Apple-Aktie fällt vorbörslich unter 500 Dollar

Die Apple-Aktie fällt im vorbörslichen Handel unter 500 Dollar - Die Restrukturierung des Strominfrastrukturgeschäfts von ABB wird kritisch beurteilt – Und: Actelion trotz Opsumit ohne Wachstumsfantasien.
17.12.2012 14:00
cash Insider
Apple-Aktie fällt vorbörslich unter 500 Dollar
Bild: cash

Apple ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie rasch auch ein Börsenliebling am Markt in Ungnade fallen kann. Nach dem Rückschlag vom Freitag kratzen die Aktien des amerikanischen Technologieunternehmens heute im vorbörslichen Handel an der psychologisch wichtigen Marke von 500 Dollar.

In einer vor dem Wochenende erschienenen Studie kündigt mit der Citigroup ein erstes mächtiges amerikanisches Bankinstitut Apple die Liebe. Der Studienverfasser stuft die Papiere von «Buy» auf «Hold» zurück. Gleichzeitig streicht der Experte das Kursziel auf 575 (675) Dollar zusammen.

Aufgrund von Hinweisen aus der Wertschöpfungskette des Unternehmens gebe es berechtigte Zweifel am kommerziellen Erfolg des iPhone 5. Gleichzeitig  decke der Markteintritt schonungslos die Risiken der Investmentthese auf, so der Experte.

Mit ihren neuen Gewinnschätzungen für die Jahre 2012/13 bis 2014/15 liegt die Citigroup neu denn auch um 12 bis 17 Prozent unter den jeweiligen Konsensschätzungen des Marktes. Oder um es anders auszudrücken: Während seine Berufskollegen über die kommenden drei Jahre von einem jährlichen Gewinnwachstum von rund 15 Prozent ausgehen, prognostiziert der Experte der Citigroup einen gerademal halb so starken Gewinnzuwachs.

Ich argumentiere schon eine Weile, dass sich Apple immer wieder neu erfinden muss, um an den Erfolg der letzten Jahre anzuknüpfen. Gleichzeitig drängen immer mehr Anbieter mit konkurrenzfähigen Produkten in den lukrativen Wachstumsmarkt, was unweigerlich zu einer Intensivierung des Wettbewerbs führt.

Einen ersten in diese Richtung gehenden Hinweis liefert Walmart. Die amerikanische Supermarktkette kündigte am Freitag einschneidende Preisnachlässe auf Produkten aus dem Hause Apple an. Diese Preisnachlässe beschränkten sich zu meinem Erstaunen nicht nur auf das iPhone 4S und die vierte Generation des iPad. Walmart senkte auch den Preis für das iPhone 5 von 199 auf 127 Dollar. Noch nie wurden den Konsumentinnen und Konsumenten so kurz nach dem Verkaufsstart solch umfangreiche Preisnachlässe gewährt wie bei der aktuellsten Version des iPhones. Für mich ist die Nervosität des Marktes rund um die Aktien von Apple deswegen durchaus nachvollziehbar.

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ABB kann es einigen wenigen Analysten derzeit schlichtweg nicht recht machen. In zwei mir aus dem Berufshandel zugetragenen Kommentaren wird die vom in Zürich niedergelassenen Industrieunternehmen am Freitag bekannt gegebene Restrukturierung der Division Power Systems überraschend kritisch beurteilt.

Der für die Deutsche Bank tätige Experte begrüsst die bekannt gegebenen Massnahmen zwar grundsätzlich. Allerdings führe der in diesem Bereich in Zukunft tiefere Umsatz dazu, dass die Gewinnentwicklung trotz Margenverbesserungen kaum höher ausfallen werde. Ausserdem befürchtet der Experte in den Absatzmärkten noch immer Überkapazitäten und Preisdruck. Er empfiehlt die Aktien von ABB deshalb weiterhin mit einem Kursziel von 15 Franken zum Verkauf.

Auch sein Berufskollege von JP Morgan will sich nicht so recht für die mit «Underweight» und einem Kursziel von 19 Franken eingestuften Papiere erwärmen. Die am Freitag angekündigte Neuausrichtung der Division Power Systems gehe grundsätzlich in eine gute Richtung. Gründe für einen Einstieg sieht der Experte dennoch keine.

Dass sich die Firmenverantwortlichen von ABB den Problemen des Sorgenkinds Power Systems aktiv annimmt, ist positiv zu werten. Völlig überraschend kommt die Neuausrichtung dieser Division allerdings nicht. Spätestens seit einem kürzlichen Nachtessen des neuen CFO mit Analysten war klar, dass ein solcher Schritt früher oder später kommen würde. Ich bin überzeugt, dass die Neuausrichtung glücken und den Turnaround in diesem spätzyklischen Geschäftsbereich vorantreiben wird.

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Nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA am Freitag den von Actelion für das Medikament Opsumit gestellten Zulassungsantrag akzeptiert hatte, gerieten die Namenaktien des Allschwiler Biotechnologiekonzerns unter Verkaufsdruck.

Darf man den mir aus dem Berufshandel zugetragenen Wortmeldungen Glauben schenken, dann traten im Laufe des Freitagnachmittags prominente angelsächsische Fonds als Verkäufer in Erscheinung.

Für Actelion ist die Akzeptanz des Zulassungsantrags zweifelsohne ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Markteinführung des Nachfolgepräparats von Tracleer. Allerdings gibt es berechtigte Zweifel, ob das Unternehmen dank Opsumit wieder auf den Wachstumspfad zurückfinden wird.

Öl ins Feuer goss diesbezüglich kürzlich der für Merrill Lynch tätige Experte. Er schätzt den Spitzenumsatz von Opsumit auf jährlich 900 Millionen Franken. Dabei stützt sich der Experte auf einen zukünftigen Marktanteil von 40 Prozent ab. Der mit Opsumit zu erzielende Umsatz reiche nicht aus, um den bei Tracleer zu erwartenden Umsatzzerfall von derzeit 1,5 Milliarden Franken auf 400 Millionen Franken im Jahre 2020 aufzufangen, so der Experte weiter.

In den USA wird Opsumit voraussichtlich gegen Ende Oktober 2013 auf den Markt kommen. Entgegen anders lautenden Erwartungen machte die amerikanische Gesundheitsbehörde bisher keine Anstalten, Actelion ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zuzusichern. Ohne ein solches spricht bei Actelion derzeit nichts für einen höheren Aktienkurs.