der Credit Suisse ist ein Trümmerhaufen", so verschafft sich ein langjähriger Aktionär mir gegenüber Luft. Die Hoffnung, dass bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken unter Tidjane Thiam alles besser wird, hat er längst aufgegeben.

Seit der erfolgsarme Brady Dougan seinem Nachfolger den Chefsessel am Hauptsitz am Paradeplatz übergab, ist der Wert seines ehemaligen Arbeitgebers an der Börse um die Hälfte geschrumpft.

Das schwierige Marktumfeld, von den Vorgängern geerbte Altlasten, über die Stränge schlagende Investmentbanker - muss Thiam mit negativen Neuigkeiten aufwarten, ist immer jemand oder etwas anderes verantwortlich. Das zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch seine knapp einjährige Amtszeit.

Selbst was den Kurszerfall bei der eigenen Aktie anbetrifft, hat der neue Konzernchef eine Erklärung auf Lager: In einer internen Mitteilung schiebt er die Schuld auf die bösen Hedgefonds und ihre Leerverkäufe. "Es laufen ungewöhnlich hohe Wetten gegen unsere Aktie", lässt er seine Mitarbeiter wissen.

Das mag zwar für die in New York gehandelten American Deposit Receipts, kurz ADRs, nicht aber für die an der Schweizer Börse SIX gehandelten Aktien gelten. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, hat die Anzahl leeverkaufter ADRs alleine seit Ende Mai von 9 auf 13 Prozent zugenommen. Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit wollen diesen Trend bei der an der Schweizer Börse SIX gehandelten Kategorie hingegen nicht bestätigen. Angeblich laufen nur gerade Wetten im Umfang von 2,7 Prozent der hiesigen Aktien gegen die Schweizer Grossbank.

Mit dem geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz kann die Credit Suisse eine weitere Kapitalerhöhung elegant umgehen. Dieser hat allerdings seinen Preis, schmälert er doch die zukünftige Ertragskraft. Das Unternehmen bleibt gefordert.

Was den strategischen Kurs von Konzernchef Tidjane Thiam anbetrifft, so zeugt die Mitteilung an die Belegschaft weiterhin kaum von Einsicht.
 

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