Analyst wähnt Credit Suisse & Co. in der «besten aller Welten»

Ausgerechnet der Analyst einer amerikanischen Grossbank bricht eine Lanze für die Aktien der Credit Suisse & Co. - Schweizer Firmen sind Jäger nicht Gejagte - Und: Umschichtungsempfehlung für die Aktien von Nestlé.
20.03.2017 12:30
cash Insider
Analyst wähnt Credit Suisse & Co. in der «besten aller Welten»
Bild: fotolia.com

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Für viele Beobachter überraschend kletterten die Aktien amerikanischer Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley in den vergangenen Wochen kurzerhand auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Davon können die Aktionäre von UBS und Credit Suisse nur träumen.

Noch immer trennen die Valoren der beiden Schweizer Grossbanken 80 oder noch mehr Prozent von ihren unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08 bezahlten Höchstkursen.

In einer Sektorenstudie wähnt nun ausgerechnet die Citigroup die europäischen Banken in der "besten aller Welten". Der für die mächtige amerikanische Investmentbank tätige Autor sieht den Vorsteuergewinn für Credit Suisse, UBS und & Co. bis Ende 2020 um jährlich zwischen 8 und 12 Prozent anwachsen.

Die Aktien von UBS (grün) und Credit Suisse (rot) bewegen sich über weite Strecken im Gleichschritt (Quelle: www.cash.ch)

Seines Erachtens gehören die Schweizer Grossbankaktien in jedes Aktienportfolio. Beiden traut er einen Anstieg auf mindestens 19 Franken zu - wenn nicht gar auf knapp 24 Franken. Dort nämlich liegt sein theoretisches Kursziel, sollte der Vorsteuergewinn gegebenenfalls sogar um jährlich 15 bis 19 Prozent steigen.

Was der Analyst allerdings nicht schreibt: Die goldenen Tage im Wealth Management - der eigentlichen Paradedisziplin von UBS und Credit Suisse - sind gezählt. Schuld hat auch der faktische Todesstoss für das Bankgeheimnis.

Ich bleibe deshalb dabei: An attraktiv hohen Dividenden interessierte Anleger sind in den hiesigen Versicherungsaktien deutlich besser aufgehoben als in den Bankaktien.

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Der Baselbieter Pharmahersteller Actelion geht an die amerikanische Johnson & Johnson, der Agrarchemiekonzern Syngenta wird nach China verschachert und bei Leonteq und GAM haben sich für ihre aktive Einflussnahme bekannte Finanzinvestoren eingekauft.

Doch nicht nur die Schweizer Unternehmenslandschaft – ganz Europa ist im Umbruch. Diesen Eindruck vermittelt auch ein Strategiepapier der französischen Investmentbank Natixis. Darin werden nicht weniger als 95 der 600 im breit gefassten Stoxx Europe 600 Index berücksichtigten Unternehmen entweder als Jäger oder aber als Gejagte gehandelt.

Anders als der Verkauf von Actelion und Syngenta ins Ausland vermuten lässt, müssen Unternehmen aus der Schweiz im Strategiepapier fast ausschliesslich als finanzkräftige Käufer herhalten.

Einzige Ausnahme ist der problembehaftete Backwarenhersteller Aryzta, welcher zum Ziel von Finanzinvestoren werden könnte (siehe die Kolumne vom 2. März).

Dem Industriekonzern ABB werden hingegen ergänzende Übernahmen im Automationsgeschäft und LafargeHolcim Firmenkäufe in den Schwellenländern nachgesagt. Doch auch der Genfer Luxusgüterhersteller Richemont und der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche sind auf der Liste möglicher Käufer zu finden.

Allerdings zeigt der gescheiterte Übernahmeversuch von Kraft Heinz beim weitaus grösseren Rivalen Unilever, dass sich selbst eine Nestlé nicht in vermeintlicher Sicherheit wiegen darf.

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Beinahe drei Monate sitzt Mark Schneider bei Nestlé nun übrigens schon auf dem Chefsessel. Wer sich unter seiner Führung einen radikalen Umbau des traditionsreichen Nahrungsmittelkonzerns erhofft hatte, wurde bisweilen enttäuscht.

Dass sich etwas tun muss und tun wird, lässt alleine schon die Wahl eines Nachfolgers von Paul Bulcke von ausserhalb des Unternehmens schliessen. Die Verpflichtung Schneiders - er gilt als profunder Kenner der Gesundheitsindustrie - lässt erahnen, in welche Richtung es bei seinem neuen Arbeitgeber in Zukunft gehen wird. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Die Nestlé-Aktien (rot) hinkt dem SPI (grün) hinterher (Quelle: www.cash.ch)

Gerade für die beiden Analysten der australischen Investmentbank Macquarie bläst der Wind des Wandels am Hauptsitz von Nestlé im waadtländischen Vevey zu schwach. Sie raten ihrer gutbetuchten Kundschaft aus den Aktien des SMI-Schwergewichts in jene des Rivalen Unilever umzuschichten. Um dieser Empfehlung auch den nötigen Nachdruck zu verleihen, stufen sie die Papiere von Nestlé mit „Underperform“ und einem 68 (bisher: 67) Franken lautenden Kursziel ein.

Nach der gescheiterten unfreundlichen Übernahme durch den kleineren amerikanischen Nahrungsmittelkonzern Kraft Heinz erhoffen sich die Experten von Macquarie bei Unilever grundlegende Veränderungen und folglich ein prozentual zweistelliges Gewinnwachstum. Nestlé trauen sie hingegen nur ein Gewinnwachstum von jährlich 4 Prozent zu.

Wenn sich die Analysten da bloss nicht irren. Schon bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Fresenius war Mark Schneider immer mal für eine gelungene Überraschung gut. Er weiss eben nicht nur einen Weltkonzern, sondern auch die Erwartungshaltung zu lenken.

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