Beste Aktie des Jahres - Steigt Anlegerliebling AMS in die Nähe von 100 Franken?

Mainfirst Bank mit einer aggressiven Kaufempfehlung für die beliebten Aktien von AMS - Halbherzige Empfehlung für Aktien aus der Schweiz - Und: Was lief bei Logitech am Dienstagnachmittag falsch?
27.07.2017 12:30
cash Insider
Steigt Anlegerliebling AMS in die Nähe von 100 Franken?
Bild: fotolia.com

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Im Zuge des durchwachsenen Zahlenkranzes und des überraschend schwachen Ausblicks für das dritte Quartal gerieten die Aktien von AMS in den letzten Tagen unter Verkaufsdruck. Auch die geradezu beeindruckenden Wachstumsvorgaben für die kommenden Jahre wussten den Rücksetzer vom Rekordhoch nicht zu verhindern.

Allerdings kann sich die Bilanz seit Ende Dezember noch immer sehen lassen: Mit einem Plus von 138 Prozent führen die Papiere des Sensorenherstellers die Gewinnerliste hierzulande unangefochten an.

Ungebrochen euphorisch äussert sich der für die Mainfirst Bank tätige Analyst. Obwohl er seine diesjährigen Prognosen für den operativen Gewinn (EBIT) um 30 Prozent zusammenstreicht, erhöht er das Kursziel für die mit "Outperform" empfohlenen Aktien auf 95 (bisher 85) Franken. Davon leitet sich aus heutiger Sicht noch einmal ein Aufwärtspotenzial von knapp 40 Prozent ab – sehr viel mehr als nur ein Apropos.

Die AMS-Aktien notieren mittlerweile unter den Höchstkursen von Dienstag früh (Quelle: www.cash.ch).

Nach der Erhöhung der firmeneigenen Mittelfristziele und nach einer Road-Show mit Unternehmensvertretern in Frankfurt zeigt sich der Mainfirst-Analyst zuversichtlicher denn je, was die Wachstumsaussichten der nächsten Jahre anbetrifft.

Während sich der vorsichtige Ausblick für das laufende Quartal mit Verzögerungen beim Jubiläumsmodell des iPhone von Grosskunde Apple erklären lässt, dürfen bei AMS die zweifelsohne guten Wachstumsaussichten nicht in die Zukunft extrapoliert werden. Denn die Halbleiterindustrie unterliegt schon seit einer gefühlten Ewigkeit starken Nachfrageschwankungen und ist für einen äusserst intensiven Wettbewerb unter den Anbietern bekannt. Folglich müssen sich Unternehmen wie der hiesige Sensorenhersteller immer wieder neu erfinden und aufpassen, dass sie technologisch nicht den Anschluss verlieren.

Ob die Berechnungen der Mainfirst Bank diesem Umstand genügend Rechnung tragen und der Aktienkurs innerhalb nützlicher Frist in die Region von 100 Franken vorstossen kann, wird sich zeigen.

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Als sich die Strategen der amerikanischen Investmentbank Jefferies im Dezember zum Schweizer Aktienmarkt äusserten, fiel ihr Urteil ziemlich ernüchternd aus. Unser Heimmarkt sei ziemlich teuer, so hiess es damals.

Daran hat sich bis heute zwar nicht viel geändert. Auf einen Prognosehorizont von zwölf Monaten kommen die Experten noch immer auf ein vergleichsweise hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,4 und auf ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,5. Beides liegt sowohl über den historischen Normen als auch über dem Durchschnitt anderer europäischer Börsen.

Anders als noch im Dezember machen die Strategen allerdings zahlreiche vernünftig bewertete Aktien von Unternehmen mit einer Belebung bei der Gewinnentwicklung aus. Dennoch bleiben die Experten pessimistisch für den Schweizer Aktienmarkt. Von einer starken Untergewichtung unseres Heimmarktes raten sie ihrer Anlagekundschaft dann aber trotzdem ab. Überzeugung sieht anders aus...

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Unter Konzernchef Bracken Darrell ist Logitech innerhalb weniger Jahre vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan herangewachsen. Seit Darrell im April 2012 das Ruder übernahm, hat sich der Börsenwert des Peripheriegeräteherstellers mehr als verfünffacht.

Es herrsche Aufbruchsstimmung in den Fluren in Lausanne, vergleichbar mit der eines kleinen Start-Ups, so berichten mir Besucher nach ihrer Rückkehr vom dortigen Hauptsitz. Und tatsächlich: Logitech sprüht nur so vor Wachstum und Innovationskraft.

Am Dienstag legte das Unternehmen einmal mehr einen besser als erwarteten Zahlenkranz vor und erhöhte auch gleich noch die firmeneigenen Zielvorgaben für das Gesamtjahr.

Die Kursentwicklung der Logitech-Aktien vor und nach der Ergebnispräsentation (Quelle: www.cash.ch).

Wurden die Aktien von Logitech im frühen Handel mit Kursgewinnen belohnt, gerieten sie im Laufe des späteren Nachmittags unter Verkaufsdruck. Bei Börsenschluss resultierte ein sattes Minus von über 6 Prozent.

Was ging an diesem Nachmittag schief? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Gut möglich, dass der leicht rückläufige Absatz der kommerziell erfolgreichen Jaybird-Kopfhörer bei den Anlegern für Verstimmung sorgte - oder aber die vom Finanzchef an der Analystenkonferenz angekündigten Vorabinvestitionen im Hinblick auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft.

Vermutlich hatte man sich aber auch einfach auf eine deutlichere Erhöhung der diesjährigen Zielvorgaben für den operativen Gewinn eingestellt, liegen die Prognosen einiger Analysten doch sogar über dem oberen Ende der neuen Zielbandbreite.

Bleibt für die Aktionäre nur zu hoffen, dass sich die Valoren von Logitech rasch wieder fangen können.
 

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