Arbitrageur bringt sich bei Vögele in Stellung

Ein berüchtigter Arbitrageur bringt sich bei Charles Vögele in Stellung - Barry Callebaut öffnet Spekulationen Tür und Tor - Und: Erhält Ascom zu Recht Vorschusslorbeeren?
03.11.2016 12:30
cash Insider
Arbitrageur bringt sich bei Vögele in Stellung
Bild: fotolia.com

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"Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende" dürfte man sich beim Migros-Genossenschafts-Bund wohl gedacht haben. Seit dem Wochenende ist bekannt, dass auch der einst mit Abstand grösste Einzelaktionär von Charles Vögele der Investorengruppe um die italienische Modekette OVS seine Aktien angedient hat.

Mit 6,38 Franken je Aktie in bar erhält der orange Detailhandelsriese für diese allerdings nur noch den Gegenwert eines Butterbrotes. Wie mir Händler hinter vorgehaltener Hand verraten, vermuten sie den seinerzeitigen Einstandskurs bei über 80 Franken. Rückblickend war der Einstieg des Migros-Genossenschafts-Bundes bei Charles Vögele vor allem eines: ein ziemlich kostspieliges Abenteuer.

Hohe Wellen wirft heute eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX. Wie dieser entnommen werden kann, hat sich Oddo Meriten beim traditionsreichen Modekonzern über die vergangenen Wochen ein 4,2-Prozent-Paket geschnürt.

Der französische Vermögensverwalter ist hierzulande kein unbeschriebenes Blatt. Im Zuge der Übernahme von Micronas durch die japanische TDK ging er beim Halbleiterhersteller aus Zürich genauso vor, was nun auch bei Charles Vögele Arbitragetransaktionen vermuten lässt. Mit anderen Worten: Oddo Meriten sammelt zu Kursen unter dem Barangebot von 6,38 Franken fleissig Aktien zusammen, um diese dann der Investorengruppe mit einem kleinen, wenn auch feinen Gewinn andienen zu können. Ganz nach der Devise: Auch Kleinvieh macht Mist.

Graue Haare muss man sich bei der Investorengruppe um die italienische Modekette OVS jedenfalls nicht wachsen lassen. Dass der neue Vögele-Aktionär aus Frankreich ihr das Leben schwer machen und ein höheres Angebot erzwingen könnte, gilt als sehr unwahrscheinlich.

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Gestern informierte der Schokoladehersteller Barry Callebaut die Öffentlichkeit über die Geschäftsentwicklung des Fiskaljahres 2015/16. Mehr beiläufig gab das Unternehmen zudem den Rücktritt seines Verwaltungsratspräsidenten Andreas Jacobs bekannt. Er wird dem einstigen Konzernchef Patrick De Maeseneire Platz machen.

Im vergangenen Jahr trat De Maeseneire von seinem Chefposten beim Stellenvermittler Adecco zurück, um dieselbe Position bei der Jacobs Holding zu bekleiden. Mit der gestern bekanntgewordenen Personalrochade schliesst sich der Kreis nun wieder: Denn De Maeseneire nimmt als Vertreter des Grossaktionärs im Verwaltungsrat von Barry Callebaut Einsitz.

Dennoch öffnet diese Personalrochade den in den vergangenen Wochen herumgereichten Spekulationen Tür und Tor. Seit ein Börsenbrief aus Deutschland dem Nahrungsmittelkonzern Mondelez kürzlich ein Interesse an Barry Callebaut nachsagte, ist an der Börse ein Verkauf des Unternehmens ins Ausland ein allgegenwärtiges Gesprächsthema.

Gerade der für Kepler Cheuvreux tätige und viel beachtete Analyst sieht im Rücktritt von Andreas Jacobs aus dem Verwaltungsrat ein Signal dafür, dass sich die Jacobs Holding von ihrem Aktienpaket oder zumindest von Teilen davon trennen könnte. Allerdings, so lässt der Experte seine Kunden weiter wissen, bestehe seitens des Grossaktionärs seines Erachtens kein solcher Wunsch.

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Seit heute früh verschreibt sich der Berner Telekommunikationskonzern Ascom neuen und ziemlich ambitionierten Mittelfristzielen. Bis Ende 2020 will das Unternehmen um jährlich 7 bis 10 Prozent wachsen und die operative Marge (EBITDA) auf 20 Prozent steigern.

Nachdem sich Ascom des Bremsklotzes Network Testing entledigen und mit dem neuen Konzernchef Holger Cordes einen profunden Branchenkenner verpflichten konnte, überrascht es nicht, dass sich das Unternehmen neue Ziele setzt.

Allerdings kletterte der Kurs der Aktien heute noch im Laufe der ersten Handelsstunde zeitweise um 8,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit unmittelbar vor der einschneidenden Gewinnwarnung vom vergangenen Dezember.

Zumindest in einem Kommentar der UBS hält der Autor diese Vorschusslorbeeren für gerechtfertigt. Sollte Ascom die sich selber verschriebenen Mittelfristziele erreichen, traut der Experte den Aktien sogar einen Vorstoss um rund 50 Prozent auf über 25 Franken zu.

An dieser Stelle sei gesagt, dass die UBS die Valoren des Berner Telekommunikationskonzerns schon seit Jahren zum Kauf empfiehlt, zuletzt mit einem 12-Monats-Kursziel von 20,50 Franken. Die heute bekannt gewordenen ambitiösen Mittelfristziele dürften der Grossbank deshalb alles andere als ungelegen kommen.
 

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