Am Tag nach Nestlé - Wo Finanzinvestoren als nächstes zuschlagen könnten

Nach Nestlé könnten weitere bekannte Schweizer Unternehmen zum Ziel ausländischer Finanzinvestoren werden. Der cash Insider nennt mögliche Namen. - Und: Katerstimmung bei Nestlé «am Tag danach».
27.06.2017 12:30
cash Insider
Wo Finanzinvestoren als nächstes zuschlagen könnten
Bild: fotolia.com

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Seit gestern wissen wir: Selbst die Nestlés dieser Welt dürfen sich nicht länger in falscher Sicherheit wiegen. Wie der Einstieg des berüchtigten Hedgefonds Third Point beim Nahrungsmittelhersteller eindrücklich zeigt, können auch sie jederzeit zum Ziel ausländischer Finanzinvestoren werden.

Ein ähnliches Schicksal könnte Novartis ereilen, haftet dem Basler Gesundheitskonzern doch noch immer der zweifelhafte Ruf des "Gemischtwarenladens" an.

Bisweilen wehrten sich Konzernchef Joe Jimenez und Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhard erfolgreich gegen Forderungen aus dem Aktionariat, sich endlich dem schweren Erbe aus der Ära Daniel Vasellas zu entledigen. Einzig was das Sorgenkind Alcon anbetrifft, zeigten sich die beiden einsichtig. Die auf Augenheilmittel spezialisierte Tochtergesellschaft wird einer strategischen Prüfung unterzogen, was in einen Verkauf münden könnte. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass Alcon verselbständigt wird.

Im langjährigen Vergleich können die Aktien von Novartis nicht mit dem SPI schritthalten (Quelle: www.cash.ch)

Ob der kürzliche Überraschungserfolg mit Ilaris bei der Behandlung von Patienten mit Herzkranzarterien-Erkrankungen (siehe Artikel vom 23. Juni) die langjährigen Aktionäre versöhnlich stimmen kann, bleibt fraglich - zumal das kommerzielle Potenzial dieses Präparat weiterhin nur sehr schwer abzuschätzen ist.

Es dürfte deshalb wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich ein findiger Finanzinvestor bei Novartis einkauft und einen radikalen Konzernumbau (Verkauf der Roche-Beteiligung sowie Rückzug aus dem Joint-Venture mit GlaxoSmithKline) fordert.

Als ein mögliches Ziel gilt auch Aryzta. Erst vor gut einer Woche gab sich der bekannte Substanzinvestor Francisco Garcia Parames als Grossaktionär des schlingernden Backwarenherstellers zu erkennen. Findet Aryzta nicht rasch wieder aus den Problemen heraus, könnten Finanzinvestoren nachhelfen.

Nicht ganz so offensichtlich liegt der Fall bei Clariant. Allerdings kam der transatlantische Schulterschluss mit Huntsman nicht bei allen Aktionären gut an. Der amerikanische Rivale sei bestenfalls zweite Wahl, so lautet die oft gehörte Kritik.

Alleine schon in Anbetracht der überschaubaren Strafzahlung, sollte eines der beiden Unternehmen sich aus dem geplanten Zusammenschluss zurückziehen, könnte ein Finanzinvestor versucht sein, Clariant zu einem höheren Preis an einen Dritten zu verkaufen. Im hiesigen Handel werden jedenfalls Beträge von bis zu 28 Franken je Aktie in bar herumgereicht, welche mit einem solchen Vorstoss gegebenenfalls zu erzielen wären.

So unwahrscheinlich das auch sein mag - seit dem gestrigen Tag ist wohl nichts mehr unmöglich...

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Oft wird den Erwartungen an den Aktienmärkten ein ungleich höheres Gewicht beigemessen als den harten Fakten. Das erklärt auch, weshalb die Aktien von Nestlé am gestrigen Tag mit einem Kursfeuerwerk auf den Einstieg von Third Point reagierten (siehe Artikel von gestern).

Denn mit gerademal 1,3 Prozent der Stimmen und ein paar Derivaten im Rücken lässt sich beim Nahrungsmittelkonzern aus Vevey keine Palastrevolution anzetteln. Kommt erschwerend dazu, dass das Nestlé-Aktionariat als stark fragmentiert gilt. Mit anderen Worten: So auf die Schnelle lassen sich wohl keine namhaft beteiligten Verbündete finden...

Die Nestlé-Aktien fallen nach dem Kursfeuerwerk etwas vom Rekordhoch zurück (Quelle: www.cash.ch)

...allerdings kursieren seit gestern Spekulationen, wonach Third Point über den offenen Markt Aktien zukaufe. Für gewöhnlich beteiligt sich der für seine aktive Einflussnahme bekannte Hedgefonds nämlich mit 5 bis 10 Prozent an Unternehmen. Dazu müssten die Amerikaner bei Nestlé mindestens noch einmal 10 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, was bei geschätzten Kundenvermögen von rund 17 Milliarden Dollar nicht einfach mit einem Griff in die Portokasse zu bewerkstelligen wäre.

Klare Worte findet der für Jefferies tätige Analyst. Er schätzt den Einfluss des neuen Nestlé-Aktionärs als ziemlich gering ein und hält grössere Veränderungen spätestens nach dem gestrigen Kurssprung bereits für eingepreist.

In einem weiteren Punkt muss ich dem Analysten Recht geben: Alleine schon aufgrund der traditionsreichen Firmengeschichte ist Nestlé als ein stolzes Unternehmen bekannt und wird als solches wohl kaum einfach so den Forderungen eines vergleichsweise unbedeutenden Anteilseigners nachkommen.

Ich bin deshalb gespannt, ob sich die jüngsten Vorschusslorbeeren als gerechtfertigt erweisen.

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