Analyst warnt bei der «Zürich»-Aktie vor Dividendenkürzungen

Ein Analyst aus dem amerikanischen Raum gewinnt den Aktien von Zurich Insurance nichts Positives ab - Und: Prasselt im kommenden Frühjahr ein Geldregen auf die Aktionäre der Cembra Money Bank hernieder?
22.08.2016 12:30
cash Insider
Analyst warnt bei der «Zürich»-Aktie vor Dividendenkürzungen
Bild: fotolia.com

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Was für ein Einstand für Mario Greco der Zurich Insurance Group. Dem neuen Konzernchef gelingt, was seinem Vorgänger Martin Senn über Jahre hinweg verwehrt blieb: Mit zwei ziemlich überzeugenden Zahlenkränzen in Folge beendet er die Leidensgeschichte der in den letzten Jahren alles andere als erfolgsverwöhnten Aktionäre.

Eigentlich müssten den ausländischen Leerverkäufern langsam aber sicher die Argumente ausgehen, so sollte man meinen können. Allerdings belehrt uns der für Bernstein Research tätige Analyst einmal mehr eines Besseren.

Anders als viele seiner Berufskollegen macht er keine materiellen Verbesserungen im Zusammenhang mit den in der Vergangenheit eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen aus. Und um diesem Umstand gebührend Nachdruck zu verleihen, bleibt der Experte mit seinen Gewinnschätzungen für die nächsten drei Jahre um durchschnittlich 15 Prozent unter den Konsenserwartungen zurück.

Auch was die zukünftige Dividendenpolitik anbetrifft, gibt er sich noch immer nicht geschlagen. Denn obschon die Zurich Insurance Group im zweiten Quartal sogar Reserven auslösen konnte, erachtet er letztere als ungenügend. Vor diesem Hintergrund befürchtet der Analyst eine Kürzung der ordentlichen Dividende, weshalb er die Aktien weiterhin mit "Underperform" zum Verkauf empfiehlt. Wenigstens erhöht er das Kursziel "gnädigerweise" auf 200 (190) Franken.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf einen amüsanten Verschreiber der Nachrichtenagentur Reuters vom Freitag zu sprechen kommen. Diese meldete nämlich folgendes: "Bernstein erhöht das Kursziel auf 200 von 190 Millionen Franken" - da scheint sich doch tatsächlich ein "Millionen" eingeschlichen zu haben.

Womöglich braucht es ein starkes drittes Quartal oder aber ein klares Bekenntnis zur Dividende, damit dieser pessimistische Analyst endlich das Handtuch wirft.

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Die Flut hebt alle Boote - auch am Schweizer Aktienmarkt. Allerdings erreicht die Flut bisweilen nur die Nebenwerte. Diese treibt sie dafür umso kräftiger nach oben.

Nach der Veröffentlichung eines ansprechenden Zahlenkranzes für die ersten sechs Monate wurden Ende letzter Woche nun sogar die als langweilig verschrieenen Aktien der Cembra Money Bank auf den höchsten Stand in der noch jungen Geschichte als Publikumsunternehmen gespült.

Langweilig deshalb, weil die ehemalige Konsumkredittochter des amerikanischen Mischkonzerns General Electric in einem gesättigten und deshalb hart umkämpften Wirtschaftszweig tätig ist.

Der Grund für das Interesse der Anleger: Das reichlich vorhandene Überschusskapital und die Aussicht auf ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm oder eine satte Sonderdividende. Vorausgesetzt natürlich, dass die Cembra Money Bank das Geld nicht für den Kauf eines kleineren Mitbewerbers aufwirft. Gerade in der Schweiz gibt es allerdings nicht mehr so viele, wie der Vontobel-Analyst in einem Kommentar schreibt.

Seinen Berechnungen zufolge wird das Überschusskapital beim bekannten Konsumkreditanbieter bis Ende Jahr auf 93 Millionen Franken anschwellen. Das wiederum entspricht ziemlich genau 3,30 Franken je Aktie - bei einer geschätzten regulären Dividende von 3,40 Franken mehr als nur ein Apropos.

Da überrascht, dass sich der deutsche Versicherungskonzern Allianz schon im Vorfeld der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses von diesen dividendenstarken Aktien getrennt hat. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, vereinte der Grossaktionär zuletzt noch 4,87 Prozent der Stimmen auf sich. In der Spitze kontrollierte er sogar fast 6 Prozent.

In der ersten Jahreshälfte machten sich die Beschränkungen beim Maximalzinssatz erstmals bemerkbar. Womöglich wird es aber noch eine ganze Weile dauern, bis das ganze Ausmass dieses regulatorischen Einschnitts sichtbar wird. Bis dahin dürfen sich die Aktionäre jedoch an der attraktiv hohen regulären Dividende erfreuen. Und wer weiss - vielleicht winkt ihnen darüber hinaus ja sogar ein kleiner Zustupf aus der "Kriegskasse"?

 

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