Auf Bewährung - UBS will SMI-Schwergewicht Roche die Liebe künden

Der cash Insider mit den Hintergründen zu einer drohenden Herunterstufung der beliebten Genussscheine von Roche durch die UBS - Und: Wisekey spielt erfolglos die «WannaCry»-Karte aus.
18.05.2017 12:30
cash Insider
UBS will SMI-Schwergewicht Roche die Liebe künden
Bild: fotolia.com

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Im Jahr 1896 in Basel gegründet, blickt Roche auf eine traditionsreiche Firmengeschichte zurück. Der Pharma- und Diagnostikkonzern gilt als ein Urgestein der Schweizer Unternehmenslandschaft und ist nicht mehr wegzudenken. Dasselbe gilt für die Genussscheine, sind sie beim Swiss Market Index (SMI) doch für nicht weniger als 18 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Nun droht dem Indexschwergewicht und damit auch dem SMI allerdings Ungemach: In einer Unternehmensstudie nimmt der für die UBS tätige Autor sowohl seine Kaufempfehlung als auch das 260 Franken lautende 12-Monats-Kursziel in negative Überprüfung. Mit anderen Worten: Er überlegt sich, den Genussscheinen von Roche die Liebe zu künden.

Stein des Anstosses sind die Vorabinformation zum diesjährigen Treffen der American Society of Clinical Oncology, kurz ASCO, von übernächster Woche. Weil Roche bisweilen keine Angaben zu den Studiendetails für das Brustkrebsmedikament Perjeta macht, wird sich vermutlich erst am 5. Juni zeigen, ob die Zuversicht der vergangenen Monate gerechtfertigt war - oder eben nicht.

Seit wenigen Tagen bekunden die Roche-Genussscheine wieder Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Bei der UBS werden die "Bons" von Roche schon seit ziemlich genau zwei Jahren unentwegt zum Kauf empfohlen. Zum Zeitpunkt der Heraufstufung im Mai 2015 sah der Analyst die Kurse innerhalb von 12 Monaten sogar auf 325 Franken klettern. In zwei Schritten strich er das Kursziel dann aber auf 260 Franken zusammen. Nun steht sogar die Kaufempfehlung zur Debatte.

Gar einen Tabubruch beging vor wenigen Wochen sein Berufskollege bei HSBC, als dieser ein ungeschriebenes Gesetz brach und die Genussscheine von "Hold“ auf "Reduce" herunterstufte (siehe Kolumne vom 7. April).

Wie ein Blick auf Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verrät, empfehlen noch immer 18 von 23 Banken die "Bons" von Roche zum Kauf. Mit dem viel beachteten Studienverfasser der UBS wäre es einer weniger.

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Eigentlich hatte die Publikumsöffnung von Wisekey alle Zutaten für einen Erfolg. Doch es sollte alles anders kommen: Im März letzten Jahres gerieten die Aktien des Cyber-Security-Unternehmens aus Genf gleich an ihrem ersten Handelstag unter starken Verkaufsdruck. Wer in der Eröffnung zu 12 Franken einstieg, hatte bei Börsenschluss bereits ein sattes Minus von mehr als 50 Prozent zu beklagen.

Alteingesessene Händler vermuteten damals, dass Personen aus dem Umfeld von Wisekey im grossen Stil Aktien auf den Markt warfen - und das faktisch zu jedem Preis.

Ende Juli dann schossen die Kursnotierungen nach einem Zusammengehen mit dem Rivalen Openlimit innerhalb von gerademal drei Tagen um knapp 50 Prozent nach oben. Doch erneut drückten mysteriöse Titelverkäufe die Papiere wieder auf den Stand unmittelbar vor der Bekanntgabe des Zusammenschlusses.

Kursentwicklung der Wisekey-Aktien seit der Publikumsöffnung im April vor einem Jahr (Quelle: www.cash.ch)

Seither vergeht kaum ein Tag, ohne dass sich das Unternehmen in einer Medienmitteilung zu Wort meldet und neue Partnerschaften oder ergänzende Übernahmen verkündet. Doch den Aktien scheint dieser Aktivismus bis heute nicht zu helfen. Ganz im Gegenteil: Vor wenigen Tagen tauchten die Kursnotierungen in die Nähe von 3 Franken und damit auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte.

Wenig überraschend griff Wisekey gestern in die öffentliche Diskussion rund um die Schadsoftware "WannaCry" ein. In einer Medienmitteilung warnten die für das Genfer Unternehmen tätigen Experten vor einem Übergriff der Schadsoftware auf das Internet-der-Dinge.

Mit "Cyber Security“ und "Internet-der-Dinge" jonglierte Wisekey zwar gleich mit zwei bei Anlegern beliebten Schlagwörter. Allerdings stellt sich die Börse auch diesmal taub...

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