Arbitrageure steigen bei Syngenta ein

Wie der cash Insider zu berichten weiss, steigen angelsächsische Arbitrageure bei Syngenta ein - Sulzer-Rivale Flowserve unter Druck - Und: Leerverkäufer wittern bei Richemont Morgenluft.
31.10.2016 12:30
cash Insider
Arbitrageure steigen bei Syngenta ein
Bild: fotolia.com

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Seit dem späten Freitagabend steht fest: Die Europäische Wettbewerbsbehörde wird sich vertieft mit der Übernahme von Syngenta durch Chem China beschäftigen.

Dadurch rückt das ursprüngliche Ziel, den milliardenschweren Firmenverkauf nach China noch vor Jahresende unter Dach und Fach zu bringen, in weite Ferne. Überraschend kommt das allerdings nicht, hatten sich die Firmenvertreter von Syngenta doch kürzlich an der Analystenkonferenz im Anschluss an die Veröffentlichung der Neunmonatsumsatzzahlen mehr Zeit ausbedungen.

Dass die Europäer den Chinesen im vorliegenden Fall etwas genauer auf die Finger schauen wollen, dürfte vor allem politisch motiviert sein. Denn wie Branchenexperten vorrechnen, kommen Syngenta und die Chem-China-Tochter Adama in unseren Breitengraden im Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln zwar auf einen Marktanteil von knapp 26 Prozent. Allerdings ist das nur unbedeutend mehr als die beiden deutschen Rivalen BASF und Bayer. Alleine schon deswegen wird die Europäische Wettbewerbsbehörde die Übernahmepläne kaum vereiteln können.

Was die Aktionäre von Syngenta jetzt brauchen, ist Geduld. Und wer weiss - vielleicht wird diese im kommenden Frühjahr ja sogar mit einer weiteren regulären Dividende belohnt. Konzernchef Erik Frywald lässt sich diesbezüglich jedenfalls alle Möglichkeiten offen (siehe Kolumne vom 26. Oktober).

Wie mir Händler berichten, sind am Freitag in den Aktien des Basler Agrarchemiekonzerns bei Kursen unter 400 Franken erstmals Arbitrageure aus dem angelsächsischen Raum als Käufer in Erscheinung getreten. Auffällige ausserbörsliche Blocktransaktionen scheinen diese Berichte zumindest bestätigen zu wollen.

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Sulzer wird an der Börse gerne für den Rivalen Flowserve in Sippenhaft genommen. Ende letzter Woche sahen sich die Amerikaner aufgrund des schwierigen Umfelds einmal mehr zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung genötigt.

Auf das Gesamtjahr betrachtet, rechnet man bei Flowserve neu mit einem Umsatzrückgang um 11 bis 14 Prozent nach zuvor 7 bis 14 Prozent. Gleichzeitig strebt der Rivale nicht mehr länger einen Gewinn von 2,40 bis 2,60 Dollar sondern nur noch einen von 2,05 bis 2,25 Dollar je Aktie an. Insbesondere im Service- und Après-Vente-Geschäft sei es im vergangenen Monat zu einer Verlangsamung gekommen, so heisst es seitens des Unternehmens.

Erst vor knapp zwei Wochen legte Sulzer für die ersten neun Monate einen im Rahmen der Erwartungen liegenden Bestellungseingang vor und bekräftigte die bisherigen Jahresprognosen.

Das dürfte die Gemüter fürs erste wohl beruhigen. Allerdings lassen die Aussagen von Flowserve zum margenstarken Service- und Après-Vente-Geschäft hellhörig werden, sorgen sie doch für Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer (siehe Kolumne vom 20. Oktober).

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Die vergangenen drei Wochen dürften die Leerverkäufer bei Richemont wohl am liebsten ungeschehen machen. Innerhalb nur weniger Tage schnellte der Aktienkurs beim traditionsreichen Luxusgüterhersteller aus Genf vorübergehend um mehr als 13 Prozent nach oben.

Dabei hatten sich ausländische Hedgefonds doch erst kurz zuvor so richtig auf die Valoren von Richemont eingeschworen. Im Hinblick auf die Halbjahresergebnispräsentation von diesem Freitag wittern die Leerverkäufer nun allerdings wieder Morgenluft.

In einem Kommentar trifft es der für Bernstein Research tätige Autor auf den Punkt: Was die Umsatz- und Gewinnentwicklung von April bis September anbetrifft, ist nach der Gewinnwarnung kürzlich wohl nicht mit grösseren Überraschungen zu rechnen. Das Hauptaugenmerk richtet sich damit auf Aussagen zur Absatzentwicklung im Oktober sowie zum Tagesgeschäft.

Der Experte geht diesbezüglich von eher vorsichtigen Aussagen aus. Er stuft die Aktien der Genfer deshalb wie bis anhin mit "Market Perform" und einem Kursziel von 54 Franken ein.

Ich erwarte mir von der am Freitag anstehenden Halbjahresergebnispräsentation Auskunft darüber, ob die Geschäftsentwicklung bei Richemont die Talsohle bereits durchschritten hat. Je nachdem werden die ausländischen Leerverkäufer wieder einen Angriff wagen - oder den alles andere als geordneten Rückzug der letzten Wochen fortsetzen.

Beim Luxusgüterkonzern treffen derzeit zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite sind die zukünftigen Gewinnerwartungen mittlerweile an einem vernünftigen Punkt angelangt, auf der anderen Seite sind die Aktien schon wieder kein Schnäppchen mehr.
 

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