Bei diesen Aktien erwarten Experten Rücksetzer

Der cash Insider nimmt aggressive Verkaufsempfehlungen und optisch tiefe Kursziele für die Aktien von Zurich Insurance, UBS, Credit Suisse & Co. unter die Lupe.
15.08.2016 12:30
cash Insider
Bei diesen Aktien erwarten Experten Rücksetzer
Bild: fotolia.com

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Noch keine vier Wochen ist es her, dass der neue Bankenanalyst von Bernstein bei uns für einen lauten Aufschrei sorgte. Stein des Anstosses: Die Erstabdeckung der zuvor geprügelten Aktien von UBS und Credit Suisse mit "Underperform" und optisch tiefen Kurszielen von 8 Franken für die grössere und von gerademal 6 Franken für die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken.

Nur wenige Tage zuvor gelang es ausländischen Hedgefonds, die Valoren der Credit Suisse im Zuge orchestrierter Leerverkäufe vorübergehend in den einstelligen Kursbereich zu drücken. Auch jene der Erzrivalin UBS hatten damals einen sehr schweren Stand (siehe Kolumne vom 12. Juli).

Von den existenzbedrohend tiefen Kurszielen sind die besagten Aktien heute zwar um einiges weiter entfernt als damals. Das hält den Experten von Bernstein Research allerdings nicht davon ab, an seinen aggressiven Verkaufsempfehlungen für die Schweizer Grossbanken festzuhalten. Diese begründet er übrigens mit dem dauerhaften Margendruck im Wealth Management und dem zusätzlichen Eigenkapitalbedarf.

Wie es heisst, wickeln bekannte amerikanische Hedgefonds ihre Transaktionen über Bernstein ab. Zumindest in New York sind diese nun aber auf dem Rückzug, haben sie ihre Wetten gegen die dort gehandelten Aktien der Credit Suisse in der zweiten Juli-Hälfte doch um knapp einen Drittel getrimmt. Von einer Kapitulation der Leerverkäufer zu sprechen wäre übertrieben - als Etappensieg lässt es sich für den nicht unumstrittenen Konzernchef Tidjane Thiam alleweil verbuchen.

Auch bei der Zurich Insurance Group gerät Bernstein zusehends in Erklärungsnot. Schon seit Monaten stuft die amerikanische Investmentbank die dividendenstarken Valoren des Versicherungskonzerns aus Zürich mit "Underperform" und einem fast lächerlich tiefen Kursziel von 190 Franken ein.

Von dieser nicht weniger aggressiven Verkaufsempfehlung weicht der Bernstein-Analyst selbst nach zwei überzeugenden Quartalsresultaten in Folge partout nicht ab. In Erwartung eines anhaltenden Prämiendrucks im amerikanischen Firmenkundengeschäft und aufgrund von Vorbehalten in Bezug auf die Reservepolitik warnt er unverblümt vor Dividendenkürzungen.

Prominente Unterstützung erhält der Analyst mittlerweile von seinem Berufskollegen von der DZ Bank. Dieser watschte die Aktien der Zurich Insurance Group am Freitag mit einer Herunterstufung von "Halten" auf "Verkaufen" ab. Allerdings kommt der für das Pendant zu unserer Raiffeisen Gruppe tätige Experte immerhin auf einen fairen Wert von 225 Franken.

Auch er erachtet den am Tag zuvor veröffentlichten Zahlenkranz als gut und weiss die Fortschritte bei der Sanierung des Sachversicherungsgeschäfts durchaus zu würdigen. Doch gerade in diesem Geschäftsbereich herrsche zunehmend ein scharfer Wettbewerb unter den Anbietern, so die Warnung des Experten.

Gerade die Vorbehalte an die Reservepolitik lassen sich spätestens nach der Quartalsergebnispräsentation von vergangener Woche nicht mehr aufrechterhalten. Dementsprechend dünn ist die Argumentationslage der feindlich gesinnten Leerverkäufer bei der Zurich Insurance Group.

Gleich mehrere auffällig tiefe Kursziele haben Analysten bei den Aktien des Berner Gesundheitskonzerns Galenica ausstehend - und der jüngste Rücksetzer scheint ihnen Recht geben zu wollen.

Weiteres Abwärtspotenzial sieht der für Jefferies tätige Experte. Er sieht die Umsätze mit dem Anämiemedikament Mircera über die Zeit wegbrechen. Deshalb und aufgrund der hohen Kosten für die milliardenschwere Übernahme von Relypsa errechnet er ein Kursziel von gerademal 885 Franken für die mit "Underperform" eingestuften Papiere.

Ähnlich argumentieren auch seine beiden Berufskollegen von Kepler Cheuvreux und der MainFirst Bank. Mit Kurszielen von 950 bis 1000 Franken machen sie bei den Aktien von Galenica aber noch immer ein Rückschlagspotenzial von gut 20 Prozent aus.

Nerven wie Drahtseile beweist der für die Berenberg Bank tätige Experte bei LafargeHolcim. Denn obschon der weltgrösste Zementhersteller kürzlich mit einem ansprechenden Zahlenkranz aufwarten konnte, streicht er seine Umsatzschätzungen für diesen um bis 10 Prozent zusammen. Die Gewinnprognosen werden sogar um bis zu 17 Prozent zurückgenommen.

Die im zweiten Quartal erzielten Erhöhungen bei den Absatzpreisen begrüsst der Analyst zwar, hält diese allerdings nicht für nachhaltig. Deshalb empfiehlt er die zuletzt bei Anlegern wieder beliebten Aktien von LafargeHolcim mit "Sell" und einem Kursziel von gerademal 40 Franken zum Verkauf.

Ich persönlich stosse mich hingegen daran, wie die Firmenvertreter die Synergien aus dem Zusammenschluss von Lafarge und Holcim künstlich aufblähen (siehe Kolumne vom 9. August).

An dieser Stelle sei davor gewarnt, alleine aufgrund eines optisch tiefen Kursziels gegen eine Aktie zu spekulieren. Nicht selten handelt es sich dabei um reine Effekthascherei. Viel wichtiger ist, wie der jeweilige Analyst dieses begründet. Manchmal muss man sogar zwischen den Zeilen lesen können.

 

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