BlackRock & Co. nehmen in der Schweiz Geld vom Tisch

Der cash Insider weiss von Aktienverkäufen durch Grossinvestoren wie BlackRock und Allianz in der Schweiz zu berichten - Und: Wird Clariant als nächstes Unternehmen ins Ausland verkauft?
05.07.2016 12:30
cash Insider
BlackRock & Co. nehmen in der Schweiz Geld vom Tisch
Bild: fotolia.com

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Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich fest in ausländischer Hand. Wenn mächtige Grossinvestoren wie Goldman Sachs, BlackRock & Co. als Käufer oder Verkäufer in Erscheinung treten, treibt das selbst den abgebrühtesten unter den hiesigen Marktakteuren der Angstschweiss auf die Stirn.

Noch keine Woche ist es her, dass ich von auffälligen Beteiligungsreduktionen im Vorfeld des Volksreferendums in Grossbritannien zu berichten wusste (siehe Kolumne vom 29. Juni). Es ist, als hätten die ausländischen Grossinvestoren den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (EU) und die darauffolgenden Börsenturbulenzen rechtzeitig antizipiert - während ihre hiesigen Gegenspieler bis zuletzt blauäugig mit einem Verbleib des Inselreichs im Länderverbund rechneten.

Wer nun denkt, dass diese mächtigen Marktakteure den jüngsten Rücksetzer am hiesigen Aktienmarkt zur Wiederaufstockung ihrer Aktienbestände genutzt haben, der irrt gewaltig. In den letzten Tagen gingen bei der Schweizer Börse SIX nämlich vorwiegend Offenlegungsmeldungen "à la vente" ein.

So trennte sich die Allianz von den renditestarken Aktien von Sunrise Communications. Im Zuge dessen fiel der Stimmenanteil des grossen deutschen Versicherungskonzerns unter den Schwellenwert von 10 Prozent.

Auch bei Burckhardt Compression trat die Allianz als Abgeberin in Erscheinung. Neu hält die Grossaktionärin beim Hersteller von Kolbenkompressoren weniger als 3 Prozent der ausstehenden Aktien.

BlackRock nahm zuletzt ebenfalls Geld vom Tisch. Nachdem der wohl grösste Vermögensverwalter der Welt vor wenigen Wochen schon bei Temenos Kasse gemacht hat, trennte er sich nun auch bei Clariant, Julius Bär und Helvetia von Aktien. Am augenfälligsten ist die Beteiligungsreduktion von 4,97 auf 2,98 Prozent beim mittelständischen Versicherer Helvetia sowie jene von 5,95 auf 4,99 Prozent bei Julius Bär.

Vermutlich seien zumindest Teile des Verkaufserlöses in die Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis geflossen, so lasse ich mir von Händlern sagen - und die hohen ausserbörslichen Blocktransaktionen der letzten Tage scheinen diesen Stimmen Recht geben zu wollen.

Bei Temenos hat mit dem Alken Fund übrigens ein weiterer namhafter Aktionär aus dem Ausland seine Beteiligung reduziert. Hielt der Hedgefonds bislang 4,96 Prozent am Bankensoftwarehersteller aus Genf, so sind es neu nur noch 2,99 Prozent.

Während sich Grossinvestoren wie BlackRock oder Allianz bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Grosskonzernen meist unter dem Radar der Öffentlichkeit bewegen und höchst selten mal einen meldepflichtigen Schwellenwert verletzen, verhält es sich bei den Nebenwerten anders. Meist sind es die Beteiligungsveränderungen bei den kleineren und mittelgrossen Unternehmen, welche verraten, wie sich die mächtigen ausländischen Marktakteure an unserem Heimmarkt positionieren. Gerade deswegen haben Offenlegungsmeldungen wie jene der letzten Tage durchaus Signalwirkung.

Die zahlreichen Beteiligungsreduktionen und das Ausbleiben von Beteiligungserhöhungen lassen tief blicken. Denn sie sind ein klares Misstrauensvotum an die jüngste Börsenerholung.

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Die Chemieindustrie ist ein hartes Pflaster geworden. Gerade in den Schwellenländern wurden über die letzten Jahre gewaltige Produktionskapazitäten geschaffen. Diese wollen jetzt ausgelastet werden. In Anbetracht der verhaltenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist das aber alles andere als ein einfaches Unterfangen.

Es sind diese Überkapazitäten sowie der immer intensivere Wettbewerb seitens von Billiganbietern aus den Schwellenländern, welche für eine weitere Übernahmewelle sprechen. Der Zusammenschluss von Dow Chemical und DuPont, das Interesse von Bayer an Monsanto und die Übernahmeofferte von ChemChina für Syngenta - das alles ist wohl erst der Anfang.

Dieser Meinung sind auch die Chemieanalysten der Credit Suisse. In einer Sektorenstudie berichten sie von einem gewaltigen Druck auf die Chemiehersteller, sich mit passenden Mitbewerbern zusammenzuschliessen.

Dabei steht für die Experten fest: Clariant wird womöglich der nächste Industrievertreter aus der Schweiz, welcher ins Ausland verkauft werden könnte. Als potenzielle Käufer müssen BASF, Arkema, Evonik, Lanxess sowie die japanische Sumitomo Chemical herhalten. Gerade der Name BASF fällt nicht zum ersten Mal (siehe Kolumne vom 27. April).

Ein gewichtiges Wort hätte allerdings die aus früheren Südchemie-Anteilseignern zusammengesetzte Aktionärsgruppe mitzureden. Wie Offenlegungsmeldungen entnommen werden kann, kontrolliert sie 13,89 Prozent der Stimmen.

Wie mir berichtet wird, müsste ein ausländischer Interessent schon tief in die Tasche greifen, um diese Aktionärsgruppe zu einem Verkauf bewegen zu können. Hinter vorgehaltener Hand ist von Preisvorstellungen in der Region von 27 Franken je Aktie in bar die Rede. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Aufschlag von nicht weniger als 60 Prozent.
 

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