Bekannter Substanzinvestor - Grossaktionär nimmt bei der Credit Suisse Geld vom Tisch

Die Beteiligungsreduktion eines amerikanischen Substanzinvestors bei der Credit Suisse sorgt für Gesprächsstoff - Und: Die letzte Verkaufsempfehlung für Julius Bär fällt.
31.07.2017 12:30
cash Insider
Grossaktionär nimmt bei der Credit Suisse Geld vom Tisch
Bild: fotolia.com

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Als die Credit Suisse im Frühsommer letzten Jahres in einer tiefen Vertrauenskrise steckte, war es der bekannte Substanzinvestor Harris Associates, der der Schweizer Grossbank zu Hilfe eilte. Nicht nur mit verbalen Interventionen, auch dank grossangelegten Titelkäufen liess sich ein deutlicheres Abrutschen des Aktienkurses auf unter 10 Franken abwenden. Aus Eigennutz, zählten die Amerikaner doch damals schon zu den bedeutendsten Aktionären des Unternehmens.

Eigenen Angaben zufolge hielt Harris Associates in der Spitze mehr als 10 Prozent an der Credit Suisse. Wie eine heute veröffentlichte Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX verrät, war das einmal. Der Substanzinvestor hat zuletzt Aktien verkauft und dabei den gesetzlichen Schwellenwert von 5 Prozent für die Meldepflicht unterschritten.

Interessant ist, dass die Meldepflicht nur wenige Tage vor der Quartalsergebnispräsentation vom vergangenen Freitag entstanden sein dürfte. Es macht ganz den Anschein, als hätten sich die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt auf einen eher enttäuschenden Zahlenkranz eingestellt. Rückblickend scheint das Ergebnis bei Analysten jedoch überraschend gut anzukommen.

Die Aktien der Credit Suisse (rot) lassen den SPI (grün) auf Jahressicht weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch).

Zur Hypothek könnte für die Schweizer Grossbank ihr grösster Einzelaktionär werden. Wie aus einer über das Wochenende veröffentlichten Statistik hervorgeht, sind die Devisenbestände des mit Wirtschaftssanktionen belegten Wüstenstaats Katar innerhalb von gerade mal vier Wochen um 10,4 auf 24,4 Milliarden Dollar geschrumpft.

Zur Erinnerung: Katar hält bei der Credit Suisse gut 5 Prozent der Stimmen in Form von Aktien und darüber hinaus hochverzinste Pflichtwandelanleihen. Sollten diese eines Tages ausgeübt werden, könnte der Stimmenanteil auf knapp 18 Prozent steigen.

Sollten die Sanktionen die Devisenbestände in derselben Geschwindigkeit weiter vor sich hin schmelzen lassen, könnten die Katari bei ihrem 330 Milliarden Dollar schweren Staatsfonds gegebenenfalls zum Verkauf von Firmenbeteiligungen gezwungen sein.

Einer technisch bedingten Gegenbewegung stehe bei den Aktien der Credit Suisse nach Abschluss der Bezugsrechtsemission nichts mehr im Wege, schrieb ich Anfang Juni an dieser Stelle (siehe Kolumne vom 1. Juni). Allerdings gab ich damals zu verstehen, dass sich die Papiere der Schweizer Grossbank bestenfalls für eine kurze Wette aufdrängten. Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert.

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Keine Woche ist es her, dass ich von einer augenfälligen Kapitulation pessimistischer Analysten berichtete (siehe Kolumne vom 26. Juli). Heute nun sieht sich der für Kepler Cheuvreux tätige Autor einer Unternehmensstudie bei Julius Bär genötigt, das Handtuch zu werfen.

Nachdem er die Aktien der traditionsreichen Zürcher Bank in den letzten Jahren stets zum Verkauf empfohlen hatte, stuft er diese von "Reduce" auf "Hold" herauf. Gleichzeitig streicht sie der Analyst von der "Least Preferred List", der Liste der aus Anlegersicht zu meidenden Valoren.

Vieler seiner Vorbehalte liessen sich nicht mehr aufrecht halten, so lässt der Autor in der Studie durchblicken. Er spricht damit den von neu eingestellten Kundenberatern ausgehenden Wachstumsschub sowie die davon ausgehende Zuversicht für die strategische Wachstumsinitiative an.

Kapitulation nahe den Höchstständen bei den Aktien von Julius Bär (Quelle: www.cash.ch).

Nach einer Aufwärtsrevision der bankeigenen Gewinnschätzungen um durchschnittlich 8 Prozent lautet das Kursziel neu 55 (bisher 45) Franken. In den letzten Jahren gab der Analyst das Kursziel vorübergehend sogar nur mit 27 Franken an.

Mit der Verkaufsempfehlung von Kepler Cheuvreux fällt bei den Aktien von Julius Bär übrigens die letzte solche Empfehlung weg. Wie ich an dieser Stelle schon vergangene Woche schrieb: Wenn Analysten plötzlich mit teils fadenscheinigen Argumenten von mehrjährigen Verkaufsempfehlungen zurückkrebsen, macht mich das ziemlich stutzig. Wie jeder Markt lebt auch der Aktienmarkt davon, dass Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen. Sind sich die Käufer ihrer Sache zu sicher, ist das selten ein gutes Omen...
 

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