Angriff der Leerverkäufer - Heftiger Schlagabtausch in den Zurich-Aktien

Der cash Insider mit den Hintergründen eines heftigen Schlagabtauschs in den Aktien von Zurich Insurance - Und: derivatgetriebener Höhenflug bei der VAT Group.
04.04.2017 12:30
cash Insider
Heftiger Schlagabtausch in den Zurich-Aktien
Bild: fotolia.com

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In den letzten Jahren dauerte es jeweils eine ganze Weile, bis die Aktien der Zurich Insurance Group den satten Dividendenabgang wieder wettmachen konnten. Vermutlich wittern mächtige ausländische Leerverkäufer beim traditionsreichen Industriekonzern aus Zürich wieder Morgenluft.

Denn wie mir mehrere voneinander unabhängige Quellen berichten, liefern sich die Baissiers schon seit Tagen einen heftigen Schlagabtausch mit den Haussiers. Dabei sind ihnen alle Mittel recht.

Nachdem der Zurich Insurance Group in den vergangenen Monaten zuerst ein Interesse an Generali (siehe Kolumne vom 24. Januar) und dann an der amerikanischen Hartford Financial (siehe Kolumne vom 14. März) nachgesagt wurde, erhob der für Alliance Bernstein tätige Versicherungsanalyst letzte Woche lautstark die Stimme gegen Mario Greco (siehe Kolumne vom 31. März). Der Konzernchef zögere die längst überfälligen Nachreservierungen im amerikanischen Firmenkundengeschäft unnötig heraus, so sein Vorwurf.

Spätestens seit dem Dividendenabgang ist bei den Zurich-Aktien "der Wurm drin" (Quelle: www.cash.ch).

Nun sorgt der Experte erneut für Gesprächsstoff. In einer Sektorenstudie warnt er vor steigenden Asbest-Verbindlichkeiten. Neben Allianz, Swiss Re und Munich Re zählt auch der Versicherungskonzern aus Zürich zu den betroffenen Unternehmen. Wenig überraschend fühlt sich der Analyst von Alliance Bernstein davon in seiner "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung sowie im Kursziel von 230 Franken bestärkt. Brisant dabei: Alliance Bernstein gehört dem französischen Rivalen Axa.

Doch nicht nur die Baissiers, auch die Haussiers erhalten heute prominente Unterstützung: Ebenfalls in einer Sektorenstudie nimmt Goldman Sachs die Wiederabdeckung der Aktien der Zurich Insurance Group mit "Conviction Buy" und einem 320 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel auf.

Die Studienautoren wähnen das Unternehmen - in Anlehnung an eine alte irische Sage - am Ende des Regenbogens. Dabei steht der randvoll mit Gold gefüllte Topf stellvertretend für die grosszügige Dividendenpolitik. Bei der amerikanischen Investmentbank verspricht man sich alleine schon angesichts des milliardenschweren Überschusskapitals eine jährliche Ausschüttung von 17 Franken je Aktie oder mehr.

Für gewöhnlich sorgen vergleichbare Empfehlungen von Goldman Sachs in den betroffenen Valoren schon am Tag vor deren Bekanntwerden für ein Kursfeuerwerk. Im Zuge der Asbest-Thematik gingen die Aktien der Zurich Insurance Group gestern allerdings als einer der schwächsten Vertreter des Swiss Market Index (SMI) aus dem Handel. Und auch die heutige Gegenbewegung fällt überraschend mager aus.

Wie mir gesagt wird, laufen vermehrt wieder Wetten gegen den hiesigen Versicherungskonzern. Das im Securities Lending & Borrowing angebotene Titelpensum scheint noch lange nicht ausgeschöpft, was weitere Leerverkäufer auf den Plan rufen könnte. Grund zur Sorge besteht aus Anlegersicht dennoch nicht.

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In weniger als zwei Wochen jährt sich die Publikumsöffnung der VAT Group. Mit einem fast um 160 Prozent über dem damaligen Ausgabepreis liegenden Aktienkurs zählt das Börsendebüt des Herstellers von Vakuumventilen schon heute zu den erfolgreichsten in der Schweizer Geschichte.

Seit gestern sorgen einmal mehr UBS und J.P. Morgan für Musik in den Papieren. Nach einer Road-Show mit den Firmenvertretern bezeichnet der für die Schweizer Grossbank tätige Analyst die diesjährigen Wachstumsprognosen als konservativ. Deshalb bleibt er trotz dem bereits erreichten 12-Monats-Kursziel von 115 Franken bei seiner Kaufempfehlung.

Aktienkursentwicklung der VAT Group (rot) im Vergleich mit den Warrants UDVATU (grün) und VATUBU (violett) (Quelle: www.cash.ch).

Sein Berufskollege geht sogar noch einen Schritt weiter und hebt sein Kursziel für die mit "Overweight" eingestuften Aktien auf 125 (bisher 115) Franken an. Wie er schreibt, sind die strukturell bedingten Wachstumstreiber bei der VAT Group noch bis mindestens 2019 intakt.

Interessant ist, dass der jüngste Höhenflug beim erfolgreichen Börsendebütanten von den Derivaten ausgeht. Denn schon seit Tagen berichten mir Beobachter von aggressiven Käufen in Call-Warrants wie UDVATU oder VATUBU. Wie es weiter heisst, gehen diese Handelsaktivitäten auf das Konto hiesiger Kleinanleger - was immer man mir damit auch sagen will.
 

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