Analystenstimmen - Tage der Umstufungen am Schweizer Aktienmarkt

Der cash Insider berichtet von Umstufungen bei den Aktien von Straumann, Swisscom, Dormakaba und GAM - Und: Sensorenhersteller AMS im Gerüchtestrudel.
12.12.2017 12:30
cash Insider
Tage der Umstufungen am Schweizer Aktienmarkt
Bild: fotolia.com

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Von wegen besinnliche Adventszeit: Seit gestern folgt am Schweizer Aktienmarkt eine Aktienumstufung auf die nächste.

Hohe Wellen wirft insbesondere eine Studie von Morgan Stanley zur Medizinaltechnikindustrie. Darin begehen die Autoren um den bekannten Michael Jungling einen Tabubruch. Der Grund: Sie stufen die überaus beliebten Aktien von Straumann aus Bewertungsgründen von "Overweight" auf "Equal-weight" herunter. Das Kursziel lautet wie bis anhin 747 Franken.

Das macht die Studienautoren zu Wiederholungstätern, liessen sie doch erst vor wenigen Wochen mit einer Verkaufsempfehlung für die Valoren des Hörgeräteherstellers Sonova einen Aufschrei durch unser Land gehen.

Knüppeldick kommt es auch für die dividendenstarken Aktien von Swisscom. Nach der taktischen Herunterstufung von "Buy" auf "Neutral" bei einem Kursziel von 570 (zuvor 600) Franken durch die Citigroup legt heute Merrill Lynch nach. Der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst zieht das Kursziel zwar leicht auf 495 (bisher 490) Franken nach, spricht mit "Underperform" gleichzeitig jedoch eine Verkaufsempfehlung aus. Die Valoren des Telekommunikationsunternehmens aus Bern seien weit über das Ziel hinausgeschossen, so lässt er durchblicken.

Unmissverständliche Worte findet auch Fabian Haecki von der UBS. In einer Unternehmensstudie stuft er die Aktien des Anlegerlieblings Dormakaba von "Neutral" auf "Sell" herunter. Und um seiner Verkaufsempfehlung den nötigen Nachdruck zu verleihen, streicht der bekannte Analyst das 12-Monats-Kursziel auf 760 (zuvor 895) Franken zusammen.

Die Aktien von Dormakaba (rot) und Straumann (grün) sind in den vergangenen zwölf Monaten beide gut gelaufen. (Quelle: www.cash.ch)

Haecki hält das Sicherheitstechnikunternehmen nach allen Massstäben für überbewertet. Damit spielt er nicht zuletzt auf den Bewertungsaufschlag von rund 40 Prozent zum Erzrivalen Assa Abloy an. Dem Analysten zufolge schenken viele seiner Berufskollegen in ihren Bewertungsmodellen den Minderheiten zu wenig Beachtung.

In die andere Richtung geht es heute einzig für die Aktien von GAM. Die für die Citigroup tätige Autorin einer Branchenstudie stuft die Aktien des Vermögensverwalters aus Zürich mit einem leicht höheren Kursziel von 16,90 (bisher 16,50) Franken von "Neutral" auf "Buy" herauf.

Sie rechnet ab dem kommenden Jahr mit einer kräftigen Gewinnbelebung, getragen von einem anhaltenden Nettoneugeldzufluss sowie steigenden erfolgsabhängigen Gebühreneinnahmen.

Mit dieser Häufung an Umstufungen hebt sich die Adventszeit in diesem Jahr von früheren Jahren ab. An der Börse beginnt jeweils ab Januar ein neues Spiel, so sagt man. Gut möglich, dass die Karten in wenigen Wochen etwas stärker gemischt werden als sonst.

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Seit Wochen liefern sich Haussiers und Baissiers bei den Aktien von AMS einen Schlagabtausch. Ganze drei Anläufe brauchten die Baissiers mit ihrem orchestrierten Angriff, um die Valoren des Sensorenherstellers wieder in den zweistelligen Frankenbereich zu drücken (siehe "«Coup» der Leerverkäufer bei AMS vorerst vereitelt" vom 28. November).

Beide Lager versuchen nun, die Anleger mit gezielt gestreuten Desinformationen für ihre Sache zu gewinnen. Fast täglich machen wieder neue, einander nicht selten widersprechende Spekulationen die Runde. Man weiss mittlerweile gar nicht mehr, was und wem man eigentlich noch glauben soll.

Am Freitag gelang es den Haussiers erstmals wieder, die Baissiers in die Defensive zu drängen und ein Kursfeuerwerk zu zünden. Von einer bevorstehenden Erhöhung der mittelfristigen Zielvorgaben war zu hören, genauso wie von einem möglichen Einstieg eines strategischen Investors aus China.

Heute nun holen die Baissiers zum Gegenschlag aus. Aus Asien treffen Berichte ein, wonach bei dortigen Apple-Zulieferern die Bestellungen von Komponenten für das Jubiläumsmodell iPhone X im November um rund 30 Prozent hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben seien. Und: Im laufenden Monat habe sich die Auftragslage bei einigen asiatischen Zulieferern weiter verschlechtert.

Seit Tagen unterliegen die AMS-Aktien starken Kurs- und Stimmungsschwankungen. (Quelle: www.cash.ch)

Auch AMS beliefert Apple. Im Zuge der Übernahme von Heptagon im letzten Jahr dürfte die Abhängigkeit vom amerikanischen Kultunternehmen sogar noch gewachsen sein.

Die Baissiers verfügen beim zuletzt äusserst erfolgreichen Sensorenhersteller über einen entscheidenden Vorteil: Als Zulieferer von Apple und anderen Branchengrössen ist AMS vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Kundenspezifische Aussagen sind strikt untersagt. Dementsprechend schwierig fällt es dem Unternehmen, auf solche Spekulationen zu reagieren...
 

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