Bank verrät, was ihre Grossinvestoren tun

Die Citigroup fühlt ihren institutionellen Schlüsselkunden auf den Zahn - ausserbörsliche Blocktransaktion lässt bei Roche die Gerüchteküche brodeln - Und: Vögele vor Angebot aus Grossbritannien?
18.05.2016 12:30
cash Insider
Bank verrät, was ihre Grossinvestoren tun

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Mit der monatlichen Umfrage bei Fondsmanagern und Vermögensverwaltern leistete Merrill Lynch in den vergangenen Jahren Pionierarbeit. Doch auch für andere Erhebungen nutzte die amerikanische Investmentbank ihre breite Kundenbasis wie kaum eine andere (siehe Kolumne vom 27. April).

Was die Berufskollegen von Merrill Lynch können, können wir schon lange, dürften sich die Strategen der Citigroup gedacht haben. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb diese nun ebenfalls verraten, wie die Grossinvestoren an den Finanzmärkten aufgestellt sind.

Die Experten wissen beispielsweise von einer leichten Reduktion der Wetten zugunsten unseres Frankens zu berichten. Dabei seien zuvor leerverkaufte Dollar und Euro eingedeckt worden, so heisst es weiter.

Eher spärlich fallen die Informationen zur Positionierung bei den Aktien aus. Wie eine Umfrage der Strategen bei 100 institutionellen Schlüsselkunden offenbart, liegt die durchschnittliche Barmittelquote bei 9,3 Prozent der Vermögenswerte. Bankeigenen Angaben zufolge bewegt sich die Quote im Rahmen des historischen Durchschnitts, was ihre Aussagekraft denn auch schmälert.

Dasselbe gilt für die Wetten auf den amerikanischen Aktienmarkt. An den Futures auf den S&P-500-Index gemessen, wetten die Grossinvestoren insgesamt auf steigende Kursnotierungen.

Dass es sich bei offiziellen Empfehlungen amerikanischer Investmentbanken nicht selten um ein Lippenbekenntnis handelt und sie diesen längst nicht immer Folge leisten, ist längst kein Geheimnis mehr. Gerade deshalb liefern Strategiestudien wie jene von Merrill Lynch und Citigroup interessante Einblicke in das Wirken finanzkräftiger Grossinvestoren. Meines Erachtens sind die Erhebungen von Merrill Lynch jedoch um einiges aussagekräftiger als die des Rivalen.

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Das sind sich die erfolgsverwöhnten Anteilseigner von Roche nicht gewohnt: Schon seit Wochen schneiden die Valoren des Pharma- und Diagnostikkonzerns aus Basel an der Börse schlechter ab als jene von Novartis. Der Grund: Wiederkehrende Spekulationen, wonach sich der Ortsrivale endlich seines Roche-Pakets entledigen werde.

Nachdem gestern zur Mittagszeit ein Block von 200000 Inhaberaktien ausserbörslich für knapp 50 Millionen Franken an einen neuen Besitzer übergegangen ist, werden die beinahe verstummten Stimmen rund um einen Ausstieg von Novartis wieder lauter.

Allerdings blieb es im weiteren Handelsverlauf bei dieser einen Blocktransaktion. Zum Vergleich: Früheren Offenlegungsmeldungen zufolge hält der ungeliebte Grossaktionär mehr als 53 Millionen Inhaberpapiere.

Bei Novartis jagt ein Börsengerücht das nächste. Die Basler könnten im Geschäft mit nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten den britischen Joint-Venture-Partner GlaxoSmithKline auskaufen, so verlautet aus London (siehe meine Kolumne vom 9. Mai). Ausserdem wird ihnen ein (Mit-)Interesse an der amerikanischen Medivation, einem mittelgrossen Hersteller von Krebsmedikamenten, nachgesagt.

Wer weiss - vielleicht lassen sich die einzelnen Informationsfragmente bei den beiden Pharmagiganten aus Basel schon bald zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzen.

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Sechs Wochen ist es her, dass in der hiesigen Wirtschaftspresse auf einen Rückzug des Modekonzerns Charles Vögele von der Börse spekuliert wurde. Damals musste der Grossaktionär Aspen Trust als potenzieller Käufer herhalten.

Im Zuge eines schwachen Jahresergebnisses verstummten diese Stimmen dann aber wieder. Bis heute: Denn wie dem auf Börsengerüchte spezialisierten Betaville-Blog entnommen werden kann, bekundet ein britisches Käuferkonsortium Interesse am "ewigen Turnaround-Kandidaten" aus Zürich.

Einen sehr fundierten Eindruck macht mir der Blog-Beitrag nicht, ist doch beispielsweise nicht von Charles Vögele, sondern von "Charles Vogeler" die Rede. Ausserdem wird ein sich im Privatbesitz befindlicher Sockenhersteller aus Grossbritannien hinter dem Käuferkonsortium vermutet. Dem nicht Deutsch sprechenden Verfasser sei verziehen.

Dennoch frage ich mich, wo da die industrielle Logik bleibt. Am Verkaufsstellennetz werden die Briten wohl kaum interessiert sein, eben so wenig wie am Liegenschaftenportfolio des Modekonzerns. Schliesslich muss dieses den Banken als Sicherheit für den Konsortialkredit herhalten. Bleiben nur die steuerlich anrechenbaren Verlustvorträge, welchen in Expertenkreisen einen Wert von gut 8 Franken je Aktie nachgesagt wird.

Das sind etwas gar viele Fragezeichen. Vermutlich wollen die Aktien von Charles Vögele heute deshalb nicht so recht auf die aus London eintreffenden Übernahmespekulationen reagieren.
 

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