Beliebteste Aktien der Schweiz bereits wieder auf Rekordjagd

Der cash Insider über den ungebrochenen Höhenflug einiger Aktien aus der Schweiz - Und: Steigt Nestlé als «weisser Ritter» ins Rennen um Hershey?
01.07.2016 12:30
cash Insider
Beliebteste Aktien der Schweiz bereits wieder auf Rekordjagd
Bild: fotolia.com

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Aufatmen an den Finanzmärkten: Obschon in den letzten Wochen immer wieder mit Vehemenz vor verheerenden Folgen eines Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union gewarnt wurde, ist die Welt nach dem überraschenden Votum vom Donnerstag vergangener Woche nicht untergegangen.

In London notieren die Aktienkurse mittlerweile sogar über dem Stand unmittelbar vor dem Volksreferendum. Vorausgesetzt, man sitzt nicht gerade in den dortigen Finanzwerten. Ausserdem wäre da noch das schwächere Pfund, welches die Bilanz aus Sicht ausländischer Anleger nicht unwesentlich schmälert.

Auch am Schweizer Aktienmarkt dauerte es nur wenige Tage und die Kursscharte war wieder wettgemacht. In einem Punkt unterscheidet sich der jüngste Ausverkauf jedoch grundlegend von früheren Rücksetzern: Ihm fielen vor allem die Aktien zum Opfer, welche schon zuvor schmerzhafte Kursverluste erlitten hatten (siehe Artikel vom 27. Juni).


Der SPI hat seinen in Folge des Brexit erlittenen Einbruch wieder aufgeholt, Quelle: www.cash.ch

Weitestgehend unbeschadet überstanden den Rückschlag die allseits beliebten Nebenwerte. Aktien wie die des Chemieherstellers Ems-Chemie oder der beiden Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed und Straumann haben ihre Rekordjagd bereits wieder aufgenommen. Dasselbe gilt für jene des Warenprüfkonzerns SGS sowie des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan, zwei Vertretern aus dem Swiss Market Index.

Nur gerade bei Ypsomed standen zuletzt kursrelevante Neuigkeiten an. Die europäische Arzneimittelbehörde erteilte einer gemeinsam mit Novo Nordisk entwickelten Insulinpumpe die Marktzulassung, was in Analystenkreisen überaus gut ankam. Bei Ems-Chemie wird hingegen auf ein starkes Halbjahresergebnis spekuliert.

Immerhin auf neue Mehrjahreshöchststände kletterten die Aktien von Valora und Bachem. Auch die Valoren von Kardex, Tecan, Kudelski und Emmi liegen in unmittelbarer Griffnähe zu ihren bisherigen Bestmarken.

Eines haben diese Aktien gemeinsam: Sie alle durchlebten in den vergangenen 18 bis 24 Monaten eine grundlegende Neubeurteilung. Bei einigen der genannten Unternehmen verdoppelte oder verdreifachte sich die Bewertung in dieser Zeit sogar - und das teils ohne erkennbare Gründe.

Die Schere zwischen den beliebtesten und den unbeliebtesten Aktien hat sich im Zuge des jüngsten Börsenrückschlags noch einmal kräftig geöffnet. Die Musik spielt weiterhin ganz klar in den Nebenwerten - aber auch dort nur in einer Handvoll.

Solche Kursexzesse gab es schon immer - und es wird sie auch immer wieder geben. Und dennoch ist die Börse keine Einbahnstrasse. Die Aktionäre früherer Überflieger wie AMS, Myriad Group oder Leonteq dürften wissen, wovon ich spreche.

Nur der Ungeduldige fährt sein Heu nass ein, so sagt man. Allerdings wartet der schlaue Bauer auch nicht den Platzregen ab, wenn er dunkle Wolken am Horizont aufziehen sieht.

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An der Börse in New York bahnt sich eine weitere Grossübernahme an. Vergangene Nacht bestätigte der Nahrungsmittelkonzern Mondelez Medienberichte, wonach er um Hershey buhle. Allerdings habe dieser das Übernahmeangebot zurückgewiesen, so hiess es.

Auch Nestlé wurde in den letzten Jahren immer wieder ein Interesse an Hershey nachgesagt. Es überrascht deshalb nicht, dass das Traditionsunternehmen aus der Westschweiz gerüchtehalber als "weisser Ritter" für den amerikanischen Schokoladehersteller herhalten muss.

Es gibt jedoch gleich mehrere gute Gründe, die gegen einen Bieterkampf um Hershey sprechen. Zum einen spricht die Wahl des Nachfolgers von Konzernchef Paul Bulcke eine unmissverständliche Sprache, was die zukünftige Stossrichtung von Nestlé anbetrifft. Sie lässt vermuten, dass dem Gesundheitsbereich in Zukunft eine grössere Bedeutung zukommen wird. Zum anderen müssten die Westschweizer hohe wettbewerbsrechtliche Hürden nehmen.

Zudem könnte eine Übernahme von Hershey durch Mondelez einen angenehmen Nebeneffekt für Nestlé haben. Denn wie das renommierte "Wall Street Journal" schreibt, gehen die Vertriebsrechte für Schokoriegel der Marke "KitKat" wieder an den Nahrungsmittelkonzern aus Vevey über, sollte Hershey an einen Dritten verkauft werden - und das angeblich ohne Ausgleichszahlung. Immerhin wird der Wert dieser Produktfranchise in Expertenkreisen auf 3 Milliarden Dollar geschätzt.

Womöglich ist das auch der Grund, weshalb die Aktien von Nestlé heute in den Genuss von Anschlusskäufen kommen.
 

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