Beliebte Nebenwerte - Immer mehr Einzelaktien zeigen Ermüdungserscheinungen

Wie der cash Insider schreibt, bröckeln bei ersten der als «die glorreichen Sieben» bekannt gewordenen Schweizer Nebenwerten die Kurse. Ausserdem verrät er, welche Überflieger-Aktien noch Mühe bekunden.
26.06.2017 12:30
cash Insider
Immer mehr Einzelaktien zeigen Ermüdungserscheinungen
Bild: fotolia.com

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Noch immer spielt die Musik bei uns am Schweizer Aktienmarkt in den Nebenwerten. Die mittlerweile luftig hohe Bewertung scheint die Anleger dabei nicht abzuschrecken. In den letzten Wochen und Monaten sei hierzulande noch einmal kräftig Geld in dieses Titelsegment geflossen, so wird mir gleich aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen berichtet. "L'appetit vient en mangeant", würde der geübte Franzose jetzt wohl sagen.

Seit wenigen Tagen zeigen einige beliebte Vertreter aus der zweiten und dritten Reihe allerdings erstmals Ermüdungserscheinungen. Darunter die Aktien von Ypsomed und VZ Holding, welche gemeinsam mit jenen von Tecan, Emmi, Kardex, der vom chinesischen Mischkonzern HNA übernommenen Gategroup sowie der aufgespalteten Galenica einst als "die glorreichen Sieben" Geschichte schrieben (siehe Artikel vom 9. Dezember 2015).

Besonders heftig erwischte es Ypsomed. Fast 230 Franken waren Anleger vor wenigen Wochen noch bereit, für die Valoren des Insulinpumpenherstellers aus Burgdorf zu bezahlen. Dann folgte die Jahresergebnisveröffentlichung - und mit ihr ein etwas grösserer Rücksetzer. Denn während der Zahlenkranz den Analystenerwartungen entsprach, liess sich das vom Ausblick nicht sagen. Und wie das mit hochbewerteten Wachstumsaktien halt ist: Bei Enttäuschungen kennt die Börse keine Gnade.

Noch halten aber zumindest die Analysten Ypsomed die Treue. Der für die Credit Suisse tätige sieht im Ausblick keinen Grund, an der "Outperform" lautenden Kaufempfehlung oder am Kursziel von 245 Franken zu rütteln und auch seine Berufskollegin bei der Zürcher Kantonalbank stuft die Aktie wie bis anhin mit "Übergewichten" ein.

Bei VZ Holding lieferten sich die Haussiers in den letzten Tagen einen Schlagabtausch mit den Baissiers. Zeitweise fielen die Valoren des Vermögensverwalters sogar in die Nähe von 290 Franken und damit knapp 10 Prozent unter die im November erklommenen Höchststände zurück.

Seit Anfang Mai haben sich gleich mehrere Geschäftsleitungsmitglieder von ihren einst im Rahmen des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms zugeteilten Titeln getrennt. Solche Verkaufstransaktionen können durchaus Signalwirkung haben.

Doch nicht nur erste Vertreter der "glorreichen Sieben" zeigen Ermüdungserscheinungen. Mühe bekundeten in den letzten Tagen auch die Valoren von Temenos. Ausserbörsliche Blocktransaktionen lassen darauf schliessen, dass mächtige Marktakteure - eventuell sogar Grossaktionäre der Softwareschmiede aus Genf - am Werk sind.

Schon seit Tagen bekunden die Aktien von Temenos sichtlich Mühe (Quelle: www.cash.ch)

In eine geradezu komfortable Position hat sich der Financier Martin Ebner hineinmanövriert: Mitte Januar reduzierten seine Ehefrau Rosmarie und er den Stimmenanteil leicht auf 14,99 Prozent. Folglich müssen sich die beiden erst dann wieder zu erkennen geben, wenn ihr Stimmenanteil unter den nächsten meldepflichtigen Schwellenwert von 10 Prozent fällt (siehe Kolumne vom 22. Juni).

Ebenfalls einen Rücksetzer hatten in den letzten Wochen die Aktien von Bachem zu beklagen. Ohne - oder gerade wegen ausbleibender Neuigkeiten - tauchten sie vorübergehend um fast 10 Prozent.

Bei den besagten Nebenwerten von einem Bärenmarkt zu sprechen wäre vermutlich die Übertreibung des Jahres. Per Definition spricht man erst dann von einem Bärenmarkt, wenn die Kurse um 20 oder mehr Prozent unter die zuvor erklommenen Bestmarken zurückfallen. Allerdings gibt es seit Jahren immer wieder eindrückliche Beispiele dafür, wie schnell hochgejubelte Nebenwerte bei Anlegern und Analysten in Ungnade fallen können.

Wie bei den hiesigen Technologiewerten (siehe Kolumne vom 13. Juni), müssen auch bei den Aktien von Temenos, Ypsomed & Co. dringend neue Kursrekorde her. Ansonsten drohen sie über die nächsten Wochen einer etwas kräftigeren Gewinnmitnahmewelle zum Opfer zu fallen. Gerade angelsächsische Momentum-Investoren sind bekannt dafür, nicht lange zu zögern und die Reissleine zu ziehen.

Meist spielt sich eine Trendumkehr an den Aktienmärkten nach demselben Muster ab. Ich versuche dieses Verhaltensmuster nachstehend noch einmal am Beispiel der einst hochgelobten Aktien von Leonteq zu erklären:

1. Nach einem steilen Kursanstieg gerät der Höhenflug während mehreren Wochen ins Stocken.

2. Erstmals setzen grössere Gewinnmitnahmen ein.

3. Der Kursrücksetzer wird als günstige Einstiegsgelegenheit gefeiert. Anleger, die den Höhenflug verpasst haben, springen nachträglich auf.

4. Die bisherigen Höchstkurse werden (wenn auch nur knapp) nicht mehr übertroffen. Es setzen wieder Gewinnmitnahmen ein. Der Damm bricht und die Kurse geraten während Monaten ins Rutschen.

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