Besteht doch noch Hoffnung für Meyer Burger?

Der cash Insider schreibt, weshalb die Aktionäre von Meyer Burger noch einmal Hoffnung schöpfen dürfen - Und: Der Grund für den heutigen Rückschlag bei den Aktien des Börsenlieblings AMS.
10.10.2014 12:30
cash Insider
Besteht doch noch Hoffnung für Meyer Burger?

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Im November 2012 liess Meyer Burger eine Bombe platzen: Das im Bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen informierte die Schweizer Börse SIX in einer Offenlegungsmeldung über den Einstieg von Platinum Investment Management. Innerhalb nur weniger Wochen baute die Hedgefonds-Gesellschaft des australischen Milliardärs Kerr Neilson ihre Beteiligung von 3,29 auf 5,33 Prozent aus. In der Folge schossen die Namenaktien innerhalb von nur zwei Handelstagen um 34 Prozent in die Höhe.

Nicht so beim diese Woche bekannt gewordenen Einstieg der Capital Group: Mit dem Überschreiten des Schwellenwerts von 3 Prozent wurde die amerikanische Fondsgesellschaft Ende September meldepflichtig. Es dauerte gerademal eine Woche, bis die Capital Group bei Meyer Burger mit einem Ausbau ihres Aktienpakets auf 5,84 Prozent den nächsten Schwellenwert durchschritten hatte.

Kein Wunder, dass die Offenlegungsmeldungen der letzten Tage kaum für Schlagzeilen sorgen. Denn anders als die Capital Group wird Kerr Neilson in der Hedgefonds-Szene oft mit Star-Investor Warren Buffett verglichen. Wie sein amerikanischer Gegenspieler zeichnet sich Neilson mit seinem Gespür aus, in Unternehmen zu investieren, die vom Markt vernachlässigt wurden. Bei der Gründung 1994 stand ihm sogar die Hedgefonds-Legende George Soros zur Seite. Inzwischen verwaltet Neilson ein Vermögen von rund 17 Milliarden Franken.

Bis vor wenigen Wochen wurde Meyer Burger in angelsächsischen Marktkreisen als einer der Gewinner gehandelt, sollte sich Apple beim iPhone 6 für eine Bildschirmabdeckung aus Saphirglas entscheiden. Dem Unternehmen hätte sich so ein neuer Markt für Schneidmaschinen eröffnet, wie sie auch in der Solarindustrie zur Anwendung kommen. Spätestens seit der Produktpräsentation von Mitte September ist allerdings klar: Bei der neusten Generation des Smartphones wird einmal mehr kein Saphirglas verwendet.

Seit wenigen Tagen dürfen nicht nur Grossaktionäre wie Platinum Investment Management oder Capital Group sondern auch die Publikumsaktionäre wieder hoffen. Der amerikanische Hersteller Rubicon Technology zeigt auf seiner Internetseite neuerdings Saphirglasabdeckungen, welche verdächtig solchen für Smartphones aus dem Hause Samsung gleichen. Auch dem koreanischen Gegenspieler von Apple wird schon seit Monaten ein Interesse an Saphirglas-Abdeckungen nachgesagt. Sollten sich diese Anhaltspunkte in Zukunft weiter verdichten, ist aus Sicht der Aktionäre von Meyer Burger für Fantasie gesorgt.

Unklar bleibt, wie es beim Rivalen GT Advanced Technologies weitergeht. Gemäss Unterlagen des amerikanischen Konkursgerichts zählt der Schweizer Solarzulieferer zu den 30 grössten Gläubigern des amerikanischen Mitbewerbers. Den Unterlagen zufolge beträgt die nicht durch Sicherheiten hinterlegte Forderung gut 9 Millionen Dollar.

Damit ist der drohende Ausfall zwar überblickbar. Allerdings ist Meyer Burger selber nicht gerade auf Rosen gebettet, was die finanzielle Situation des Unternehmens anbetrifft. Dank der kürzlich ausgegebenen Wandelanleihe verfügt der einstige Börsenliebling nun über einen längeren Atem, um die nicht enden wollende Auftragsflaute zu überstehen.

Obschon von den Beteiligungen der beiden Grosskationäre Platinum Investment Management und Capital Group grundsätzlich eine positive Signalwirkung ausgeht, handelt es sich bei diesen Engagements um eine sportliche Wette auf eine substanzielle Aufhellung der Auftragslage in der Solarindustrie. Bleibt abzuwarten, ob und wann erste grössere Bestellungen seitens von Saphirglasherstellern eingehen werden.

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Dass auch Börsenlieblinge nicht vor einem Rückschlag gefeit sind, stellt heute AMS unter Beweis. Die Namenaktien des in den letzten Jahren äusserst erfolgreichen Halbleiterherstellers stehen seit Handelsbeginn unter starkem Abgabedruck.

Losgetreten werden die vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum eintreffenden Verkaufsaufträge durch Produktprobleme des Schlüsselkunden Knowles.

Einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme ich, dass die Amerikaner bei AMS für geschätzte 8 Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich sind. Knowles habe bei einem neuen Produkt mit unerwarteten Defekten zu kämpfen und die Produktion deshalb vorläufig eingestellt. Firmeneigenen Angaben zufolge sei das Problem erkannt. Als einziger Zulieferer der Amerikaner werde der Halbleiterhersteller vermutlich ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Der Verfasser des Kommentars bezeichnet den heutigen Rückschlag zwar als kurzfristige Einstiegsgelegenheit. Sobald die guten Neuigkeiten rund um die starke Geschäftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte erst einmal bekannt sind, rät er jedoch dazu, bei AMS Geld vom Tisch zu nehmen.

Obschon ich von den langfristigen Wachstumsaussichten des Börsenlieblings überzeugt bin, halte ich auf kurze Sicht weitere Rückschläge für möglich. Denn sein Börsenwert hat sich alleine in der Zeit seit dem Frühsommer letzten Jahres im Kurs verdreifacht, was ihn zum Opfer von Gewinnmitnahmen machen könnte.