Angst vor Repressalien - Credit Suisse: Wird Grossaktionär Katar zum Problem?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob die Credit Suisse im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten mit Konsequenzen rechnen muss - Und: Traditionsbank empfiehlt die Aktien von Clariant neuerdings zum Kauf.
06.06.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse: Wird Grossaktionär Katar zum Problem?
Bild: fotolia.com

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Wenige Tage ist es her, dass eine Offenlegungsmeldung der Credit Suisse an die Schweizer Börse SIX hohe Wellen warf. Denn wie der Meldung zu entnehmen war, hat der Grossaktionär Katar zuletzt Aktien der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken zugekauft (siehe Kolumne vom vergangenen Donnerstag).

Nun gerät ausgerechnet der Wüstenstaat selber in die Schlagzeilen. Ihm wird im Zusammenhang mit millionenschweren Lösegeldzahlungen Terrorismusfinanzierung vorgeworfen. Dieser Vorwurf ist nicht neu, wiegt aber schwer - und könnte auch für die Credit Suisse zum Problem werden.

Gerade in den Vereinigten Staaten drohen der Grossbank aufgrund ihres Grossaktionärs gegebenenfalls sogar Repressalien. Die dortigen Behörden sind geradezu berüchtigt dafür, dass ihnen der Revolver locker im Halfter sitzt. Erst wird geschossen, dann gefragt...

Die Aktien der Credit Suisse legen seit Freitag wieder den Rückwärtsgang ein (Quelle: www.cash.ch).

Doch auch eine Beteiligungsreduktion durch Katar schliessen Händler nicht kategorisch aus. Die seitens von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain gegen den wohlhabenden Wüstenstaat verhängten Wirtschaftssanktionen könnten Katar dazu zwingen, Teile seines Tafelsilbers zu verscherbeln.

Mit einem Stimmenanteil von 17,98 Prozent sind die Katari der mit Abstand grösste Aktionär der Credit Suisse. 12,97 Prozent der Stimmen halten sie über hochverzinste Pflichtwandelanleihen. Die Differenz entfällt auf Namenaktien der Grossbank.

Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten versetzen der Euphorie rund um die Beteiligungserhöhung von vergangener Woche einen ziemlichen Dämpfer. Vermutlich sehen gerade die amerikanischen Leerverkäufer im nicht unumstrittenen Grossaktionär einen Freifahrtschein für neue Wetten gegen die in New York gehandelten Aktien der Credit Suisse.

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Konzernchef Hariolf Kottmann muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Will man nämlich Stimmen aus dem Umfeld seines Arbeitgebers Clariant Glauben schenken, dann stösst der geplante Zusammenschluss mit Huntsman gar in den eigenen Reihen auf Widerstand. Die transatlantische Hochzeit komme zu früh und erst noch mit einer nur mässig attraktiven Braut, so lautet der Tenor (siehe Kolumne vom 30 Mai).

Immerhin einen Etappensieg darf Kottmann für sich verbuchen: Dank tatkräftiger Unterstützung des redegewandten Peter Huntsman ist es ihm in den letzten Tagen gelungen, einige hochkarätige Analysten für sein Vorhaben zu begeistern. Dass die angestrebten Synergien von 400 Millionen Dollar von den beiden Firmenlenkern als konservativ bezeichnet werden, lässt die Analystenaugen glänzen.

Die Aktien von Clariant sind wieder auf dem Stand vom Tag vor der Bekanntgabe des Zusammenschlusses angelangt (Quelle: www.cash.ch).

Und wo das Synergie-Argument nicht greift, hilft das zuletzt überraschend schwache Abschneiden der Aktien der beiden heiratswilligen Spezialitätenchemiehersteller. So machte sich am Freitag der für Julius Bär tätige Experte die allgemeine Skepsis zunutze, um die Valoren von Clariant mit einem neu 25 (bisher 21) Franken lautenden Kursziel von "Hold" auf "Buy" heraufzustufen.

Der Analyst räumt zwar ein, dass der Zusammenschluss mit Huntsman nicht so recht zur Neuausrichtung auf hochmargige Geschäftsfelder der letzten Jahre passe. Allerdings rechnet er mit einem raschen Vollzug der transatlantischen Hochzeit und folglich schon ab dem kommenden Jahr mit der Abschöpfung erster Synergien.

Alleine schon deshalb haben die Aktien der beiden heiratswilligen Unternehmen höhere Kursnotierungen verdient. Eine Gratis-Option bleibt aus Sicht der Clariant-Aktionäre eine attraktivere Gegenofferte eines finanzkräftigen Rivalen. Denn soviel ich weiss, wurde keine sogenannte Break-up-Fee zwischen den Baslern und den Amerikanern vereinbart...
 

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