Angst vor Verkaufsdruck - Fällt ABB aus einem beliebten Aktienindex?

Den Aktien von ABB droht ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Verbleib im viel beachteten Stoxx 50 Index - Und: Steckt weniger AMS in den neuen iPhones als ursprünglich gedacht?
13.11.2018 12:30
cash Insider
Fällt ABB aus einem beliebten Aktienindex?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Seit gestern liefern sich die Baissiers in den Aktien von ABB einen Schlagabtausch mit den Haussiers. Gelingt es ersteren, die Notierungen beim Industriekonzern aus Zürich wieder auf unter 20 Franken zu drücken, könnten die Mehrjahrestiefstkurse von Ende Oktober bei etwas mehr als 19 Franken wieder in den Vordergrund rücken.

Geht es nach der Commerzbank, haben die Baissiers einen entscheidenden Trumpf im Ärmel: Denn nach dem transatlantischen Zusammenschluss zwischen den beiden Gaskonzernen Praxair und Linde ist dem daraus hervorgehenden Weltmarktführer schon in wenigen Wochen eine ausserordentliche Aufnahme in den Stoxx 50 Index so gut wie sicher.

Platz machen müssen entweder Barclays (Indexgewicht 0,918 Prozent), Intesa Sanpaolo (Indexgewicht 0,921 Prozent) oder aber ABB (Indexgewicht 0,927 Prozent). Das zumindest schreibt Commerzbank-Analyst Achim Matzke.

Kursentwicklung der Aktien von ABB über die letzten drei Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Sollte ABB aus dem viel beachteten Börsenbarometer fallen, müssten sich indexorientierte Grossinvestoren und die Anbieter börsengehandelter Indexfonds von den Titeln des Industriekonzerns trennen. Das wiederum bliebe nicht ohne Folgen für die Kursentwicklung. Noch ist das letzte Wort allerdings nicht gesprochen. Bis Ende November dürften sich die drei vom Ausscheiden bedrohten Aktien ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Bei einem Ausscheiden aus dem Stoxx 50 Index wäre ABB übrigens in guter Gesellschaft. Zuvor ereilte dieses Schicksal nämlich schon den Luxusgüterkonzern Richemont, die Grossbank Credit Suisse sowie den von ChemChina übernommenen Saatguthersteller Syngenta.

+++

Noch vor wenigen Wochen waren sich die Analysten einig: Die Aktien des Sensorenherstellers AMS sind ein klarer Kauf - wobei mit geradezu abenteuerlich hohen Kurszielen von bis zu 200 Franken jongliert wurde.

Davon sind die Papiere meilenweit entfernt. Und auch in Expertenkreisen gibt man sich mittlerweile geläutert. Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge raten nur noch neun von 14 Analysten zum Kauf der Aktien. Das überrascht, liegt der Durchschnitt aller Kursziele mit gut 84 Franken doch noch immer substanziell über den zuletzt bezahlten Kursen.

Mitunter ein Grund: Angeblich verkauft sich die neuste Generation des iPhones beim Kultunternehmen Apple schleppender als erhofft. Dass der amerikanische Grosskunde die Absatzzahlen zukünftig nicht mehr nach einzelnen Gerätekategorien aufschlüsseln will, scheint diese Vermutung jedenfalls bestätigen zu wollen. Dasselbe gilt für die einschneidende Umsatz- und Gewinnwarnung des Zulieferers Lumentum von gestern Nachmittag.

Aufstieg und Fall der AMS-Aktien über die letzten zwei Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Als ob das nicht schon genug wäre, häufen sich die Anhaltspunkte, wonach weniger Komponenten aus dem Hause AMS in die neuen iPhone-Modelle verbaut wurden als bisweilen angenommen. Näheres verrät ein im Fachjargon auch "Tear-down" genannter Rückbau der neuen iPhone-Modelle durch Nicolas Gaudois von der UBS. Darf man dem bekannten Technologieanalysten Glauben schenken, dann steuert AMS über das Tochterunternehmen Heptagon gerademal eine Komponente im Gegenwert von 3 Dollar zum Gerät bei.

Auszug aus dem "Tear-down" für das iPhone XS (Quelle: UBS Investmentbank)

Zum Vergleich: Ins Vorgängermodell iPhone X waren Schätzungen zufolge gar Komponenten im Gegenwert von rund 5,50 Dollar verbaut.

Die hohe Abhängigkeit vom Grosskunden Apple rächt sich für AMS deshalb gleich doppelt: Zum einen scheint das amerikanische Kultunternehmen rückblickend den Absatz der neuen iPhone-Modelle überschätzt zu haben und zum anderen steckt wohl "weniger AMS in den neuen iPhones" als gedacht.

Nach dem Kursdesaster von gestern werden die Aktien des einstigen Anlegerlieblings auf den nächstjährigen Konsensschätzungen mit einem geradezu günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 6 bewertet. Vermutlich sind die dieser Berechnung zugrundeliegenden Schätzungen allerdings zu optimistisch und bedürfen einer Überarbeitung mit dem dicken Rotstift...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.