AMS-Geschäftsleitung glaubt an eigene Aktie

Die Geschäftsleitung von AMS deckt sich mit eigenen Aktien ein - Und: Hat der Grossaktionär Cevian den Auftragsrückgang bei ABB selbst zu verschulden?
27.10.2016 12:30
cash Insider
AMS-Geschäftsleitung glaubt an eigene Aktie
Bild: fotolia.com

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Die Börse kannte am Dienstag keine Gnade und watschte die Aktien von AMS kräftig ab für die enttäuschenden Umsatzprognosen für das Weihnachtsquartal. Bei Handelsende resultierte ein sattes Minus von 13 Prozent.

Schwer lag den Anlegern an diesem Tag auch der mit dem Zahlenkranz bekanntgegebene Kauf von Heptagon für 570 Millionen Euro sowie weiteren 260 Millionen Euro in Form von Meilensteinzahlungen auf dem Magen. Ein solcher Brocken lässt sich finanziell nämlich nicht ohne eine Kapitalerhöhung stemmen.

Zwar konnten die Papiere des Sensorenherstellers seither wieder etwas Boden gutmachen. Allerdings notieren sie noch immer mehr als 10 Prozent unter dem Schlussstand vom Freitag vergangener Woche.

Wie nun Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, deckten sich zwei Personen aus der Geschäftsleitung in die Kursschwäche vom Dienstag hinein mit eigenen Aktien ein. Gekauft wurden einmal 20'000 Aktien zu Kursen um 26 Franken und einmal 500 Aktien zu Kursen knapp unterhalb von 23 Franken.

Die Geschäftsleitungsmitglieder hätten vermutlich nicht Firmenaktien gekauft, würden sie nicht ganz fest an ein Gelingen der Übernahme von Heptagon glauben. Mit umgerechnet rund 530'000 Franken ist ihr Einsatz jedoch überschaubar. Überzeugung sieht anders aus.

Es gibt übrigens sogar Branchenkenner, die hinter der nicht unumstrittenen Grossübernahme eine Abwehrmassnahme gegen eine nicht gewollte Annäherung eines Rivalen aus dem Ausland vermuten. Dabei fällt einmal mehr der Name des finanzkräftigen amerikanischen Halbleitergiganten Texas Instruments.

Ziel verfehlt, ist man geneigt zu sagen. Denn einen besseren natürlichen Schutz vor einer ungewollten Übernahme als eine hoch bewertete eigene Aktie gibt es vermutlich nicht.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diese Erfahrung muss bei ABB heute auch der Grossaktionär Cevian Capital machen. Dass die Aktien des Industriekonzerns aus Zürich heute im Zuge eines enttäuschenden Zahlenkranzes knapp 7 Prozent (Stand 12.30 Uhr) verlieren, kostet die Skandinavier Millionen. Einige Händler können sich ihre hämischen Kommentare folglich nicht verkneifen…

Erst vor wenigen Wochen stiess Cevian Capital mit der Forderung nach einer Abspaltung des Stromübertragungsgeschäfts beim Verwaltungsrat auf taube Ohren.

Mit Blick auf das dritte Quartal sorgt insbesondere der um nicht weniger als 13 Prozent rückläufige und rund 10 Prozent unter dem Umsatz liegende Auftragseingang für Gesprächsstoff. Analysten erklären sich diesen Rückgang mit Projektverzögerungen im Zusammenhang mit einer Investitionsflaute im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sowie mit der Unsicherheit rund um das EU-Referendum in Grossbritannien.

Einen weiteren Aspekt bringt der für Morgan Stanley tätige Berufskollege ins Spiel. Er macht den von Cevian Capital angestossenen Machtkampf im Vorfeld des diesjährigen Investorentages für den Auftragseinbruch verantwortlich. Vermutlich habe dieser Machtkampf bei den Grosskunden zu Zurückhaltung geführt, so schreibt er.

Und tatsächlich ist beim Auftragseingang das Stromübertragungsgeschäft für den Grossteil der Differenz zwischen den effektiven Zahlen und den Analystenerwartungen verantwortlich. Es macht den Anschein, als habe sich der Grossaktionär mit seinem medialen Trommelwirbel in den Wochen vor dem Investorentag ein Kuckucksei ins Nest gelegt.

Bleibt für die Mitarbeiter und die Aktionäre von ABB bloss zu hoffen, dass die Grosskunden ihre Zurückhaltung möglichst bald ablegen und sich die Auftragslage innerhalb nützlicher Frist aufhellt.
 

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