Bekannter Substanzinvestor greift kräftig daneben

Die Schweizer Firmenbeteiligungen kosten einen bekannten amerikanischen Substanzinvestor viel Geld - Und: Steckt George Soros auch hinter dem Sturzflug der Credit-Suisse-Aktien?
28.06.2016 12:30
cash Insider
Bekannter Substanzinvestor greift kräftig daneben
Bild: fotolia.com

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Gestern brach eine weitere Ausverkaufswelle aus dem Ausland über unseren Schweizer Aktienmarkt herein. Wie schon am Freitag verhinderten die defensiven Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, im Swiss Market Index (SMI) immerhin für gut 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich, Schlimmeres.

Anders die Aktien der Credit Suisse: Sie näherten sich dem einstelligen Kursbereich im Laufe des Nachmittags bis auf 2 Rappen. Man muss schon sehr weit in die Vergangenheit zurückgehen, um bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken auf einen ähnlich tiefen Aktienkurs zu stossen.

Im Berufshandel war gestern gerüchtehalber von einem orchestrierten Angriff ausländischer Hedgefonds (siehe zweites Thema der heutigen Kolumne) die Rede. Quasi in letzter Minute sei dieser Angriff vereitelt worden, so lasse ich mir sagen. Ob mit einem entschiedenen Eingreifen der Credit Suisse selber oder nicht, darüber lässt sich bloss spekulieren.

Dennoch resultierte bei Börsenschluss ein sattes Minus von 9,2 Prozent. Alleine in den vergangenen zwei Handelstagen gingen der Schweizer Grossbank mehr als 4 Milliarden Franken an Börsenwert verloren.

Damit befindet sich die Credit Suisse hierzulande allerdings in bester Gesellschaft. Nicht viel besser erging es EFG International, einst ein aufstrebender Stern am Vermögensverwaltungshimmel. Gestern Nachmittag fielen die Aktien mit 3,42 Franken kurzerhand auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte.

Die Valoren von EFG International notieren mittlerweile um 65 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember, jene der Credit Suisse immerhin um über 50 Prozent. Und mittendrin: Der bekannte Substanzinvestor Harris Associates mit seinen namhaften Beteiligungspaketen.

Gerade bei der Credit Suisse liessen die Vertreter der amerikanischen Investmentgesellschaft jüngst keine Gelegenheit aus, deren Aktien anzupreisen. Kein Wunder: Erst vor zwei Wochen war einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen, dass der Grossaktionär seinen Stimmenanteil von 4,21 auf 5,08 Prozent ausbaute. Inoffiziell wird Harris Associates mittlerweile sogar eine Beteiligung von 8,3 Prozent nachgesagt.

Bei EFG International nennt Harris Associates 3,14 Prozent der Stimmen sein eigen. Dazu kommen 5,33 Prozent an der Zürcher Traditionsbank Julius Bär sowie 6,4 Prozent am Zementhersteller LafargeHolcim. Auch diese beiden Aktienpakete bescherten den Amerikanern zuletzt hohe Verluste.

Es überrascht deshalb nicht, dass im hiesigen Berufshandel die Angst vor drohenden Zwangsexekutionen umgeht. Denn wie Aryzta (Konzernchef Owen Killian) und LafargeHolcim (Grossaktionär Eurocement) gezeigt haben, können solche erzwungenen Verkäufe die betroffenen Aktien gefühlt ins Bodenlose fallen lassen.

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Der amerikanische Milliardär George Soros wettet mit gut 7 Millionen leerverkaufter Aktien gegen die Deutsche Bank. Das zumindest schreibt "Die Welt" heute in ihrer Online-Ausgabe und beruft sich auf eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger, vergleichbar mit unserem Schweizer Handelsamtsblatt.

Das lässt die Frage zu, ob der legendäre und finanzstarke Grossinvestor nicht auch gegen andere europäische Grossbanken, eventuell sogar gegen unsere Credit Suisse, Wetten laufen hat. Immerhin war es Konzernchef Tidjane Thiam selber, welcher kürzlich in einer internen Mitteilung an seine Mitarbeiter von gezielten Leerverkäufen gegen die in New York gehandelten American Deposit Receipts, kurz ADRs, berichtete. In dieses Bild würden auch die gestern Nachmittag herumgereichten Gerüchte rund um einen orchestrierten Angriff ausländischer Hedgefonds passen (siehe erstes Thema der heutigen Kolumne).

Seit Ende 2012 müssen Leerverkäufe deutscher Aktien ab einem Volumen von 0,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals bis zum Nachmittag des nächsten Handelstages offengelegt werden. Soviel Transparenz sei gelobt.

So eine Regelung würde der Schweizer Börse SIX auch gut tun, will sie nicht zum Spielgrund am schnellen Geld interessierter ausländischer Hedgefonds und Finanzinvestoren verkommen. Denn nicht selten werden solche Angriffe für die betroffenen Unternehmen sogar existenzbedrohend. Die Mitarbeiter und alle anderen Anspruchsgruppen haben dann das Nachsehen.
 

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