Bei diesen Aktien liegen Analysten ziemlich daneben

Der cash Insider verrät, bei welchen Aktien aus der Schweiz einige Analysten ziemlich daneben liegen - Und: Ein Experte rudert bei seiner Verkaufsempfehlung für Actelion zurück.
22.12.2016 12:30
cash Insider
Bei diesen Aktien liegen Analysten ziemlich daneben
Bild: fotolia.com

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Mit optimistischen Aussagen in der Tagespresse hat Straumann-Chef Marco Gadola den Aktien seines Arbeitgebers frisches Leben eingehaucht. In der Hoffnung auf ein starkes Jahresergebnis haben Nebenwertefonds den schon seit Jahren sehr erfolgreichen Dentalimplantatehersteller in den letzten Tagen wiederentdeckt.

Die Freude darüber dürfte sich gerade beim Analysten von J.P. Morgan allerdings in Grenzen halten. Schon seit Monaten empfiehlt er die bei Anlegern heissbegehrten Papiere mit "Underweight" zum Verkauf. Daran hält er in einer mir zugespielten Unternehmensstudie auch unbeirrt fest. Einzig beim Kursziel macht der Experte Eingeständnisse und errechnet neu ein Kursziel von 338 (324) Franken.

Die Straumann-Aktien sind schon seit Tagen gefragt; Quelle: www.cash.ch

Dass Straumann jeweils zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres mit einem eher vorsichtigen Ausblick aufwartet, hat unter Marco Gadola schon beinahe Tradition. Bei J.P. Morgan wird nun zu Recht vor der stolzen Bewertung und den ambitiös hohen Erwartungen anderer Banken gewarnt - eine gefährliche Kombination, welche keine Enttäuschungen zulässt.

Der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst befindet sich damit übrigens in bester Gesellschaft. Bei Goldman Sachs werden die Aktien des Dentalimplantateherstellers aus Bewertungsgründen sogar mit einem 290 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Verkauf empfohlen.

Auch bei anderen Aktien aus der Schweiz liegen einige Analysten übrigens schon seit Monaten ziemlich daneben, allen voran jener von Bernstein Research. Erst im Juni nahm er die Erstabdeckung der Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse in der Nähe der Mehrjahrestiefststände mit "Underperform" und Kurszielen von 8 respektive sogar von 6 Franken auf. Seine damaligen Weltuntergangsprophezeiungen haben sich jedoch bis heute nicht bewahrheitet. Nicht viel besser ergeht es den Berufskollegen von Macquarie und BNP Paribas. Auch sie müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Die Liste liesse sich beliebig erweitern, beispielsweise um die Verkaufsempfehlung von Bernstein Research und Kepler Cheuvreux für die Zurich Insurance Group, die von Helvea für Temenos oder jene der Deutschen Bank für Adecco.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, werden sich einige meiner Leserinnen und Leser jetzt bestimmt denken. Indem dass ich mit dem Finger auf andere zeige, will ich keinster Weise davon ablenken, dass ich mir rückblickend gerade mit Leonteq selber ein "faules Ei" ins Körbchen meiner Schweizer Aktienfavoriten gelegt habe (siehe Kolumne vom 20. Dezember). Deshalb Asche über mein Haupt...

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Die Verwirrung ist perfekt: Nur eine Woche nachdem sich Johnson & Johnson aus dem Rennen um Actelion genommen hat, sind die Amerikaner völlig unerwartet an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Und als ob das nicht schon genug wäre, führen die beiden Unternehmen sogar exklusive Gespräche. Die französische Sanofi - auch ihr wird ein Interesse am erfolgreichen Pharmahersteller aus Allschwil nachgesagt - scheint damit aussen vor.

Diese unerwartete Wende erwischt den für die Aktienanalyse von Standard & Poor’s tätigen Experten eiskalt auf dem falschen Fuss. Nachdem Johnson & Johnson vor Wochenfrist das Handtuch geworfen hatte, stufte er die Aktien von Actelion mit einem 198 (195) Franken lautenden 12-Monats-Kursziel von "Hold" auf "Sell" herunter.

Die Aktien von Actelion bleiben in einem Wechselbad der Gefühle; Quelle: www.cash.ch

Nun macht der Pharmaanalyst diesen Schritt wieder rückgängig: Die Papiere werden neu mit "Hold" und einem 12-Monats-Kursziel von 215 Franken eingeschätzt. Der zunehmende Druck auf die Firmenvertreter von Actelion lasse ein Verkauf des Unternehmens an Johnson & Johnson wahrscheinlicher erscheinen, so lautet der Tenor.

Dass seitens von Actelion wie schon beim mysteriösen zweiten Interessenten von "Verhandlungen über eine mögliche strategische Transaktion" die Rede ist, spricht eher gegen ein für die Aktionäre lukratives Barangebot. Womöglich steht für die beiden Unternehmen vielmehr eine strategische Beteiligungsnahme durch die Amerikaner oder eine Verschmelzung gewisser Geschäftsaktivitäten im Vordergrund. Wer jetzt noch spekulationsgetrieben einsteigen will, muss demnach auf der Hut sein.

 

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