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Ausländische Grossaktionäre trennen sich von Aktien

Der cash Insider weiss von Beteiligungsreduktionen bei Julius Bär, GAM, Clariant, Sunrise und weiteren bekannten Firmen zu berichten - Und: Wusste Johnson & Johnson von den Problemen von Actelion mit Uptravi?
01.02.2017 12:30
cash Insider
Ausländische Grossaktionäre trennen sich von Aktien
Bild: fotolia.com

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Nicht wenige der Publikumsgesellschaften aus der Schweiz sind auf ihrem Gebiet weltweit führend. Und die meisten von ihnen erzielen einen Grossteil ihrer Jahresumsätze und -gewinne im Ausland. So weltoffen unsere Unternehmen, so international ihr Aktionariat.

Meist operieren mächtige ausländische Grossinvestoren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur wenn ein bedeutender Aktionär einen gesetzlichen Schwellenwert über- oder unterschreitet, wird das Unternehmen gegenüber der Schweizer Börse SIX meldepflichtig. Diese Meldungen wiederum sind öffentlich einsehbar.

In den letzten zwei Wochen wurden so gleich mehrere Beteiligungsreduktionen mit Signalwirkung für andere Aktionäre bekannt. Interessant ist, dass sich bisweilen nie jemand mit diesem nicht unbedeutenden Thema auseinandersetzte.

Rückblickend trennte sich der Grossaktionär Hengistbury Investment Partners zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt von Aktien von Sunrise Communications. Nur wenige Tage nachdem der britische Hedgefonds seine Beteiligung von 4,98 auf 2,9 Prozent reduziert hatte, kündigte die Nummer zwei im Mobilfunkmarkt Schweiz eine Veräusserung von Sendemasten an. Prompt schossen die Kursnotierungen nach oben, könnte das dadurch freigesetzte Kapital doch über eine Sonderdividende an die Aktionäre fliessen.

Anders die amerikanische Capital Group: Mitte Januar wurde die Fondsgesellschaft meldepflichtig, weil sie bei Novartis nur noch 2,95 Prozent aller ausstehenden Aktien auf sich vereinte. Die letzte Offenlegungsmeldung liegt zwar schon ein paar Jahre zurück. Damals hielt die Capital Group allerdings noch 4,98 Prozent der Stimmen. Nur wenige Tage später wartete der Gesundheitskonzern mit einem durchwachsenen Zahlenkranz und einem vorsichtigen Ausblick auf.

Aktien von Sunrise (rot) im 52-Wochen-Vergleich mit jenen von Novartis (grün) und Julius Bär (violett); Quelle: www.cash.ch

Bei Julius Bär nahm hingegen Merrill Lynch Geld vom Tisch. Wie gestern bekannt wurde, fiel die Beteiligung der amerikanischen Investmentbank in den vergangenen Tagen von 3,76 auf unter 3 Prozent. Womöglich war das enttäuschende Abschneiden der Grossbank UBS in der Vermögensverwaltung ausschlaggebend für diese Aktienverkäufe. Wie das heute veröffentlichte Jahresergebnis zeigt, schnitt Julius Bär jedoch nicht nur bei den Bruttomargen sondern auch bei der Nettoneugeldentwicklung deutlich besser ab.

Erst gestern Nachmittag liessen auffällige Derivatkäufe bei Clariant wieder Spekulationen wachwerden, wonach der Spezialitätenchemiekonzern aus Basel mit einem ähnlich gelagerten Konkurrenten zusammengehen könnte (siehe auch Kolumne vom 13. Januar). Bei Citadel, dem Hedgefonds des amerikanischen Milliardärs Kenneth C. Griffin, schenkt man diesen Spekulationen anscheinend keinen Glauben. Erst kürzlich reduzierte der Grossaktionär die Beteiligung auf unter 3 Prozent.

Signalwirkungen haben auch die Aktienverkäufe der Capital Group bei der Credit Suisse und jene von Old Mutual beim Vermögensverwalter GAM. Beiden Unternehmen aus der Finanzindustrie wird schon seit Wochen gerüchteweise eine weitere Ergebnisenttäuschung nachgesagt (siehe Kolumnen vom 27. Januar sowie vom 16. Januar).

Letztmals war hierzulande im Dezember 2015 eine solche Häufung von Beteiligungsreduktionen zu beobachten gewesen. In den darauffolgenden sechs Wochen büsste der Swiss Market Index (SMI) gut 15 Prozent an Wert ein. Bleibt bloss zu hoffen, dass die Offenlegungsmeldungen der vergangenen zwei Wochen nicht als Hiobsbotschaft verstanden werden müssen.

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Ursprünglich schien die Übernahme von Actelion durch Johnson & Johnson eine reine Formsache. Doch seit gestern Nachmittag werden erste nicht unberechtigte Zweifel wach.

Auslöser ist ein am 24. Januar verfasstes Schreiben der französischen Arzneimittelbehörde an Ärzte und Spitäler. Darin werden diese gebeten, aufgrund angeblicher Nebenwirkungen keine neuen Patienten mehr mit dem vom Allschwiler Pharmahersteller entwickelten PAH-Medikament Uptravi zu behandeln. Bei bereits mit dem Präparat behandelten Patienten wird Ärzten mit dem Verweis auf mögliche Neben- und Wechselwirkungen zu einer zeitnahen Überwachung geraten.

Der Behörde zufolge sei es bei Patienten in einem frühen Stadium der Behandlung mit Uptravi angeblich zu Todesfällen gekommen. Noch könnten diese allerdings nicht direkt in Verbindung mit dem Medikament gebracht werden, wie ich einem Kommentar aus dem Hause Morgan Stanley entnehmen kann. Der Verfasser rechnet nun damit, dass sich auch die europäische Arzneimittelbehörde mit den Todesfällen beschäftigen wird. Gemäss den ihm vorliegenden Informationen gibt es bis heute keinen vergleichbaren Vorstoss der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA.

Der Experte selber räumt zwar ein, dass sich mögliche Folgen für das kommerzielle Potenzial von Uptravi aus heutiger Sicht noch nicht abschätzen lassen. Aufgrund der in Studien nachgewiesenen lebensverlängernden Wirkung hält er allerdings unverändert an seinen Umsatzschätzungen für das Präparat von jährlich 1,4 Milliarden Dollar ab dem Jahr 2020 fest. Etwas vorsichtiger äussern sich die Berufskollegen der Berenberg Bank.

Was die möglichen Folgen für die geplante Übernahme durch Johnson & Johnson anbetrifft, lässt sich noch nicht viel sagen. Bekannt ist nur, dass die Amerikaner von den Problemen mit Uptravi in Frankreich wussten. Eine Neuverhandlung des Übernahmepreises scheint deshalb wenig wahrscheinlich.

Dennoch zeugen die mit einem Abschlag von knapp 7 Prozent zum rechnerischen Barangebot plus Bereichsabspaltung gehandelten Aktien von Actelion von einer gewissen Skepsis. Auch den ausländischen Arbitrageuren fehlt allem Anschein nach der Mut, ins "fallende Messer" zu greifen.

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