«Bewährungsprobe steht den Börsen ab Mitte 2017 bevor»

Ein bekannter Stratege erwartet noch auf Monate hinaus steigende Aktienkurse, befürchtet dann aber einen turbulenten Sommer - Und: Aktien von Syngenta werden von Dividendenspekulationen erfasst.
21.12.2016 14:30
cash Insider
«Bewährungsprobe steht den Börsen ab Mitte 2017 bevor»
Bild: fotolia.com

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Noch ziemlich genau sechs Handelstage trennen das laufende vom kommenden Börsenjahr - und knapp 150 Punkte unseren Swiss Performance Index (SPI) vom Schlussstand vom vergangenen Dezember.

Unabhängig davon, ob das breit gefasste Börsenbarometer diese Lücke noch zu schliessen vermag, rechnet der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Stratege bis weit ins nächste Jahr hinein mit steigenden Aktienkursen.

Dem auch zahlreiche Aktien aus der Schweiz umfassenden Stoxx Europe 600 Index traut er bis zum Frühsommer einen Anstieg in die Region von 395 bis 400 Punkten zu. Aus heutiger Sicht entspräche das einem Anstieg um respektable 10 Prozent.

Die Bewährungsprobe stehe den Börsen dann ab Mitte 2017 bevor, so lässt der bekannte Experte seine Anlagekunden wissen. Ab dann sieht er nämlich die Zinsentwicklung zu einer Belastung für die Aktienkurse werden.

Noch hat der SPI (grün) gegenüber dem Stoxx Europe 600 Index (rot) die Nase vorn; Quelle: www.cash.ch

Wo diesbezüglich die Schmerzgrenze liegt, deutet der Stratege allerdings nur für amerikanische Staatsanleihen an. Bei solchen mit einer Laufzeit von 10 Jahren veranschlagt er den Schwellenwert auf 3 Prozent. Bei solchen mit einer Laufzeit von 30 Jahren wird es über 3,7 Prozent kritisch für die Börsen.

Gut kommt unser Schweizer Aktienmarkt im europäischen Vergleich allerdings nicht gut weg, wird er bei Kepler Cheuvreux doch weiterhin nur mit "Underweight" eingestuft. Ein Blick auf die Branchenpräferenzen verrät denn auch weshalb: Sowohl für die Nahrungsmittel- als auch für die Pharmaaktien senkt der Stratege seinen Daumen. Die beiden Branchen sind hierzulande für mehr als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Bleibt aus Sicht von uns Schweizern zu hoffen, dass der Experte mit seiner Einschätzung für die kommenden Wochen und Monate richtig liegt und "die Flut alle Boote hebt".

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Den Aktionären von Syngenta bleibt mehr Zeit, ihre Aktien anzudienen. Gestern verlängerte ChemChina abermals die Angebotsfrist. Diese läuft neuerdings bis zum 2. März. Ob diesbezüglich das letzte Wort bereits gesprochen ist, liegt allerdings in den Händen europäischer und brasilianischer Wettbewerbshüter.

Gerade in angelsächsischen Kreisen werden die Aktien des Agrarchemiekonzerns aus Basel deshalb ins Deutsche übersetzt als "totes Geld" bezeichnet. Das könnte auch erklären, weshalb in New York noch immer umfangreiche Wetten gegen die dort gehandelten American Depositary Receipts (ADR) laufen.

Üblicherweise haftet dieser Ruf nur Aktien von längerfristig mit Problemen behafteten Unternehmen an. Alleine schon aufgrund des Abschlags von noch immer fast 15 Prozent gegenüber der Summe des Barangebots und der geplanten Sonderdividende kann bei Syngenta von "totem Geld" keine Rede sein - sofern man denn an ein Zustandekommen der Übernahme durch ChemChina glaubt.

Die Syngenta-Aktien (rot) im Vergleich mit dem in New York gehandelten ADRs (grün); Quelle: www.cash.ch

Der für Helvea tätige Chemieanalyst, er gilt als ein profunder Branchenkenner, geht sogar noch einen Schritt weiter und rechnet sich darüber hinaus gute Chancen auf eine reguläre Dividende aus.

Der Grund: Zieht sich der regulatorische Zulassungsprozess ins zweite Quartal hinein, zwingt das hiesige Börsengesetz den Agrarchemiekonzern aus Basel zu einer Generalversammlung. Einer ordentlichen Dividende auf Vorjahresniveau stünde dann vermutlich nicht mehr viel im Weg - quasi ein Schmerzensgeld für die Zitterpartie der Aktionäre.

In Erwartung eines Zustandekommens der milliardenschweren Übernahme mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, setzen die Strategen von Helvea die mit einem Kursziel von 449 Franken empfohlenen Aktien auf die Favoritenliste für das kommende Jahr.

Werden wie jüngst in Australien regulatorische Meilensteine erreicht, schmilzt der Bewertungsabschlag gegenüber dem rechnerischen Barangebot stetig etwas. Aufgrund fehlender wettbewerbsrechtlicher Hürden ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Damm bricht und Arbitrageure den Leerverkäufern das Fürchten lernen.

 

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