Börsendebütant - Federführende Bank trennt sich von Landis+Gyr-Aktien

Die Fondssparte der UBS verramscht Aktien der vom Mutterhaus an die Börse gebrachten Landis+Gyr - Und: Swiss Re und das lukrative Geschäft mit geschlossenen Lebensversicherungen.
10.10.2017 12:30
cash Insider
Federführende Bank trennt sich von Landis+Gyr-Aktien
Bild: fotolia.com

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Eigentlich hatte die Rückkehr von Landis+Gyr an die Börse alle für einen Erfolg notwendigen Zutaten. Das Unternehmen verfügt über eine traditionsreiche Firmengeschichte und ist in zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten tätig.

Doch es sollte alles ganz anders kommen: Gleich am ersten Handelstag fiel die Aktie des Stromzählerproduzenten aus Zug zeitweise unter den Ausgabepreis von 78 Franken.

Als die Kursnotierungen Ende August in die Nähe von 70 Franken fielen, wurden die mit dem Börsengang betrauten Banken aktiv. Nicht nur die federführende UBS, auch die ebenfalls involvierte Credit Suisse eilten den Aktien mit aggressiven Kaufempfehlungen zu Hilfe. Als hätten sich die beiden Schweizer Grossbanken abgesprochen, lautete das Kursziel unisono 90 Franken.

Die Aktienkursentwicklung von Landis+Gyr blieb den Erwartungen bisweilen vieles schuldig (Quelle: www.cash.ch).

Mit mehr als 300 Millionen installierten Geräten - davon entfallen gut 60 Millionen Geräte auf intelligente Stromnetze (Smart Grids) - nehme das Unternehmen eine führende Stellung in einem stark wachsenden Markt ein, so argumentierte der für die UBS tätige Analyst damals. Gleichzeitig liess er durchblicken, dass die solide Bilanz Hand für eine attraktive Dividendenpolitik biete.

Das hält die Fondsgesellschaft der Schweizer Grossbank allerdings nicht davon ab, ihr am ersten Handelstag aufgebautes Aktienpaket zu reduzieren. Denn wie Landis+Gyr die Schweizer Börsenbetreiberin SIX heute informiert, ist der Stimmenanteil des UBS Fund Management von ursprünglich 3,65 auf unter 3 Prozent gefallen.

Dass sich die Fondsmanager einer Grossbank wie der UBS nicht an die Aktienempfehlungen der hauseigenen Analysten halten, kommt immer wieder vor und erklärt sich auch mit der internen Organisation, die Interessenskonflikte verhindern soll.

Dennoch spricht es Bände, wenn sich die Fondsgesellschaft einer federführenden Bank bei einem Unternehmen wie im vorliegenden Fall wenige Monate nach dem Börsengang zurückzieht - und dies trotz ausstehender Kaufempfehlung.

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Das Schlussquartal ist zwar erst wenige Tage alt. Doch schon heute zeichnet sich ab, dass 2017 bei Swiss Re nicht als ein gutes Geschäftsjahr in die traditionsreiche Firmengeschichte eingehen wird.

Waren die ersten sieben Monate von gedrückten Prämienansätzen und rückläufigen Geschäftsvolumina geprägt, führten im August und September zwei verheerende Wirbelstürme in Florida und Texas sowie Erdbeben in Mexiko zu Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe. Wie viel davon auf den Rückversicherungskonzern aus Zürich durchschlägt und ob das geplante Aktienrückkaufprogramm überhaupt noch umgesetzt wird, darüber lässt sich vorläufig bloss spekulieren.

Die Aktien von Swiss Re sind schon seit Wochen wieder gefragt (Quelle: www.cash.ch).

So war es in der Nacht auf Freitag an der Zeit, dass Swiss Re endlich wieder einmal mit einer erfreulichen Meldung aufwarten konnte. Eine bekannte japanische Versicherungsgruppe will sich in mehreren Schritten mit umgerechnet einer Milliarde Franken am Geschäft mit abgeschlossenen Lebensversicherungspolicen beteiligen. Das dadurch freiwerdende Kapital lässt eine weitere Verstärkung dieses Geschäftszweiges über Zukäufe erwarten.

Interessantes entnehme ich einem mir aus London zugespielten Kommentar der dortigen Grossbank Barclays. Berechnungen des Autors zufolge erhöht sich der sogenannte Sum-of-the-Parts-Wert durch die der Transaktion zugrundeliegenden Bewertungsgrössen zwischen 7 und 14 Prozent.

Weshalb der Analyst die Aktien von Swiss Re weiterhin nur mit "Equal Weight" und einem Kursziel von knapp 89 Franken einstuft, bleibt mir allerdings ein Rätsel...
 

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