Börsenblasen - Goldgräberstimmung bei Nebenwerten weckt böse Erinnerungen

Der cash Insider zieht eine weitere Zwischenbilanz bei seinen Aktienfavoriten und verrät, weshalb der Schweizer Markt nicht vom Fleck kommt. Und welche Aktie den Anlegern zudem eine Warnung sein sollte.
05.04.2017 12:30
cash Insider
Goldgräberstimmung bei Nebenwerten weckt böse Erinnerungen
Bild: fotolia.com

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Um es vorwegzunehmen: Der Höhenflug bei den Nebenwerten aus der Schweiz dauert unverändert an. Erst am Montag liess eine bunte Mischung aus Anlage- und Deckungskäufen beim Swiss Performance Index (SPI) den Unterindex für mittelgrosse Unternehmen (SMCI) auf neue historische Rekordstände klettern.

Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich beim Börsenbarometer ein Plus von mehr als 10 Prozent. Zum Vergleich: Das ist mehr als in den zwölf Monaten zuvor. Was in New York die Überflieger wie Facebook, Amazon oder Alphabet, sind bei uns mangels Alternativen die Nebenwerte. Der Himmel ist das Limit.

Das Tränenmeer, vor dem ich in den letzten Wochen doch so eindringlich gewarnt hatte, es lässt auf sich warten. Für Aufschub sorgt die Kapitulation entnervter Leerverkäufer (siehe Kolumne vom 9. Februar). Diese kosteten ihre Wetten gegen den Sensorenhersteller AMS, den Vermögensverwalter GAM oder Leonteq, einen führenden Anbieter strukturierter Produkte, viel Geld. Doch auch spekulatives Kaufinteresse in den Warrants liess die Kurse vielerorts noch einmal kräftig steigen (siehe gestrige Kolumne zur VAT Group).

Dass der Unterindex für kleine Unternehmen (SSCI) diese Rekordjagd schon seit Wochen nicht mehr mitträgt, scheint diesen Verdacht zu bestätigen. Denn Leerverkäufer machen für gewöhnlich einen grossen Bogen um die schlecht handelbaren Kleinstaktien, und auch die Emittenten von Warrants und strukturierten Produkten scheuen diese wie der Teufel das Weihwasser.

Und anstatt ihre Anlagekundschaft zur Besinnung zu bringen, heizen viele Aktienanalysten die Stimmung weiter an. Beispiele hierfür gibt es wie Sand am Meer (siehe Kolumnen vom 21. und 23. März). Spektakulär die Kaufempfehlungen - abenteuerlich die dazugehörigen Kursziele.

Die ersten Überflieger der letzten Jahre zeigen nun aber Ermüdungserscheinungen. Gerade die Kursentwicklung der noch immer sehr beliebten Aktien von Kardex, einem führenden Anbieter von Logistiklösungen, sollte Anlegern eine Warnung sein. Nach neuen Mehrjahreshöchstständen bei 114,30 Franken rund um die Jahresergebnisveröffentlichung vom 8. März herum sind die Papiere des in Zürich beheimateten Unternehmens in den zweistelligen Frankenbereich zurückgefallen.

Anderen Nebenwerten könnte ein ähnliches Schicksal wie den Kardex-Aktien drohen (Quelle: www.cash.ch).

Was bei den hiesigen Nebenwerten als Goldgräberstimmung bezeichnet werden muss, weckt bei mir böse Erinnerungen an frühere Exzesse - egal ob an die Technologieblase von Ende der 1990er Jahre, das Kursfeuerwerk im Bereich alternativer Energien (Solar, Brennstoffzellen) oder an den Höhenflug der Banken- und Versicherungsaktien unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise.

Die Marktakteure vergessen schnell. Vermutlich steckten nicht wenige der heutigen Fondsmanager und Vermögensverwalter Ende der 1990er Jahre noch in den Kinderschuhen. Sie kennen das Platzen der Technologieblase nur vom Hörensagen.

Rückblickend erweisen sich meine Ende Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 einmal mehr als zu vorsichtig. Ausgebremst werden sie insbesondere von den beiden Indexschwergewichten Nestlé und Novartis.

