Angelsächsische Grossinvestoren - Zurich-Aktien werden still und leise gesammelt

Wie der cash Insider berichtet, greifen «starke angelsächsische Hände» nach den dividendenstarken Aktien der Zurich Insurance Group - Und: Trennt sich Swisscom von Fastweb?
10.09.2018 12:30
cash Insider
Zurich-Aktien werden still und leise gesammelt
Bild: fotolia.com

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Seit Wochen verharren die Aktien der Zurich Insurance Group in Lauerstellung. Für eine Rückkehr auf über 300 Franken fehlte den Papieren schlichtweg die Kraft.

Ein kleiner Trost bleibt den Aktionären, selbst wenn sich der Kurs kaum von der Stelle bewegt. Mit jedem neuen Tag rückt ihre Bescherung näher. Die ist zwar noch nicht an Weihnachten, sondern knapp vier Monate später, wenn die traditionsreiche Versicherungsgruppe ihre Jahresdividende ausbezahlt.

Wie mir aus London berichtet wird, greifen "starke angelsächsische Hände" bei Kursen unter 300 Franken - still und leise - nach den Aktien der Zurich Insurance Group.

Käufer sind folglich keine kurzfristig denkenden Hedgefonds, die sich bei der erstbesten Gelegenheit wieder verabschieden, sondern grosse Anlagefonds. Angeblich setzt sich bei diesen endlich die Erkenntnis durch, dass Versicherungsaktien die besseren Finanzwerte (als Bankaktien) sind.

Bei den Zurich-Aktien ist seit Wochen "Treten an Ort" angesagt (Quelle: www.cash.ch)

Das wiederum würde erklären, weshalb die europäischen Bankaktien trotz Liebesbekundungen seitens von J.P. Morgan oder der Citigroup einen schweren Stand haben (siehe Citigroup rät zum Kauf von Bankaktien vom 17. August und Sind Bankaktien eine kurze Wette wert? vom 4. September).

Ich predige schon seit Jahren bei jeder erst besten sich bietenden Gelegenheit, dass an hohen Dividenden interessierte Anleger in Aktien wie jenen der Zurich Insurance Group oder Swiss Re deutlich besser aufgehoben sind, als in irgendwelchen Bankaktien.

Umso mehr freut es mich, wenn auch angelsächsische Grossinvestoren endlich zur Vernunft kommen.

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Nicht Milch und Honig fliessen im Schlaraffenland der Schweizer Telekommunikationsunternehmen, sondern harte Franken. In keinem anderen Land der Welt bezahlen Abonnentinnen und Abonnenten mehr für Mobilfunk, Internet und Digitalfernsehen.

Noch bis vor wenigen Jahren schien man vergebens auf Preisoffensiven von Sunrise, Salt und Co. zu warten. Leben und leben lassen, so lautete das ungeschriebene Gesetz zwischen der unangefochtenen Marktführerin Swisscom und ihren Rivalen.

Allerdings fliessen die Franken gerade bei Swisscom nicht mehr ganz so üppig wie auch schon. Mit gezielten Nadelstichen machen die Rivalen der einstigen Monopolistin im Heimmarkt zusehends das Leben schwer.

Es war denn auch die stark wachsende italienische Tochter Fastweb, die eine stärkere Erosion beim Konzernumsatz und –gewinn verhinderte. Das einstige Sorgen- wuchs zu einem Vorzeigekind heran.

Selbst Fastweb muss sich nun aber warm anziehen. Schuld hat der französische Milliardär Xavier Niel. Seit wenigen Wochen rollt er mit seinem Telekommunikationsimperium Iliad den italienischen Markt von hinten auf. In dieser Disziplin ist Niel der ungekrönte König. Dass der französische Milliardär ausgerechnet jetzt die Hälfte seiner Iliad-Aktien verpfändet, schreit geradezu nach einer Erklärung.

Niel könnte an Fastweb interessiert sein, so munkelt man in unserem südlichen Nachbarland. Swisscom zahlte einst mehr als 6 Milliarden Franken für die Tochter. Wieviel sie heute wert sein könnte, darüber lässt sich bloss mutmassen. Fakt ist: Im laufenden Jahr dürfte Fastweb bei einem geschätzten Umsatz von 2,3 Milliarden Franken einen operativen Gewinn (EBITDA) von 780 Millionen Franken zum Gruppenergebnis beisteuern. Davon leitet sich ein theoretischer Unternehmenswert von 7 bis 8 Milliarden Franken ab - wobei der strategische Nutzen noch höher liegen könnte.

Die Aktien von Swisscom haben seit Freitag wieder etwas Auftrieb (Quelle: www.cash.ch)

Wie einem Kommentar der französischen Investmentbank Oddo entnommen werden kann, sind Übernahmeabsichten für Fastweb allerdings nur eine mögliche Erklärung. Der Autor hält auch für möglich, dass Niel sein Telekommunikationsimperium Iliad von der Börse nehmen oder die Minderheiten bei den Tochtergesellschaften auskaufen könnte.

Wenn sich in der europäischen Telekommunikationslandschaft etwas mit Verlässlichkeit sagen lässt, dann dass diese sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird. Selbst bei den Beteiligungsverhältnissen bei Swisscom ist nichts in Stein gemeisselt (siehe Auch bei diesen Firmen drohen Aktienplatzierungen vom 30. August).

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