Schon seit Wochen bremsen die Schwergewichte Nestlé (grün) und Novartis (violett) den SPI (rot) (Quelle: www.cash.ch).

Mit einem Plus von 5,48 Prozent lässt sich die Zwischenbilanz per Ende März zwar sehen. Im Vergleich mit dem um 7,18 Prozent höheren SPI ziehen die Aktienfavoriten jedoch ganz klar den Kürzeren. Asche über mein Haupt.

Seit ich am 28. Februar bei 10,80 Franken auf den Aktien von OC Oerlikon mit einem Gewinn von 8,4 Prozent ausgestoppt worden bin (siehe Kolumne vom 20. Februar) und nach Eingang der Dividendenzahlungen bei Novartis und der Zurich Insurance Group, halte ich taktische Barmittel im Umfang von etwas mehr als 10 Prozent des rechnerischen Vermögens. Bei der Zurich Insurance Group habe ich die bei 273 Franken gesetzte Verkaufslimite im Hinblick auf den Dividendenabgang vom letzten Freitag um 17 Franken gesenkt.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 11'815,71

   

ABB N

465

21,50

10'894,95

897,45

+8,98%

Nestlé N

137

73,15

10'528,45

506,90

+5,06%

Novartis N

135

74,15

10'037,25

27,00

+0,27%

Syngenta N

24

405,90

10'610,40

868,80

+8,92%

Zurich N

36

279,80

9'626,40

-446,40

-4,43%

Basilea N

137

72,60

11'850,50

1'904,30

+19,15%

Burckhardt N

30

304,25

8'137,50

-990,00

-10,85%

Dätwyler I

73

137,60

11'271,20

1'226,40

+12,21%

Meyer Burger N

12'600

0,79

10'710,00

+756,00

+7,59%

           

Total

   

105'482,36

 

+5,48%

* Schlusskurse vom 31. März 2017

Im Zuge von Übernahmespekulationen und aggressiven Deckungskäufen rückten die Aktien von Basilea vorübergehend in die Nähe von 100 Franken vor. Doch so rasch wie die Spekulationen aufkamen, versandeten sie allerdings auch wieder - was für die Kursentwicklung nicht ohne Folgen blieb. Auf Basis des vorliegenden Jahresergebnisses und des ermutigenden Ausblicks bleibe ich bei meiner positiven Einschätzung des kleinen Pharmaherstellers aus dem Baselbiet. Es wäre sogar fast ein bisschen schade, wenn nach Actelion auch Basilea ins Ausland verkauft würde.

Selbst die grosszügige Dividende aufgerechnet, sind die Aktien der Zurich Insurance Group den Erwartungen einiges schuldig geblieben. Schon seit Wochen versuchen gewisse Marktkräfte die Stimmung zu vergiften. Dabei schrecken sie vor nichts zurück und dichten dem Versicherungskonzern aus Zürich neben milliardenschweren Grossübernahmen auch Nachreservierungen an. Seit gestern ist selbst das leidige Thema der Asbest-Verbindlichkeiten wieder in aller Munde (siehe gestrige Kolumne). Den ausländischen Leerverkäufern lässt sich - so befürchte ich - nur mit weiteren Fortschritten im operativen Geschäft Herr werden. Bis zur Quartalsergebnispräsentation vom 11. Mai dauert es aber noch eine ganze Weile.

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1'004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1'004

10,80

CHF

10'843,20+

 

In die Aktien von Meyer Burger kommt endlich Bewegung. Die Papiere des Solarzulieferunternehmens aus Gwatt scheinen den Leerverkäufern immer mehr zu entgleiten (siehe die Kolumne vom 22. März). Alleine seit Jahresbeginn hat das Unternehmen Grossaufträge im Gesamtwert von 84 Millionen Franken gemeldet. Nach der Bilanzsanierung vom Dezember gilt das Interesse der im Mai zur Rückzahlung kommenden Obligationsanleihe. Danach sollte das Hauptaugenmerk wieder dem Tagesgeschäft gelten. Mit Konzernchef Hans Brändle und Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel haben zwei profunde Branchenkenner das Sagen. Nun braucht Meyer Burger nur noch mit weiteren millionenschweren Neuaufträgen nachzulegen.
 

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